Die Nachricht kam für die Belegschaft überraschend: Am Freitag informierte Generali seine Mitarbeiter per E-Mail über die Pläne. Für Montag ist eine außerordentliche Belegschaftsversammlung vorgesehen. Wie die „Aachener Zeitung“ berichtet, hatten Beschäftigte zwar mit einer Zusammenlegung der beiden Aachener Standorte in der Innenstadt und an der Anton-Kurze-Allee gerechnet, nicht jedoch mit einem vollständigen Rückzug aus der Stadt. Einen konkreten Schließungstermin nennt der Konzern bislang nicht. Die Umstrukturierung soll bis Ende 2030 abgeschlossen sein. Bis dahin sichert Generali den Beschäftigten eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie zu. Über die Einzelheiten will das Unternehmen nun mit dem Konzernbetriebsrat verhandeln.
Die Schließung in Aachen ist Teil einer bundesweiten Neuorganisation. Generali will seine Tätigkeiten künftig auf fünf Regionalzentren in München, Köln, Karlsruhe, Hamburg und Saarbrücken konzentrieren. Neben Aachen sollen deshalb auch die Standorte Nürnberg und Stuttgart aufgegeben werden. Die Niederlassungen in Frankfurt, Leipzig und Berlin bleiben bestehen. Mit den Zusammenlegungen will der Versicherer unter anderem Gebäudekosten sparen. Dabei verweist das Unternehmen auch auf die zunehmende Arbeit im Homeoffice. Gleichzeitig sollen deutschlandweit bis zu 800 Stellen wegfallen. Wie viele Arbeitsplätze davon in Aachen betroffen sein könnten, ist bislang offen.
Der Personalabbau soll möglichst über freiwillige Regelungen für ältere Beschäftigte, Renteneintritte und natürliche Fluktuation erfolgen. Zugleich will Generali Mitarbeiter mit neuen technologischen Fähigkeiten einstellen. „Durch die frühzeitige Kommunikation, verbunden mit einer Arbeitsplatz- und Standortgarantie bis Ende 2030, wollen wir die Veränderungen planbar gestalten und gemeinsam mit der Mitbestimmung faire und verantwortungsvolle Lösungen für unsere Mitarbeitenden vereinbaren“, erklärte Personalvorstand Arne Benzin. Darüber hinaus plant Generali Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in Informationstechnologie, Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Auch sollen externe Dienstleister künftig einen Teil der Aufgaben der Konzerntochter Generali Deutschland Services übernehmen.
Mit dem angekündigten Rückzug geht eine lange Unternehmensgeschichte zu Ende. Die Wurzeln des Standorts reichen bis 1825 zurück, als die Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft ihren Geschäftsbetrieb aufnahm. Aus ihr entwickelte sich später die AachenMünchener. 1998 übernahm der italienische Generali-Konzern die Mehrheit an der AMB-Gruppe, zu der das Unternehmen gehörte.
Ein erster bedeutender Einschnitt folgte 2009, als Generali seine deutsche Konzernzentrale von Aachen nach Köln verlegte. Rund 240 Beschäftigte sollten damals wechseln. Die AachenMünchener und weitere Konzerngesellschaften blieben jedoch in Aachen, wo die Gruppe anschließend noch etwa 2.000 Menschen beschäftigte.
Zuvor hatte die AachenMünchener rund 100 Millionen Euro in einen neuen Direktionskomplex in der Stadt investiert. Zum angekündigten Baubeginn 2008 sprach der damalige Vorstandsvorsitzende Michael Westkamp von einem „erneuten, klaren Bekenntnis zum Standort Aachen“. Das Gebäude wurde 2010 eingeweiht. In den folgenden Jahren schrumpfte die Präsenz des Versicherers dennoch weiter. Im Februar 2016 waren in Aachen noch rund 1.750 Menschen für die Generali-Gruppe tätig. (red/jj)

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