Die neuen Tarife setzen laut Letec ein Dekret um, das das Parlament am 2. September verabschiedet hat. Gleichzeitig werden die Altersgruppen von zwölf bis 17 und 18 bis 24 Jahren zu einer Kategorie für 12- bis 25-Jährige zusammengefasst.
Bis dahin erhalten 18- bis 24-Jährige, Menschen ab 65 Jahren sowie Personen mit BIM-Status (Patienten mit Anspruch auf die erhöhte Kostenerstattung) das Express-Jahresabo für zwölf Euro. Künftig zahlen Zwölf- bis 25-Jährige dafür 384 Euro, Personen ab 26 Jahren 890 Euro, Senioren ab 65 Jahren 120 Euro und Personen mit BIM-Status 60 Euro. Für kinderreiche Familien kostet das Express-Abo 307,20 Euro für zwölf- bis 25-Jährige und 712 Euro für Personen ab 26 Jahren.
Das günstigere Classic-Abo, das nicht auf Express-Linien gilt, kostet künftig 180 Euro pro Jahr für zwölf- bis 25-Jährige und 525 Euro für Personen ab 26 Jahren. Für kinderreiche Familien gelten 144 beziehungsweise 420 Euro. Einzel-, Mehrfahrten- und Tagestickets bleiben unverändert. Kinder unter sechs Jahren fahren weiterhin kostenlos, ebenso Sechs- bis Elfjährige mit Express-Abo.
Letec begründet die Reform mit den finanziellen Vorgaben der Regionalregierung. Der überarbeitete öffentliche Dienstleistungsvertrag verpflichtet den Betreiber, den Anteil der Fahrgeldeinnahmen an den Ausgaben bis 2027 auf 14 Prozent zu erhöhen. Höhere Tarife seien nur ein Teil der Strategie. Hinzukommen sollen geringere Ausgaben, ein effizienterer Betrieb, weniger Schwarzfahren und mehr Fahrgäste. Zugleich steigt der Zuschuss der Region laut der Brüsseler Tageszeitung „Le Soir“ von 877 Millionen Euro 2026 auf 916 Millionen Euro 2029.
Letec verweist darauf, dass eine Auswertung von 2024 keinen signifikanten Zusammenhang zwischen den stark vergünstigten Tarifen und einer höheren Nutzung des Netzes gezeigt habe. Marketingdirektor Stéphane Thiery sagte gegenüber „Le Soir“, Nutzer des Zwölf-Euro-Abos hätten rund zehn Fahrten pro Monat unternommen und damit etwa halb so viele wie reguläre Abonnenten. Für Berufspendler könne das Mobilitätsbudget die Mehrkosten weitgehend auffangen, da diese häufig vom Arbeitgeber getragen würden.
Kritik kommt von Umwelt- und Mobilitätsorganisationen sowie aus der Opposition. Jean Mansuy von Canopea warnt vor sinkenden Fahrgastzahlen. Ein Teil der Nutzer habe zwar keine Alternative, andere wiederum könnten sich wieder stärker dem Auto oder dem Fahrrad zuwenden. Touring zeigte Verständnis für die Finanzierung und Modernisierung des Netzes, bedauerte aber einige „sehr deutliche“ Erhöhungen. Gerade in Teilen der Wallonie mit wenigen Alternativen zum Auto könnten sie kontraproduktiv sein. Für Familien mit mehreren Kindern könne das Auto finanziell wieder attraktiver werden.
Auch die PS und die PTB greifen die wallonische Regionalregierung aus MR und Les Engagés frontal an. Die PS sieht vorrangig junge Menschen belastet und fordert eine Aufschlüsselung der Auswirkungen sowie die Rücknahme der Kürzungen bei den Vorzugstarifen für junge Fahrgäste, BIM-Berechtigte und Senioren. Der PTB-Fraktionschef im wallonischen Parlament, Germain Mugemangango, führt die Preiserhöhungen auf das Ziel zurück, den Kostendeckungsgrad auf 14 Prozent anzuheben. Dies bedeute zusätzliche Einnahmen von rund 41 Millionen Euro, die von den Nutzern aufgebracht werden müssten, kritisiert die PTB.(belga/rt/svm)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren