Schwester Margarithis: „Wir sind sehr stark in St.Vith verwurzelt“

<p>Anfang 2028 verlassen die Schwestern das St.Vither Kloster. Für Sr. Margarithis geht es nach Marienborn.</p>
Anfang 2028 verlassen die Schwestern das St.Vither Kloster. Für Sr. Margarithis geht es nach Marienborn. | Foto: Lothar Klinges

Höhepunkt des Jubiläumsgottesdienstes in der Klosterkirche war die Würdigung ihres lebenslangen Ordenslebens. Am vergangenen Samstag wurde sie zudem im Rahmen der 140-Jahr-Feier des Krankenhauses von Bürgermeister Werner Henkes in besonderer Weise geehrt, waren es doch die Augustinerinnen, die das Krankenhaus 1886 gegründet haben.

In ihren 60 Ordensjahren hat Sr. Margarithis unzähligen Menschen geholfen und auch die Ordensgemeinschaft geleitet. An der Klinik begann sie als Krankenpflegerin in der Inneren Medizin und war von 1976 bis 1998 als Pflegedienstleiterin tätig. Damit hat sie die Entwicklung der Pflege und des St. Josef-Krankenhauses in St.Vith entscheidend mitgeprägt. Die Rede ist von Schwester Margarithis, mit bürgerlichem Namen Maria Huppertz.

Mehr denn je fühlen sich die Schwestern von der Bevölkerung getragen. Die Jubilarin begründet den regen Zuspruch der Bevölkerung mit der Suche der Menschen nach Halt und Hilfe in einer hochtechnisierten, materiellen Welt. „Wir sind sehr stark in St.Vith verwurzelt und mit den Menschen verbunden, die uns sehr schätzen. Ich fühle mich hier wirklich zu Hause“, blickt Sr. Margarithis auf die vergangenen sechs Jahrzehnte zurück.

Die Jubilarin erblickte am 25. März 1942 als sechstes von acht Kindern (ein Mädchen und sieben Jungen) der Eheleute Anna Maria Grieven und Josef Huppertz in Meyerode das Licht der Welt. Ihre Eltern führten wie damals üblich eine kleine Landwirtschaft. Darüber hinaus arbeitete der Vater in einer Sägerei auf der Kaiserbaracke.

Von starken Ordensfrauen, darunter ihre Tante Maria mit dem Ordensnamen Sr. Maria Mathilde, eine Augustinerin im Kloster Weismes, inspiriert, entschied sie sich früh für den Ordensweg. „Diese Vorbilder fehlen heute“, meint sie. „Auch deswegen finden viele junge Menschen keinen Bezug zu den Berufen Ordensschwester und Priester.“

Für sie stand schon mit 17 fest: „Ich werde Ordensschwester.” Ihre Berufungsgeschichte begann bei der Arbeit in einem von Ordensfrauen geleiteten Waisenhaus bei Lüttich. „Beim Anblick der Aufopferungsbereitschaft dieser Ordensfrauen und ihrer herzlichen und vorbildlichen Gemeinschaft untereinander ist in mir der Wunsch gewachsen, Ordensfrau zu werden.“

Ihr Vater hat es zunächst nicht erlaubt. Sr. Margarithis schüttelt den Kopf. Sie solle „beide Welten” kennenlernen und wenn sie mit 21 immer noch den Wunsch verspüre, „ein Leben für Gott“ zu führen, dann würde er ihr nichts mehr entgegensetzen. „Oh, für meine sieben Brüder war es sehr hart. Sie sagten, ich sei doch verrückt, aber für mich stand fest: Ich wollte in den Orden.“

So trat sie am 30. September 1963 als 21-jährige Postulantin für sechs Monate in die Ordensgemeinschaft der Cellitinnen nach der Regel des hl. Augustinus in St.Vith ein. Die Einkleidung erfolgte am 8. April 1964, ebenfalls in St.Vith. „Damals waren um die 30 Ordensfrauen allein in der St.Vither Niederlassung des Ordens tätig”, erinnert sich die Jubilarin. Es folgte eine zweijährige Vorbereitung auf die zeitliche und ewige Profess im Kloster Heisterbach bei Königswinter am Rhein. Nach einem Jahr kehrte sie glücklich nach St.Vith zurück und arbeitete im ordenseigenen Krankenhaus.

