Italien feiert Franz von Assisi - samt neuem Feiertag

<p>Die Sonne geht hinter der Basilika San Francesco unter. Der Gründer des Franziskanerordens starb vor 800 Jahren. Papst Leo XIV. hat deshalb ein „Franziskus-Jahr“ ausgerufen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schenkt ihren Landsleuten sogar einen Feiertag.</p>
Die Sonne geht hinter der Basilika San Francesco unter. Der Gründer des Franziskanerordens starb vor 800 Jahren. Papst Leo XIV. hat deshalb ein „Franziskus-Jahr“ ausgerufen. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni schenkt ihren Landsleuten sogar einen Feiertag. | Foto: Malin Wunderlich/dpa

Auf der Via San Francesco im mittelitalienischen Städtchen Assisi steht eine Gestalt im braunen Kittel in Gesellschaft einer weißen Taube – das Ebenbild des Heiligen Franziskus. Man könnte meinen, das sei ein Denkmal, eine der vielen Erinnerungen an den bekanntesten Sohn der Stadt. Bis die Figur plötzlich zwinkert – also doch ein echter Mensch.

So ist das in der 27.500-Einwohner-Gemeinde in der Region Umbrien, drei Autostunden von Rom: Man kann Franz von Assisi nicht entkommen. Viele verdienen gutes Geld daran, neben Straßenkünstlern auch die Besitzer vieler Geschäfte und Hotels. Die Stadt zieht Pilger und Touristen gleichermaßen an. Vergangenes Jahr waren nach offiziellen Angaben 1,7 Millionen Übernachtungsgäste aus aller Welt zu Besuch. Rechnet man die Tagesbesucher hinzu, waren es schätzungsweise sogar fünf Millionen.

800 Jahre tot, noch immer ein Star

Der Gründer des Franziskanerordens (1181/82-1226) starb, wenn man den Aufzeichnungen glauben darf, vor genau 800 Jahren am Abend des 3. Oktober. Nach kirchlicher Zählung gilt der Abend schon als Folgetag - daher wird der 4. Oktober als Todestag gefeiert. Franziskus – auf Deutsch auch nur Franz genannt – gehört zu den prominentesten Heiligen der katholischen Kirche. Seine Heimat Assisi ist eines der beliebtesten Pilgerziele der Welt. Millionen strömen jedes Jahr dorthin, um das Grab und die Basilika San Francesco darüber zu sehen.

Zum 800. Todestag hat Papst Leo XIV. ein „Franziskus-Jahr“ ausgerufen. Das lockte noch einmal mehr Menschen an: Allein im Februar und März kamen 400.000 Besucher in der Stadt, um sich die sterblichen Überreste des katholischen Heiligen anzusehen. Sie waren erstmals nach fast acht Jahrhunderten für die breite Öffentlichkeit zugänglich.

Aber es ist längst nicht nur die Kirche, die Franz von Assisi feiert: Zum Gedenken an den Bettelheiligen hat die Rechts-Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den 4. Oktober zum landesweiten Feiertag erklärt – nicht nur im „Franziskus-Jahr“, sondern auch in künftigen Zeiten. Manche bringen das in Zusammenhang damit, dass nächstes Jahr in Italien gewählt wird, möglicherweise sogar im Oktober. Dieses Jahr fällt der Feiertag auf einen Sonntag.

In dem katholischen geprägten Land war der 4. Oktober schon einmal Feiertag: zwischen 1958 und 1977. Das wurde dann abgeschafft. Meloni begründet die Rückkehr zu den alten Gebräuchen damit, dass Franziskus ein Heiliger sei, der von allen Italienern geliebt werde und in dem sich das gesamte Volk wiedererkenne. „Der Nationalfeiertag wird Anlass sein, einen außergewöhnlichen Mann zu feiern und uns jedes Jahr daran zu erinnern, wer wir sind und was uns im Innersten verbindet.“

Was bedeutet das Jubeljahr für das Städtchen? „Franziskus ist alles für mich“, sagt der Künstler Antonio Minzolini, der seine Bilder in einem eigenen Geschäft in der Innenstadt verkauft. Er mag es, wenn die Menschen wegen des Heiligen kommen. „Ich habe Franziskus alles zu verdanken. Für mich ist er nach Jesus und der Gottesmutter Maria der wichtigste Heilige.“

Auch andere Geschäftsleute freuen sich über den Andrang. Laura Ferreti, Verkäuferin in einer Eisdiele, sagt aber: „Natürlich ist es für uns auch anstrengend.“ Prompt muss sie die nächsten Kunden bedienen - viel Zeit zum Erzählen ist nicht.

Und die Besucher? Pfarrer Benjamin Rinkart aus Limburg will das Grab des Heiligen besuchen, beten und die Stimmung mitbekommen. Franz von Assisi sei eine prägende Gestalt in der Kirchengeschichte. „Ein Heiliger, der die Veränderung in der Kirche möchte, aber sich eben nicht gegen die Kirche stellt. Das finde ich ansprechend.“ Hier in Assisi sehe man, wie Kulturen sich gegenseitig bereicherten und nicht abgrenzten. „Das nehme ich als großes Geschenk mit.“

Vom Krieger zum Friedensprediger

Franz von Assisi gilt als eine Symbolfigur des friedlichen Zusammenlebens. Dabei zog er als junger Mann in den Krieg zwischen seiner Heimatstadt und dem Nachbarort Perugia, etwa 30 Kilometer weiter. Auch die enthaltsame Lebensweise wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Er war Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers.

Der Wendepunkt in seinem Leben kam der Überlieferung zufolge durch eine Vision: Francesco soll in einer zerfallenen Kirche Gottes Stimme vernommen haben: „Geh und baue mein Haus wieder auf.“ Das verstand Franziskus zunächst wörtlich. Er begann, verfallene Kirchen wiederaufzubauen. Dann jedoch soll ihm klargeworden sein, dass die Botschaft im übertragenen Sinne gemeint gewesen sei. Er entledigte sich von allem Weltlichen und wurde Bettelprediger.

Seine Lebensweise zog viele an. So wuchs seine Anhängerschaft. 1209 reiste Franz von Assisi mit seinen Gefährten zu Papst Innozenz III. nach Rom, wo seine Gemeinschaft anerkannt wurde. Der Orden der Franziskaner existiert bis heute.

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