Der erhoffte Befreiungsschlag ist ausgeblieben: Auch mit Alexander Blessin an der Seitenlinie findet Borussia Mönchengladbach keinen Weg aus der Krise. Im 101. Rheinderby der Bundesliga unterlagen die Fohlen am Sonntag beim 1. FC Köln mit 1:2 (1:1) und bleiben nach fünf Spieltagen punktlos Tabellenletzter. Saïd El Mala, der gerade erst in die deutsche Nationalmannschaft berufen wurde, entschied die Begegnung mit einem sehenswerten Treffer. Kölns Trainer René Wagner verschafft der Derbysieg nach zuletzt drei sieglosen Spielen wieder etwas Luft.
1. FC Köln 2:1 Borussia Mönchengladbach
Vor 50.000 Zuschauern in Müngersdorf brachte Isak Johannesson die Gastgeber in Führung (26.). Joe Scally glich noch vor der Pause aus (39.), ehe El Mala in der 67. Minute das entscheidende Tor erzielte. Danach geriet der Fußball zeitweise zur Nebensache: Einige Gladbacher Anhänger durchbrachen im Gästebereich einen Sicherheitszaun und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Kölner Fans. Zudem wurden Leuchtraketen in Zuschauerränge geschossen. Die Begegnung musste für einige Minuten unterbrochen werden.
Schon im Vorfeld hatten vor allem die Trainer im Mittelpunkt gestanden. Bei Gladbach feierte Blessin sein Pflichtspieldebüt als Nachfolger des entlassenen Eugen Polanski. Mit einer deutlichen Ansage wollte er Aufbruchstimmung erzeugen: „Ich will aus der Scheißzeit eine gute Zeit machen.“ Sein Kölner Kollege Wagner war nach nur vier Punkten aus den ersten vier Begegnungen zunehmend in die Kritik geraten. Der 38-Jährige versicherte, intern Rückendeckung zu genießen, räumte aber auch ein, dass dieser Kredit nicht unbegrenzt sei. Der Druck war beiden Teams anzumerken. Die Rivalität prägte die Atmosphäre auf den Rängen, auf dem Platz dominierten zunächst Fehlpässe und Unsicherheiten. Die Mannschaften boten einander viel Raum, wussten ihn aber kaum zu nutzen. Blessin setzte auf eine Dreier-Abwehrkette. Neben Kapitän Tim Kleindienst fehlte den Gladbachern kurzfristig auch Ko Itakura, für den Daiki Hashioka begann. Köln musste ohne seine verletzten Mittelstürmer Ragnar Ache und Thijs Dallinga auskommen. Die ersten Möglichkeiten erspielte sich dennoch der FC. Sebastian Sebulonsen (13.) und El Mala (15./17.) blieben ohne Erfolg. In der 26. Minute half die Gladbacher Defensive bei der Führung kräftig mit: Nach einem Kölner Freistoß köpfte Isac Lidberg den Ball aus dem Strafraum, allerdings genau vor die Füße von Johannesson. Der Isländer nahm ihn direkt und traf mit einem Volley in den Winkel. Für Gladbachs Torhüter Moritz Nicolas gab es nichts zu halten. Die Führung brachte Köln keine Sicherheit.
Gladbach wurde aktiver und profitierte seinerseits von einem Abwehrfehler. Nach einer Hereingabe von Lukas Ullrich verlängerte Jahmai Simpson-Pusey den Ball unglücklich. Scally stand im Fünfmeterraum völlig frei und köpfte zum 1:1 ein (39.). Sein Jubel unmittelbar vor der Kölner Südkurve heizte die Derby-Atmosphäre zusätzlich an. Kurz vor der Pause mussten die Gastgeber einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Ellyes Skhiri verletzte sich bei einem unglücklichen Zweikampf mit Florian Neuhaus. Der Kölner Mittelfeldspieler wurde auf einer Trage vom Platz gebracht und ins Krankenhaus transportiert. Wie schwer die Verletzung ist, stand zunächst nicht fest. Nach dem Kreuzbandriss von Leihstürmer Dallinga droht Köln damit weiteres Verletzungspech.
Nach dem Seitenwechsel erhöhte der FC den Druck. Gladbach geriet zunehmend in die Defensive und konnte sich gleich zweimal bei Jan Leszczynski bedanken. Der 19-jährige Innenverteidiger klärte zunächst einen Kopfball von Simpson-Pusey auf der Torlinie (52.). Wenig später warf er sich in einen Abschluss von El Mala, dem Hashioka zuvor den Ball in den Lauf gespielt hatte. Die beiden Rettungsaktionen verhinderten zunächst einen erneuten Rückstand. Doch El Mala blieb dran. In der 67. Minute schlenzte der junge Angreifer den Ball aus der Distanz sehenswert ins Tor. Nach mehreren vergebenen Möglichkeiten war ihm der entscheidende Treffer gelungen. Auf den Jubel der Kölner folgten die Ausschreitungen im Gästeblock und die kurze Spielunterbrechung. Gladbach versuchte danach, noch einmal zurückzuschlagen, entwickelte aber kaum Torgefahr. Die Borussia blieb gerade im zweiten Durchgang offensiv vieles schuldig. Gleichzeitig offenbarte die Defensive erneut ihre Probleme: 17 Gegentore stehen bereits nach fünf Bundesligaspielen zu Buche.
Für Blessin ist der erhoffte Soforteffekt damit ausgeblieben. Fünf Niederlagen zum Saisonstart hatte Gladbach zuletzt vor elf Jahren hinnehmen müssen. Damals beendete der Klub die Spielzeit immerhin auf Platz vier. Von einer solchen Aufholjagd ist derzeit nichts zu sehen. Köln steht nach dem Derbysieg bei sieben Punkten und kann die Lage vorerst etwas entspannter betrachten. Allerdings werfen die Ausschreitungen und die Verletzung von Skhiri einen Schatten auf den Erfolg. (kupo/sid/dpa)

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