Deutsch im Mittelpunkt

„Deutsch steht in Namur im Mittelpunkt“ – „Starkes Zeichen für die deutsche Sprache“, so das GrenzEcho zum Tag der deutschen Sprache. Unsere PISA-Resultate sind leider kein „starkes Zeichen für die deutsche Sprache“, und Deutsch steht in der DG leider nicht „im Mittelpunkt“.

Wir sind nicht nur in Belgien, sondern auch im Vergleich aller deutschsprachigen Länder das Schlusslicht in puncto Lesekompetenz: Mehr als jede(r) dritte 15-Jährige kann nicht richtig lesen und versteht kaum, was er liest. Nur Luxemburg gelingt es, trotz exorbitant hoher Lehrergehälter noch schlechter dazustehen.

Alle Fördermaßnahmen, zum Beispiel auch das Vorhaben, in den Kindergärten und Primarschulen mindestens dreimal wöchentlich während 20 Minuten das Lesen zu üben, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Übrigen: Seit wann können Kindergartenkinder lesen? Uns ist vor lauter Reformen und Innovationen der Sinn für das Wesentliche abhandengekommen.

Alle naselang wird je nach Mode und Zeitgeist eine neue Sau durch die Bildungslandschaft getrieben und viel Geld ausgegeben für überflüssige Studien, Projekte und Befragungen, die letztendlich wirkungslos verpuffen. Dabei gibt es einfache Lösungen. Es galt einmal das Prinzip: Jeder Lehrer ist ein Lehrer der Muttersprache. Viele Lehrer sind das heute nicht mehr, weil sie nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich überfordert sind. Andere wollen es nicht, und statt im Unterricht mit Büchern und Texten zu arbeiten, d.h. Texte lesen und Texte schreiben zu lassen, unterrichten sie bequem, ökonomisch und „zeitgemäß“ mit Lückentexten, Laptops, KI und sogar Videospielen.

Wer Deutsch unterrichtet, steht weitgehend allein auf weiter Strecke. Das Fach Latein, ein überragendes Instrument der Sprachförderung und die wichtigste Stütze des Deutschunterrichtes, ist in Ostbelgien nahezu von der Bildfläche verschwunden. Die Jugendlichen sind heute nicht dümmer als früher, aber durch eine falsche, marktgerechte und auf den direkten Nutzen abzielende Unterrichtspolitik wird ihnen vieles vorenthalten, was wir Älteren noch lernen durften.

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