Benefizkonzert in Iveldingen: Musik zwischen Trauer und Hoffnung

<p>Mit ihrem Benefizkonzert „Trauer und Hoffnung“ in der Iveldinger Pfarrkirche berührten die Sängerin Ann-Sophie Theissen und die Violinistin Katrin Simons viele Menschen.</p>
Mit ihrem Benefizkonzert „Trauer und Hoffnung“ in der Iveldinger Pfarrkirche berührten die Sängerin Ann-Sophie Theissen und die Violinistin Katrin Simons viele Menschen.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Sängerin Ann-Sophie Theissen und Violinistin Katrin Simons gestalteten gemeinsam ein herzergreifendes Programm. Der Erlös kommt dem Palliativpflegeverband Ostbelgien zugute.

Es gibt Lieder, die gehen einem nicht nur unter die Haut, sie rühren uns tief in der Seele an und bringen uns innerlich und äußerlich in Bewegung. Wie unmittelbar Musik Gefühle ansprechen kann, war in der Kirche deutlich spürbar. Ann-Sophie Theissen und Katrin Simons musizierten mit großer Hingabe und Ausdruckskraft. Neben stillen, innigen Momenten gab es lebensfrohe, rhythmisch mitreißende Passagen – stets authentisch und ohne künstliche Klangkulisse. Das Publikum, darunter wohl nicht wenige, die leidvolle Situationen erlebt haben, nahm die Darbietungen aufmerksam und sichtlich bewegt auf.

Abschied und Erinnerung, Glauben und Geborgenheit, Sehnsucht und Hoffnung

Die beiden Initiatorinnen, die aus Manderfeld (Igelmonder Hof) gebürtige 37-jährige Katrin Simons, wohnhaft in Iveldingen, und die aus Lommersweiler gebürtige 36-jährige Ann-Sophie Theissen aus Büllingen, fanden rasch einen Zugang zu den Zuhörern. Ihre Auswahl führte in wechselnder Folge durch Gefühle von Abschied und Erinnerung, Glauben und Geborgenheit, Sehnsucht und Hoffnung. Dabei blieb das Konzert nicht bei der Trauer stehen: Es suchte auch nach Lichtblicken und nach jener Zuversicht, die selbst in schweren Zeiten ihren Platz behalten kann.

Vor einem Jahr hatten die beiden Künstlerinnen gemeinsam eine Hochzeitsmesse musikalisch begleitet. Dabei, erzählten sie, hätten sie entdeckt, wie gut sie harmonierten und wie sehr Musik besondere Momente im Leben gestalten könne.

Doch Musik könne nicht nur Freude und Glück ausdrücken, sagte Ann-Sophie Theissen. Gerade bei Abschieden und Beerdigungen könne sie dort unterstützen, wo Worte fehlten. Sie könne Erinnerungen lebendig halten, Trost spenden und einen Raum schaffen, in dem Gefühle ihren Platz hätten. Deshalb sei es den beiden ein besonderes Anliegen, neben Hochzeiten auch Totenwachen und Begräbnisfeiern musikalisch und gesanglich würdevoll zu begleiten.

Den Konzertabend wollten sie zugleich nutzen, um die Arbeit des Palliativpflegeverbands zu unterstützen. Schwerkranken und sterbenden Menschen Nähe, Geborgenheit und Würde zu schenken und ihre Angehörigen nicht allein zu lassen, sei eine Aufgabe, die ihre Unterstützung verdiene. Die Besucher wurden eingeladen, am Ende des Konzerts dafür zu spenden.

Mit „Oceans“ erklang zur Eröffnung ein Lied, das von Vertrauen und dem Mut erzählt, sich auch in leidvollen Situationen fallen zu lassen. Die ruhige, eindringliche Melodie und der kraftvolle Refrain erfüllten den Kirchenraum und luden zum Innehalten ein. So wurde spürbar, wie Musik Hoffnung schenken und Menschen bewegen kann. Es folgten Herbert Grönemeyers „Der Weg“ und „In meiner Erinnerung“ von Silbermond – Lieder über Verbundenheit, Verlust und das Weiterleben eines Menschen in den Erinnerungen der Hinterbliebenen.