Die zeitliche Profess erfolgte 1965 in Heisterbach, gefolgt von der ewigen Profess im Jahr 1966, ebenfalls in Heisterbach. Nach dem Noviziat kam sie zur Krankenpflegeausbildung nach Köln und anschließend nach Eupen, wo sie 1970 das belgische Diplom der Krankenpflegeschule Eupen erhielt. 1971 absolvierte sie eine einjährige Weiterbildung als Pflegedienstleiterin in Köln-Hohenlind. Anschließend absolvierte sie jeweils ein halbes Jahr Praktikum in Eupen und Heusy, um die Anerkennung des Diploms in Belgien zu erhalten.

Als Pflegedienstleiterin verantwortete sie zahlreiche Mitarbeiter in der Klinik St. Josef.

Dann wurde sie zunächst Stationsleiterin auf der „Inneren Medizin” in St.Vith und 1976 Pflegedienstleiterin. Damit wurde sie für das gesamte Personal des Krankenhauses verantwortlich. Zwischendurch nahm sie an zusätzlichen Weiterbildungen, unter anderem in München, teil. „Ich habe viel Freude in meiner Tätigkeit im Krankenhaus erlebt. Dabei hat mir die Verbundenheit mit Gott im Glauben Kraft gegeben.”

Ein besonderes Anliegen war ihr immer die Begleitung von Sterbenden. Das ist etwas, das junge Menschen ihrer Meinung nach heute nicht mehr gut können. „Sie haben Angst davor, weil sie denken, sie müssten etwas tun. Dabei muss man in der Begleitung Sterbender nicht reden, sondern einfach da sein.“ Für viele Menschen in St.Vith und Umgebung ist Sr. Margaritha seelsorgerische Beraterin und Ansprechpartnerin. Sie und ihre Mitschwestern sind für die Ratsuchenden da und fest in der Gemeinde verwurzelt.

Lange Jahre war sie in der Klinik Vorgesetzte zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach über 20-jähriger Tätigkeit als Pflegedienstleiterin kam der Tag der Pensionierung. „Das war für mich äußerst schmerzlich, denn ich hatte mit vielen jungen Mitarbeitenden im Krankenhaus zu tun. Es ist mir sehr schwergefallen, in Pension zu gehen, denn ich liebte meine Arbeit über alles.“

Nach ihrer Pensionierung im Jahr 1998 wurde sie zur Oberin des Klosters St.Vith berufen, das damals noch 28 Ordensfrauen zählte. Sowohl als Pflegedienstleiterin als auch als Oberin half ihr bei der Führung von Menschen ein Satz, den ihre Tante ihr mit auf den Weg gegeben hatte. „Nutze nie deine Machtposition aus!” Zunächst sollte sie die verschiedenen Meinungen einholen und dann nach Möglichkeit einen Kompromiss finden. Erst wenn dies alles nicht möglich war, durfte sie selbst eine Entscheidung treffen. An diese Devise hat sie sich immer gehalten und ist bis heute gut damit gefahren. Auch heute, mit 84 Jahren, besteht ihre Aufgabe in der Leitung des Klosters und in der vielfältigen Hausarbeit. Aktuell leben noch drei Schwestern im St.Vither Konvent: Sr. Hedwigis aus Alster, Sr. Magdaline aus Indien und die Oberin.

Viele Menschen in St.Vith und darüber hinaus sind traurig, dass das Kloster Anfang 2028 geschlossen wird. Während Sr. Magdaline zum Mutterhaus nach Köln geht, werden die beiden anderen Ordensfrauen ihren Lebensabend im Kloster Marienborn bei Zülpich verbringen. „So schwer es auch ist, wir müssen im Alter loslassen. In Marienborn sind wir gut versorgt und werden gut gepflegt“, blickt Sr. Margarithis in die Zukunft. Das Klostergebäude soll dem Krankenhaus künftig weitere Räumlichkeiten bieten.

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