[Video] Brüsseler Geschäfte bereiten sich auf Ausschreitungen vor: „Eigentlich haben wir keine Wahl“

<p>Mit Holzplatten und Metallgittern schützen zahlreiche Geschäftsleute in der Brüsseler Rue Neuve ihre Schaufenster vor möglichen Plünderungen.</p>
Mit Holzplatten und Metallgittern schützen zahlreiche Geschäftsleute in der Brüsseler Rue Neuve ihre Schaufenster vor möglichen Plünderungen. | Foto: belga

Während zu Wochenbeginn erst wenige Geschäfte ihre Schaufenster verbarrikadiert hatten, waren am Freitag nahezu alle Fassaden der Einkaufsstraße geschützt. Zu den betroffenen Geschäften zählen unter anderem Levi’s, Hunkemöller, H&M, Uniqlo, Mango, Lego und Five Guys. Sie folgen damit dem Beispiel von Nike, JD, New Yorker und Foot Korner, die bereits bei den Demonstrationen am 9. und 17. Oktober geplündert worden waren.

„Es ist besonders traurig, dass es so weit kommen musste“, sagt Julie, Filialleiterin bei Hunkemöller in der Rue Neuve. Am Donnerstag ließ sie einen Handwerker kommen, um die Schaufenster zu sichern. „Wir fürchten um unsere Schaufenster, um unsere Waren. Das ist für uns nicht angenehm, aber wir müssen uns schützen. Es geht auch um unsere Sicherheit und die unserer Kunden. Eigentlich haben wir keine Wahl, wir müssen es tun.“ Zusätzlich wurde ein Sicherheitsmitarbeiter engagiert, der das Geschäft tagsüber und nachts bewachen soll. Auch die Filialen an der Avenue Louise und der Porte de Namur werden verstärkt geschützt. Die Kosten seien beträchtlich, erklärt Julie. In Einkaufszentren sei die Situation weniger problematisch, da dort bereits Metallgitter vorhanden seien.

Die Polizeipräsenz in der Rue Neuve habe in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Dennoch befürchtet die Geschäftsführerin vor allem nächtliche Übergriffe. Die Plünderer wüssten, dass die Polizei während der Demonstration tagsüber verstärkt im Einsatz sei, und könnten deshalb nachts zuschlagen. Eine Ausgangssperre nach französischem Vorbild hält Julie für wenig wirksam: „Dafür müsste es zunächst Respekt vor solchen Maßnahmen geben. Aber wir sind längst über den Respekt hinaus.“ Als Mutter eines 14-Jährigen bedauert sie zugleich, dass die Anliegen der Jugendlichen durch die Gewalt in den Hintergrund gerieten. „Das Fernsehen spricht zu viel über sie, aber zu wenig über die Demonstranten“, kritisiert sie mit Blick auf die Randalierer.

Für Handwerker wie Miguel Sarria von MS Indutek bedeutet die angespannte Lage reichlich Arbeit. Am Freitagmorgen montierte er Holzplatten vor den Geschäften. Nach Levi’s standen unter anderem Mango und weitere Filialen auf seinem Einsatzplan. „Die Menschen dürfen demonstrieren, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, aber ‚zerstören um zu zerstören‘ und plündern, das geht nicht“, betont Sarria. „Hinter all diesen Geschäften stehen auch Menschen, die arbeiten und Familien ernähren müssen.“ Müssten Geschäfte wegen Reparaturen mehrere Tage schließen, erhielten diese Beschäftigten keinen Lohn.

Dass er selbst von der Angst der Händler profitiert, empfindet Sarria als „ziemlich zynisch“. Er würde lieber nicht dort stehen müssen. Die gewalttätigen Jugendlichen seien zudem ein „Geschenk für rechte Parteien“, weil sie die gesellschaftliche Polarisierung verstärkten und die Forderungen der Gewerkschaften und linken Parteien verdrängten.

Auch das niederländische Unternehmen Rovar Houtwerk war am Freitag im Einsatz. Mitarbeiter Rein sollte fünf Brüsseler Rituals-Filialen absichern. Sein Wunsch an die Demonstranten: „Sie sollen einfach ruhig bleiben, das ist besser.“

Nicht nur in der Rue Neuve, sondern auch im Brüsseler Luxusviertel wurden Vorkehrungen getroffen. An der Avenue Louise und der Avenue de la Toison d’Or haben unter anderem Gucci und Louis Vuitton Metallabsperrungen vor ihren Schaufenstern angebracht. In sozialen Netzwerken sind zudem Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsunternehmens aus Brasschaat zu sehen, die in den Einkaufsstraßen im Einsatz sind. Der Kontrast zu den provisorischen Holzverkleidungen in der Rue Neuve ist auffällig. Eine Quelle innerhalb der Brüsseler Polizei hatte der Nachrichtenagentur Belga bereits zuvor bestätigt, dass auch an der Avenue Louise mit möglichen Plünderungen gerechnet werde. (belga/nico)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment