„Wird noch besser“: Antonellis Krönung und die Folgen

<p>Mehrere Szenarien können am Sonntagabend für eine vorzeitige Antonelli-Krönung führen.</p>
Mehrere Szenarien können am Sonntagabend für eine vorzeitige Antonelli-Krönung führen. | Foto: Photo News

Am Sonntag wird es historisch, da ist man sich ziemlich sicher in der Formel 1. Gegen 23 Uhr belgischer Zeit wird Kimi Antonelli als jüngster Weltmeister der Historie durch das bunt geschmückte Fahrerlager von Mexiko-Stadt laufen, mit 20 Jahren wird er die großen Hoffnungen bei Mercedes dann bereits erfüllt haben – und dadurch wohl ein noch besserer Rennfahrer werden.

Das zumindest glaubt Max Verstappen, der nach landläufiger Meinung beste der Besten in der Formel 1. Antonelli sei „ein Ausnahmetalent“, sagte Verstappen der Sport Bild: „Dieses Jahr ist er phänomenal gefahren, und da kommt in Zukunft noch mehr. Er hat noch nicht 100 Prozent seines Talents ausgeschöpft, und auch der Gewinn der WM wird ihn noch besser machen.“

Verstappen muss es wissen, seinem ersten Triumph im Jahr 2021 ließ er gleich drei weitere folgen. „Wenn du einmal Weltmeister warst, wirst du ruhiger“, sagt der Red-Bull-Pilot: „Du hast dein Lebensziel erfüllt, gehst entspannter in Rennwochenenden.“

Nervös muss Antonelli in diesen Tagen von Mexiko ohnehin nicht mehr sein. Dass es am Sonntag passiert, im fünftletzten Rennen des Jahres, ist auf verschiedenen Wegen möglich: Gewinnt weder sein Teamrivale George Russell noch Lewis Hamilton im Ferrari, dann gehört der Titel ihm – und beide präsentierten sich zuletzt nicht in Siegform. Doch selbst wenn einer der beiden gewinnt, genügt Antonelli ein neunter Platz (im Falle eines Russell-Sieges) oder ein zehnter Platz (im Falle eines Hamilton-Sieges) für die vorzeitige Krönung. Das alles bedeutet auch: Scheiden Russell und Hamilton im Rennverlauf aus, dann steht Antonellis Krönung bereits vor der Zieleinfahrt fest.

Der junge Italiener selbst kam bislang nur in einem Rennen dieser Saison nicht ins Ziel, verpasste bei 18 Grands Prix nur zweimal die Top 10. In seinem erst zweiten Jahr in der Formel 1 ist es vor allem Antonellis Konstanz, die für die frühzeitige Titelentscheidung sorgt. Der junge Mann aus Bologna ist stark im Qualifying, fährt im Rennen so aggressiv wie möglich und so vorsichtig wie nötig – und soll nun in den kommenden Jahren noch besser werden?

Das klingt zunächst nach einer neuen Ära der Dominanz eines Mercedes-Piloten, wie sie Hamilton ab 2014 prägte. Allerdings wird auch Antonelli weiterhin davon abhängen, dass Mercedes ihm ein herausragendes Auto baut, und dieser Faktor ist schon im Laufe des Jahres 2026 schwächer geworden. Mercedes profitiert im Herbst noch immer sehr stark von seiner Überlegenheit im Frühjahr.

Beim Blick auf die Form nach der Sommerpause ergibt sich aber ein anderes Bild. In den vergangenen Rennen ist Verstappen der mit Abstand punktstärkste Fahrer, Antonelli liegt in dieser Phase etwa gleichauf mit Ferrari-Pilot Charles Leclerc. Die Teams haben das grundlegend veränderte Reglement mittlerweile für ihre Autos entschlüsselt und liegen nah beieinander – das lässt für das kommende Jahr einen engeren Kampf erwarten.

Zur Saison 2027 ändert sich an den technischen Vorgaben wenig, den größten Eingriff gibt es in der Power Unit: Der Elektromotor, der in diesem Jahr erstmals fast die Hälfte der Leistung beisteuert, wird zugunsten des Verbrenners leicht gedrosselt. Und den besten Verbrenner hat in diesem Jahr: Red Bull. Wer also einen Favoriten für 2027 sucht, müsste eigentlich bei Max Verstappen herauskommen. (sid/tf)

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