Spritpreise machen Autofahren teuer: Belgier entdecken den Reisebus neu

<p>Reisebus statt Auto: Immer mehr Belgier setzen bei Ausflügen auf gemeinsame Busfahrten.</p>
Reisebus statt Auto: Immer mehr Belgier setzen bei Ausflügen auf gemeinsame Busfahrten. | Foto: picture alliance/dpa

Das Auto bleibt in der Garage, stattdessen geht es gemeinsam mit anderen Reisenden auf Tour: Der Reisebus erlebt in Belgien einen Aufschwung. Gerade angesichts hoher Kraftstoffpreise entdecken immer mehr Menschen diese Form des Reisens für sich. Nach einer Erhebung des belgischen Verbands der Bus- und Reisebusunternehmen (FBAA) werden während der diesjährigen Herbstferien rund 90.000 Belgier mit dem Reisebus unterwegs sein.

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Landesteilen. Rund 52.000 Reisende aus dem französischsprachigen Teil starten bereits im Oktober, während in der DG und Flandern etwa 38.000 Menschen im November verreisen. Der Grund liegt im unterschiedlichen Schulferienkalender: In der Französischen Gemeinschaft dauern die Herbstferien zwei Wochen.

Tagesausflüge besonders gefragt

Vor allem im Süden des Landes sind kurze Reisen beliebt. Rund 80 Prozent der Buchungen entfallen dort auf Tagesausflüge. Zu den gefragten Zielen gehören Brügge, Brüssel und die Ardennen, aber auch Maastricht, Amsterdam und Paris. Freizeitparks mit Halloween-Veranstaltungen ziehen ebenfalls zahlreiche Besucher an.

Wie stark die Nachfrage gestiegen ist, zeigt sich beim Reiseveranstalter Généraltour aus Herstal. Dort hat sich die Zahl der Teilnehmer an Tagesfahrten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt. „Im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr haben wir die Zahl der Fahrgäste bei Tagesausflügen verdoppelt“, erklärt Christelle Degodenne von Généraltour gegenüber der Zeitung „La Meuse“. Besonders gefragt seien Fahrten nach Brügge, Lille, Luxemburg und in die Ardennen.

Auch außergewöhnlichere Ausflüge stehen auf dem Programm. „Am kommenden Wochenende organisieren wir eine Reise zum Festival ‚Champagne et Vous!‘ in Château-Thierry in Frankreich. Für die Feiertage zum Jahresende läuft unser Angebot mit zwei Tagen und einer Übernachtung ebenfalls sehr gut“, berichtet Degodenne.

Für 19 Euro zum Markt nach Maastricht

Neben den Kosten spielt für viele Reisende auch der Komfort eine entscheidende Rolle. Gerade ältere Menschen schätzen es, sich nicht selbst um die Fahrt, die Parkplatzsuche oder den Transport ihrer Einkäufe kümmern zu müssen.

„Jeden Monat bieten wir eine Fahrt zum Markt nach Maastricht für 19 Euro pro Person an“, erklärt Degodenne. „Das ist vielleicht teurer als mit dem Auto, aber für diesen Preis bringen wir die Leute direkt an den richtigen Ort. Sie müssen keine Parkgebühren bezahlen.“ Auch für Einkäufe sei gesorgt: „Wer verderbliche Lebensmittel kauft, kann diese im Kühlschrank des Busses unterbringen. Andere Einkäufe lassen sich im Gepäckraum verstauen.“ Ein weiterer Vorteil sei die Umweltbilanz. Ein voll besetzter Reisebus könne rund 30 Autos ersetzen und damit den CO₂-Ausstoß pro Reisendem reduzieren.

Hohe Spritpreise treffen auch Busunternehmen

Allerdings bleiben die Reisebusunternehmen selbst von den gestiegenen Kraftstoffkosten nicht verschont. Im französischsprachigen Teil des Landes erheben mittlerweile sieben von zehn Unternehmen einen Treibstoffzuschlag auf ihre Angebote. Généraltour gehört ebenfalls dazu. In Flandern verlangt etwa jedes zweite Unternehmen einen solchen Aufpreis.

Trotzdem sieht die Branche den Reisebus als attraktive Alternative zum eigenen Wagen. „Auch wenn die Energiekosten die Rentabilität der Reisebusunternehmen stark unter Druck setzen, erweist sich der Reisebus für Reisende als Schutzschild gegen die Inflation“, erklärt FBAA-Geschäftsführer Pieter Van Bastelaere gegenüber „La Meuse“. (belga/calü)

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