Roméo Lavia verkörperte diese beiden Gefühle wie kaum ein anderer. Drei Jahre nach seiner ersten Berufung durfte der 22-Jährige im Nations-League-Duel gegen die „Bleus“ erstmals von Beginn an für die Roten ran. „Da ist enorm viel Stolz nach meiner ersten Startelf-Nominierung“, sagte der Chelsea-Profi. „Das freut mich sehr, aber leider konnten wir den Sieg nicht holen. Deshalb bleibt ein bitterer Beigeschmack.“
85 Minuten hielt Lavia bei seinem Startelfdebüt durch, ehe ihn Krämpfe zum Aufgeben zwangen. Nach seinen Verletzungsproblemen der vergangenen Jahre war allein die hohe Belastung eine Herausforderung. „Es ist lange her, dass ich mit einer solchen Intensität gespielt habe. Das ist ein Prozess“, erklärte der Mittelfeldspieler. Auf dem Platz habe er sich dennoch sofort wohlgefühlt: „Das sind die Spiele, die jeder spielen möchte. Da geht vieles von selbst.“
Van Bommel lobt Lavia – und bremst zugleich
Auch Mark van Bommel war von Lavias Auftritt angetan. Der Neu-Nationaltrainer, der während seiner eigenen Karriere auf einer ähnlichen Position spielte, hatte sich in den vergangenen Tagen intensiv mit seinem Mittelfeldspieler ausgetauscht. „Er hat die ganze Woche mit mir gesprochen und mir gute Ratschläge gegeben, die auf diesem Niveau den Unterschied machen“, berichtete Lavia.

Van Bommel selbst fand nach dem Spiel deutliche Worte des Lobes: „Roméo hat heute hervorragend gespielt.“ Gleichzeitig machte der Niederländer klar, dass er mit dem 22-Jährigen behutsam umgehen will. Ein weiterer Startelfeinsatz am Freitagabend gegen die Türkei (20.45 Uhr) sei deshalb eher unwahrscheinlich. „Wir müssen froh sein, dass Roméo fit ist, und wir wollen, dass das so bleibt.“
Überhaupt deutet sich für das Match am Freitagabend im Lütticher Maurice-Dufrasne-Stadion wieder Bewegung in der belgischen Startelf an. Diego Moreira, der gegen Frankreich zum zweiten Mal in Folge beginnen durfte, fehlt nach seiner zweiten Gelben Karte gesperrt. Van Bommel lobte dessen Arbeit gegen den Ball, räumte aber ein, dass Moreira mit dem Ball einen schwierigeren Abend erwischt habe.

Eine Alternative drängte sich gegen Frankreich durchaus auf: Dodi Lukebakio brachte nach seiner Einwechslung neuen Schwung und hatte gleich zweimal den belgischen Führungstreffer auf dem Fuß. „Dodi ist ein hervorragender Einwechselspieler und hat heute wieder seine Qualitäten gezeigt“, sagte Van Bommel. Ein Platz in der Startelf sei „definitiv eine Möglichkeit“.
Ngoy: „Wir müssen abgezockter sein“
Während Lavia vor allem den Stolz hervorhob, ging Nathan Ngoy nach dem Schlusspfiff mit der vergebenen Chance härter ins Gericht. „Wir sind enttäuscht, weil heute ein Sieg möglich gewesen wäre“, sagte der Innenverteidiger. Frankreich habe ebenfalls seine Chancen gehabt, räumte er ein. Entscheidend sei aber gewesen, dass Belgien den letzten Konter nicht rechtzeitig unterband.
„Wir müssen aggressiver und vor dem Tor abgezockter sein. Genau das hat uns heute gefehlt“, sagte Ngoy. Gerade das Gegentor wurmte den 23-Jährigen: Die Aktion, die schließlich zum 0:1 führte, hätte aus seiner Sicht früher gestoppt werden müssen.

Trotz der Niederlage sieht Ngoy die Entwicklung unter Van Bommel positiv. Nach dem 2:0 in Italien am vergangenen Freitag und dem couragierten Auftritt gegen Frankreich stehen drei Punkte aus den ersten beiden Nations-League-Spielen zu Buche. Belgien ist damit ordentlich in die neue Ära gestartet.
„Bei ihm ist alles klar. Jeder weiß, was er zu tun hat, und das sieht man auf dem Platz“, sagte Ngoy über den neuen Cheftrainer. Die Mannschaft halte sich an den Plan und komme zu Möglichkeiten. „Sein Einfluss ist spürbar.“
Ähnlich sah es Kapitän Youri Tielemans. Ihm habe gegen Frankreich letztlich „das Quäntchen Glück“ gefehlt. Vor allem den mutigen Beginn hob er hervor: „Wir wollten nach vorne spielen. Frankreich hat natürlich enorme Qualität, aber wir haben gespürt, dass es Räume gab, die wir nutzen konnten.“ Entscheidend sei nun, diese Entwicklung fortzusetzen: „Wir machen von Spiel zu Spiel Fortschritte. Das ist für uns das Wichtigste.“
Zidane: „Belgien war ein starker Gegner“
Dass die Belgier Frankreich durchaus vor Probleme stellten, erkannte auch Zinédine Zidane an. Der französische Nationaltrainer hatte seine Startelf nach dem 1:0 in der Türkei auf neun Positionen verändert. Der Erfolg gab ihm recht: Frankreich startete mit zwei Siegen in die Nations League.
„Belgien war heute ein starker Gegner und hatte ebenfalls seine Möglichkeiten“, sagte Zidane. Besonders zufrieden zeigte er sich mit der Breite seines eigenen Kaders. Trotz der zahlreichen Wechsel habe sich an der Spielweise seiner Mannschaft wenig verändert.
Für die Roten Teufel bleibt dagegen das Gefühl, gegen einen großen Gegner nur knapp an einem zählbaren Ergebnis vorbeigeschrammt zu sein. Lavia brachte die Stimmung nach dem Abpfiff auf den Punkt: „Wir haben alles gegeben und können stolz auf unsere Leistung sein. Man darf nicht vergessen, dass dies der Beginn einer neuen Ära mit einem neuen Trainer ist.“
Die nächste Gelegenheit, diesen Eindruck auch wieder in Punkte umzumünzen, folgt schon am Freitagabend. Dann empfängt Belgien zum dritten Spieltag der Nations League die Türkei in Lüttich.

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