Klimamarsch: Zehntausende fordern in Brüssel mehr Klimaschutz

<p>Zehntausende Menschen sind am Sonntag in Brüssel für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen</p>
Zehntausende Menschen sind am Sonntag in Brüssel für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen | Foto: belga

Organisiert wurde die Demonstration von der Klima-Koalition gemeinsam mit zahlreichen weiteren Organisationen. Sie werfen Belgien mangelnden Ehrgeiz beim Klimaschutz vor und fordern einen grundlegenden Kurswechsel. Im Mittelpunkt stehen fünf Forderungen. Dazu gehören eine stärkere Besteuerung von Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft und der schrittweise Abbau staatlicher Subventionen für fossile Brennstoffe. Nach Angaben der Klima-Koalition haben große Öl- und Gaskonzerne seit Anfang 2026 infolge des Krieges in der Straße von Hormus erhebliche Zusatzgewinne erzielt, während belgische Haushalte unter gestiegenen Energiepreisen leiden.

Für acht Energiekonzerne, darunter Shell, BP und TotalEnergies, beziffert das Bündnis diese Übergewinne auf insgesamt 7,5 Milliarden Euro. „Belgien muss dafür sorgen, dass ein Teil dieses Geldes an die Gesellschaft zurückfließt, insbesondere durch eine dauerhafte Steuer auf diese Gewinne“, fordert die Klima-Koalition.

Ein weiteres zentrales Anliegen ist eine sozial gerechte Klimawende mit verbindlichen politischen Vorgaben. Belgien verfüge derzeit über keine klare Strategie für einen solchen Übergang, kritisieren die Organisatoren. Besonders Menschen in Armut, die am wenigsten zur Klimakrise beitrügen, seien häufig am stärksten von deren Folgen betroffen. „Der Übergang zu einer klimaneutralen Gesellschaft darf die bestehenden Ungleichheiten nicht verschärfen“, betont die Klima-Koalition. Zudem müsse der Staat Bürger und Unternehmen beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern stärker unterstützen. Gefordert werden unter anderem Investitionen in die Gebäudesanierung durch Prämien oder zinslose Darlehen, ein besserer Zugang zu nachhaltigen Heizsystemen, die Förderung der Agrarökologie sowie der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der aktiven Mobilität. Auch die internationale Zusammenarbeit beim Klimaschutz müsse gestärkt werden.

Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche Vertreter der Opposition, darunter PS-Präsident Paul Magnette, der frühere föderale Mobilitätsminister Georges Gilkinet (Ecolo) und PTB-Präsident Raoul Hedebouw. Auch Parteien der Föderalregierung waren vertreten. Für Les Engagés nahmen unter anderem Parteipräsident Yvan Verougstraete, der Brüsseler Minister Laurent Hublet und mehrere Abgeordnete teil. Zudem waren Delegationen von Vooruit und der CD&V-Jugend anwesend. Nach Angaben von Ecolo Ostbelgien haben auch Ostbelgier an der Kundgebung teilgenommen, darunter Co-Präsidentin Fabienne Colling und Claudia Niessen.

Der Klimamarsch fand wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz COP31 in der Türkei statt. Die Demonstranten erwarten, dass Belgien dort mit einer „starken Position am Verhandlungstisch“ auftritt. Auch die Europäische Union müsse sich ein ehrgeiziges Klimaziel für 2035 setzen. Els Hertogen von der Entwicklungsorganisation 11.11.11 bezweifelt allerdings, dass Belgien und die EU derzeit den richtigen Kurs verfolgen. „Die Klimakrise bedroht bereits die Sicherheit der Menschen auf der ganzen Welt“, erklärte sie mit Blick auf Waldbrände, Hitzewellen und schwere Überschwemmungen. (belga/nico)

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