Vossenkaul wird für seine Entwicklungen bei der Abwasserreinigung geehrt. Seine Membranfiltertechnologie soll Kläranlagen deutlich sparsamer machen. „Wir machen Membranfilter für Kläranlagen, um aus Abwasser sauberes Wasser zu machen“, erklärte der Ingenieur der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Bislang sei diese Art der Reinigung sehr energieintensiv gewesen. Nun sei es gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das den Energiebedarf um bis zu 90 Prozent reduziere. Der DBU-Generalsekretär nannte ihn einen „Daniel Düsentrieb der Abwasserreinigung“.
Der Preisträger hat auch wirtschaftlich große Pläne. „Wir sind gerade dabei, ein großes Produktionswerk aufzubauen“, berichtete er. „Das Ziel ist ganz klar die Weltmarktführung in dem Bereich.“ Für das Vorhaben sucht er allerdings noch Investoren. Die Wertschöpfung solle möglichst in Deutschland erfolgen. Allzu häufig würden neue Technologien hierzulande entwickelt, während ihre industrielle Anwendung und Produktion anschließend im Ausland stattfänden. Steinmeier hob hervor, dass Vossenkaul mit seiner Arbeit die Lebensgrundlagen schütze und zugleich einen wirtschaftlichen Beitrag leiste.
Mitpreisträgerin Roda Verheyen geht einen anderen Weg: Die Hamburger Rechtsanwältin setzt sich für die rechtliche Durchsetzung von Umwelt- und Klimaschutz ein. Eine von ihr wesentlich vorangetriebene Klage führte 2021 dazu, dass das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber zu strengeren Klimaschutzvorgaben verpflichtete.
Verheyens Freude war von Sorge begleitet. Sie sei zugleich „extrem traurig“, sagte sie und verwies auf Prognosen der Vereinten Nationen, nach denen sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,8 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmen könnte. „Wir begeben uns in eine immense Gefahr, uns selber auszulöschen – nicht den Planeten, aber die Menschheit.“ Bei einer solchen Erwärmung drohten schwerwiegende Veränderungen in der Arktis, Antarktis und im Amazonasgebiet. Verheyen kritisierte, dass sich der Klimaschutz in politischen Debatten häufig wirtschaftlichen Interessen unterordnen müsse. „Kein Klimaschutz ist viel teurer als jede Klimaschutzmaßnahme“, sagte sie. Als Beispiel nannte sie die Milliardenverluste der Logistikbranche durch niedrige Wasserstände des Rheins. Auch die hohe Zahl hitzebedingter Todesfälle werde ihrer Ansicht nach zu wenig beachtet.
Bundespräsident Steinmeier appellierte in seiner Rede, dem Klimaschutz unabhängig von „tagespolitischen Konjunkturen“ hohe Priorität einzuräumen. „Wir wissen, dass wir unsere Art zu leben, zu wirtschaften, hinterfragen müssen. Warum? Um unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.“ Der vergangene Sommer habe die Folgen der Erderwärmung erneut gezeigt: Waldbrände, Einschränkungen der Schifffahrt durch Niedrigwasser und nach Angaben des Robert Koch-Instituts 16.000 zusätzliche Todesfälle. „Die Fieberkurve unseres Planeten zeigt deutlich nach oben“, warnte Steinmeier. Europa erwärme sich mehr als doppelt so schnell wie andere Kontinente. Neben der Verringerung von Treibhausgasen müsse der Schutz von Böden, Wäldern, Mooren und Meeren verstärkt werden.
Für Steinmeier war es zugleich ein Abschied: Da er Anfang kommenden Jahres aus dem Amt scheidet, überreichte er die Auszeichnung zum letzten Mal. Die Begegnungen mit engagierten Menschen und ihren Ideen seien ihm über die Jahre ans Herz gewachsen. Deshalb erfülle ihn die letzte Preisverleihung mit „ein wenig Wehmut“.

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