ESC-Boykott: Niederlande bleiben Eurovision 2027 fern

<p>Im Hafen von Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste, wo 2027 der 71. Eurovision Song Contest stattfinden wird, weht eine Eurovision-Fahne.</p>
Im Hafen von Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste, wo 2027 der 71. Eurovision Song Contest stattfinden wird, weht eine Eurovision-Fahne. | Foto: Valentina Petrova/AP/dpa

Die Niederlande bleiben dem Eurovision Song Contest (ESC) im kommenden Jahr fern. Das gab der öffentlich-rechtliche Rundfunk NPO am Dienstag bekannt. Ausschlaggebend sei die weiterhin umstrittene Teilnahme Israels vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges.

„Wir wissen seit einiger Zeit, dass die Teilnahme Israels unterschiedliche Reaktionen in der Gesellschaft hervorruft und zu Debatten und Spaltungen führt“, erklärte NPO-Mediendirektor Jurre Bosman. Nach Beratungen mit dem Rundfunkrat habe man deshalb entschieden, auf eine Teilnahme an der Ausgabe 2027 zu verzichten.

Die Diskussion um Israel belastet den Wettbewerb seit Längerem. Nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023, bei dem in Israel rund 1.200 Menschen getötet und 251 als Geiseln verschleppt wurden, begann Israel eine groß angelegte Militäroffensive im Gazastreifen. Dabei wurden Zehntausende Palästinenser getötet, weite Teile des Gebiets zerstört und der Großteil der Bevölkerung vertrieben.

Entscheidung nach mehreren Kurswechseln

Dem endgültigen Rückzug der Niederlande ging ein monatelanges Hin und Her voraus. Bereits im August hatte der Sender AVROTROS, der normalerweise für die Auswahl des niederländischen ESC-Beitrags zuständig ist, seine Teilnahme abgesagt. Angesichts der Kontroversen um den Gaza-Krieg könne der Wettbewerb nicht mehr als neutral betrachtet werden, lautete die Begründung.

Im September kündigte die NPO zunächst an, die Aufgaben von AVROTROS zu übernehmen und die Teilnahme doch zu ermöglichen. Diese Entscheidung wurde nun wieder rückgängig gemacht.

NPO-Vorstandschef Jet de Ranitz räumte ein, dass der Rückzug viele niederländische ESC-Fans enttäuschen dürfte. Der Wettbewerb werde dennoch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen. „Für eine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2027 ist es derzeit noch zu früh“, erklärte er.

Weitere Länder verzichten auf Teilnahme

Die Niederlande sind nicht das einzige Land, das dem Wettbewerb fernbleiben will. Auch Irland hat seinen Rückzug angekündigt. Der Chef des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Spanien sprach sich ebenfalls für einen Boykott aus. Tschechien sagte seine Teilnahme Anfang Oktober dagegen aus finanziellen Gründen ab.

Bereits 2026 hatten die Niederlande, Island, Spanien, Irland und Slowenien den Wettbewerb wegen der israelischen Teilnahme boykottiert. Spanien, Irland und Slowenien verzichteten damals auch auf die Fernsehübertragung.

Die Einschaltquoten gingen zurück: Rund 131 Millionen Menschen verfolgten den ESC 2026, etwa 35 Millionen weniger als im Vorjahr.

Belgien hält trotz Kritik an ESC-Teilnahme fest

Auch in Belgien ist die Debatte um Israels Teilnahme nicht beendet. 2027 ist turnusgemäß der flämische Rundfunk (VRT) für den belgischen Beitrag verantwortlich. In diesem Jahr hatte die französischsprachige RTBF die Sängerin Essyla ins Rennen geschickt. Sie erreichte mit „Dancing on the Ice“ das Finale in Wien und belegte dort den 21. Platz.

Die VRT hatte bereits im Mai mit einem Rückzug für 2027 gedroht, sollten die Veranstalter nicht für mehr Transparenz und klare Regeln sorgen. Ende September bestätigte der Sender jedoch die belgische Teilnahme. Ausschlaggebend seien Fortschritte bei den Teilnahmebedingungen und Abstimmungsverfahren gewesen. VRT-Geschäftsführer Frederik Delaplace betonte zugleich, dass die Entscheidung keine Billigung der Ereignisse im Gazastreifen bedeute. Die Gewerkschaften des Senders halten an ihrer Kritik fest und haben bereits eine Streikankündigung für die ESC-Tage im Mai 2027 eingereicht.

ESC 2027 erstmals in Bulgarien

Der Eurovision Song Contest 2027 soll am 15. Mai in Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste stattfinden. Bulgarien richtet den Wettbewerb erstmals aus, nachdem die Sängerin Dara, mit bürgerlichem Namen Darina Yotova, die diesjährige Ausgabe in Wien gewonnen hatte.

Ob weitere Länder auf eine Teilnahme verzichten werden, bleibt abzuwarten. Die Veranstalter hatten im August angekündigt, künftig keine Länder mit der Ausrichtung zu betrauen, die an bewaffneten Konflikten beteiligt sind. Die Boykottdebatte konnte diese Entscheidung allerdings nicht beenden. (belga/calü)

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