Bis zu drei Milliarden Euro zusätzliches Wachstum und 500 neue Arbeitsplätze innerhalb von zwei Jahren: Die belgische Nuklearbranche verfügt nach Einschätzung des Technologieverbandes Agoria über erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Doch dieses bleibt bislang weitgehend ungenutzt, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie hervorgeht.
Dabei ist die Branche bereits heute ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Rund 260 Unternehmen sind in Belgien entlang der nuklearen Wertschöpfungskette tätig. Zusammen beschäftigen sie etwa 8.300 Vollzeitkräfte und erwirtschaften einen Umsatz von 9,5 Milliarden Euro.
Unternehmen warten auf klare Perspektiven
Das größte Hindernis ist laut Agoria die Unsicherheit über die langfristige Entwicklung der Atomenergie in Belgien. Gleich drei von fünf Unternehmen stellen geplante Investitionen vorerst zurück.
Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei der Frage nach den größten Schwierigkeiten aus: 94 Prozent der befragten Branchenakteure nennen fehlende langfristige Planungssicherheit als wesentliches Hindernis. Hinzu kommen komplizierte Marktzugangsbedingungen und ein Mangel an qualifizierten Fachkräften.
„Belgien braucht einen bezahlbaren, zuverlässigen und CO₂-armen Energiemix“, erklärte Agoria-Generaldirektor Bart Steukers. Ohne konkrete Projekte im eigenen Land drohten belgische Unternehmen jedoch, wertvolles Fachwissen und wichtige Referenzprojekte zu verlieren, warnte er.
Forderung nach klarer Atomstrategie
Der Technologieverband fordert deshalb eine verbindlichere Planung für die Zukunft der belgischen Nuklearindustrie. Besonderes Augenmerk legt Agoria auf sogenannte kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR), die als mögliche Ergänzung zu herkömmlichen Atomkraftwerken gelten. Zudem müssten Genehmigungsverfahren vereinfacht werden, damit Unternehmen schneller investieren und qualifizierte Fachkräfte langfristig halten könnten. (belga/calü)

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