<p>Der Erlös des Benefizkonzertes geht an den Palliativpflegeverband Ostbelgien.</p>
Der Erlös des Benefizkonzertes geht an den Palliativpflegeverband Ostbelgien. | Fotos: Lothar Klinges

Anschließend öffneten die beiden einen Moment der Stille und Besinnung und erinnerten mit einer hoffnungsvollen Botschaft an die Kraft des Vertrauens – auch in schwierigen Zeiten. Auf eine instrumentale Fassung von „Von guten Mächten“ folgte Schuberts „Ave Maria“.

Mit Leonard Cohens „Hallelujah“ spannte sich der Bogen vom stillen Gebet zu einer Hymne, die Jubel und gebrochenes Herz gleichermaßen kennt.

Dass der Abend nicht bei der Trauer verharren sollte, machten die Künstlerinnen im weiteren Verlauf deutlich. „Einmal sehen wir uns wieder“ von Andreas Gabalier nahm den Gedanken an ein Wiedersehen auf – für viele Trauernde eine tröstliche Vorstellung und ein Ausdruck der Hoffnung, dass Liebe über den Abschied hinaus Bestand hat. Sarah Connors „Das Leben ist schön“ erinnerte daran, dass das Leben trotz seiner schweren Seiten kostbare Momente bereithält. „Silent Smile“ stand für ein stilles Lächeln und den allmählich wiederkehrenden Raum für schöne Erinnerungen und Zuversicht.

Die letzten drei Stücke zeichneten den Weg von Schmerz und Sehnsucht hin zu Hoffnung und Licht nach. Coldplays „Fix You“ erzählte davon, einen Menschen aufzufangen und ihm in schwierigen Zeiten beizustehen. Mit „Somewhere Over the Rainbow“ ging es an einen Ort, an dem die Welt wieder heller und leichter erscheint. Den Abschluss bildete „Here Comes the Sun“ von den Beatles – eine musikalische Botschaft, mit der die beiden ihr Publikum nach Hause schicken wollten: Trauer darf sein, Erinnerungen dürfen bleiben, und neben dem Abschied gibt es Hoffnung, Begegnung und neue Lichtblicke. Die Zuhörer wollten die Künstlerinnen jedoch noch nicht gehen lassen. Mit stehenden Ovationen erklatschten sie sich eine Zugabe: „Yellow“ von Coldplay.

Medizinische Geräte

für schwerkranke Menschen

Im Anschluss erläuterten Petra Plumacher aus Malmedy, Geschäftsführerin des Palliativpflegeverbands Ostbelgien, und die Krankenpflegerin Doris Pirard aus Eupen, wofür die Spendengelder eingesetzt werden. Sie helfen dabei, medizinische Hilfsmittel anzuschaffen, die schwerkranken Menschen zugutekommen, die vom Palliativteam begleitet werden. Dazu zählen etwa Antidekubitusmatratzen, die Wundliegen verhindern und den Komfort der Patienten verbessern sollen, sowie Medikamentenpumpen für eine wirksame Schmerzlinderung. Auch Sitzkissen und Pflegematerial, etwa für die Mundpflege, stellt der Verband bei Bedarf unkompliziert und kostenlos zur Verfügung.

Dank des Engagements von Ann-Sophie Theissen und Katrin Simons sowie der Spenden könne der Verband seine Unterstützung weiterhin schnell und dort anbieten, wo sie am dringendsten gebraucht werde, betonten die Vertreterinnen des Palliativverbandes, die den Initiatorinnen des Konzertes für ihren Einsatz dankten. Sich in dieser Form für Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörige einzusetzen, sei „alles andere als selbstverständlich“. Das Konzert sei ein wertvolles Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit gewesen.

Die Musik lud dazu ein, Abschied und Trauer nicht auszublenden, sondern ihnen Raum zu geben – und zugleich auf Trost und Hoffnung zu vertrauen. Auch der Glaube klang in den ausgewählten Werken mit: als Halt in schweren Zeiten und als Vertrauen darauf, dass Menschen auf ihrem Weg nicht allein sind. So wurde das Konzert zu einem bewegenden Zeichen der Verbundenheit. Die Spenden für den Palliativpflegeverband Ostbelgien tragen diese Verbundenheit über den Konzertabend hinaus weiter und unterstützen Menschen, die schwer erkrankt sind, sowie ihre Angehörigen.

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