Jugendjustiz überlastet: 16 Verdächtige nach Brüsseler Ausschreitungen frei

<p>Nach den Ausschreitungen bei der nationalen Demonstration in Brüssel wurden 16 minderjährige Verdächtige wegen fehlender Plätze in Jugendschutzeinrichtungen wieder freigelassen.</p>
Nach den Ausschreitungen bei der nationalen Demonstration in Brüssel wurden 16 minderjährige Verdächtige wegen fehlender Plätze in Jugendschutzeinrichtungen wieder freigelassen. | Foto: belga

Für acht der Jugendlichen hatte die Staatsanwaltschaft angesichts der Schwere der Vorwürfe eine Unterbringung in einer solchen Einrichtung beantragt. In mehreren Fällen hielt auch der Jugendrichter diese Maßnahme für notwendig. Dennoch mussten die Verdächtigen freigelassen werden.

Unter ihnen befindet sich ein bereits bei der Jugendjustiz bekannter 16-Jähriger, der in unmittelbarer Nähe von sieben einsatzbereiten Molotowcocktails festgenommen wurde. Er räumte ein, die Brandsätze zur Demonstration mitnehmen zu wollen.

Ein weiterer 16-Jähriger wurde anhand von Überwachungsbildern identifiziert, auf denen zu sehen ist, wie er Leih-E-Scooter auf eine brennende Barrikade warf. Ein 14-Jähriger wurde festgenommen, nachdem er wiederholt Steine und pyrotechnische Geschosse auf Polizisten geworfen haben soll.

Hunderte Jugendliche warten auf einen Platz

Die Staatsanwaltschaft beklagt, dass nicht nur die Jugendschutzeinrichtungen, sondern auch alternative Betreuungsangebote überlastet seien. Derzeit warten 44 Jugendliche auf eine entsprechende Betreuung. Für einen Platz in einer geschlossenen Jugendschutzeinrichtung stehen sogar 283 französischsprachige Jugendliche auf der Warteliste.

Auch die gerichtliche Überwachung durch den zuständigen Jugendschutzdienst könne in mehreren Fällen wegen fehlender Kapazitäten erst nach Tagen oder Wochen beginnen.

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft kritisiert erneut die unzureichenden Mittel der Jugendjustiz. Sie fordert die politischen Entscheidungsträger auf, die Glaubwürdigkeit der Jugendgerichtsbarkeit wiederherzustellen. (belga/rt)

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