An jenem Tag waren der uniformierte Polizist und seine Frau, die in Zivil unterwegs war, von einem Mann angegriffen worden, der mit zwei Messern bewaffnet war. „Insgesamt wurde ich 16 Mal mit dem Messer getroffen“, berichtet der inzwischen pensionierte Polizist. „Ich habe die Hälfte der Beweglichkeit meines linken Arms verloren, aber es hätte noch schlimmer kommen können. Der Arzt sagte mir, dass zwei Messerstiche meine Halsschlagader nur um zwei Millimeter verfehlt haben.“
Kurz nach dem Angriff traf eine zur Verstärkung gerufene Streife ein. Dem Angreifer Hicham Diop – einem ehemaligen Soldaten und früheren Kickbox-Champion, damals 44 Jahre alt – gelang es, einen der Polizisten bewusstlos zu schlagen und ihm den Schlagstock abzunehmen. Daraufhin schoss ihm ein anderer Beamter ins Bein. Trotz der Verletzung waren fünf Polizisten nötig, um den Angreifer zu überwältigen.
Obwohl sich die Attacke vor dem Hintergrund terroristischer Drohungen ereignete, schloss die Justiz eine Einstufung als Terrorakt endgültig aus. 2018 verurteilte das Brüsseler Berufungsgericht den Mann wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft. Inzwischen wurde er jedoch aus dem Gefängnis entlassen.
Zehn Jahre nach der Tat berichtete das Paar der Nachrichtenagentur Belga von seinem schwierigen Weg zurück in den Alltag. Beide leiden unter einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung und benötigen wöchentlich psychologische Betreuung. „Wir nehmen selbst nach zehn Jahren noch Medikamente und schlafen nach wie vor sehr schlecht. Ich versuche, so aktiv wie möglich zu sein, damit ich nicht nachdenke. Meine Frau hingegen zieht sich völlig zurück“, erklärt der ehemalige Polizist. „Wir fühlen uns ständig unsicher. Als Polizist ist man ohnehin schon äußerst wachsam. Nach einem solchen Angriff ist man es noch viel mehr.“
Selbst einfache Dinge des täglichen Lebens sind für die beiden zu einer Herausforderung geworden. „Wenn wir einkaufen gehen, läuft das wie eine militärische Operation ab. Einer von uns beobachtet die Umgebung, während der andere den Einkaufswagen belädt“, erzählt der 69-Jährige. „Manchmal bekommen wir aber Panikattacken. Dann lassen wir alles stehen und liegen und gehen.“
Die beiden ehemaligen Polizisten, deren Invaliditätsgrad bei 50 beziehungsweise 85 Prozent liegt, verfügen nach eigenen Angaben über den Status der nationalen Solidarität, der Opfern terroristischer Taten gewährt wird. Dieser ermöglicht ihnen den Bezug einer Entschädigungsrente sowie die Erstattung ihrer medizinischen Behandlungskosten.
Die beiden früheren Beamten sind Mitglieder des Vereins Life4Brussels und nahmen kürzlich an der Eröffnung einer Ausstellung im Europäischen Parlament teil, die den Opfern von Anschlägen gewidmet ist. (belga/rt)

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