Nach Informationen der Tageszeitung „La Meuse“ aus dem Umfeld der Akteure prüft die Wallonische Region derzeit ein Szenario, bei dem die Verwaltung des Circuit de Spa-Francorchamps einem privaten Betreiber übertragen würde.
Die Entscheidung, das laufende Auswahlverfahren zu stoppen, hatte vergangene Woche für Aufsehen gesorgt. Rund 200 Bewerbungen waren beim Personalberater Hudson eingegangen. Gesucht wurde ein Nachfolger für Amaury Bertholomé, der nach vier Jahren an der Spitze der Rennstrecke zu Wallonie Entreprendre gewechselt ist. Offiziell wurde die Aussetzung nicht begründet. In politischen Kreisen heißt es jedoch, die wallonische Regierung wolle im Rahmen der Haushaltsberatungen sämtliche Beteiligungen und Vermögenswerte der Region überprüfen. Hintergrund ist der Druck, Einsparungen in Höhe von rund 900 Millionen Euro zu finden.
Die Rennstrecke befindet sich im Besitz der Wallonie, über Wallonie Entreprendre. Daneben existiert mit Spa Grand Prix eine eigene Struktur für die Organisation des Formel-1-Rennens. Beide Bereiche kosten die öffentliche Hand Geld: Für die Rennstrecke gibt es einen strukturellen Zuschuss von rund zwei Millionen Euro. Zudem muss die Region vertraglich Verluste des Formel-1-Grand-Prix ausgleichen. Im vergangenen Jahr belief sich dieser Betrag auf etwa 2,5 Millionen Euro. Insgesamt geht es also um rund 4,5 Millionen Euro.
Gleichzeitig ist das Bild differenzierter. Die Kosten für die öffentliche Hand sinken seit Jahren. Für die Rennstrecke war unter Bertholomé ein Plan ausgearbeitet worden, um die Abhängigkeit von Zuschüssen bis 2030 zu beenden – möglicherweise sogar schon 2029. Zudem bringt der Standort beträchtliche wirtschaftliche Effekte. Deloitte bezifferte die Ausgaben der Besucher 2022 auf mehr als 40 Millionen Euro. Eine spätere Studie sprach von 147 Millionen Euro an wirtschaftlicher Aktivität durch rund eine Million Besucher pro Jahr. Die steuerlichen Rückflüsse wurden auf 84,2 Millionen Euro geschätzt, davon 3,3 Millionen für die Gemeinden Stavelot und Malmedy und 80,9 Millionen für den Staat. Auch rund 2.500 Vollzeitäquivalente hängen demnach direkt oder indirekt mit dem Standort zusammen.
Das nun diskutierte Modell würde nicht bedeuten, dass die Wallonie die Rennstrecke verkauft. Vielmehr bliebe sie Eigentümerin der Infrastruktur, würde die operative Verwaltung aber einem privaten Betreiber übertragen. Dieser müsste den Standort weiterentwickeln und zugleich für Rentabilität sorgen – ohne dauerhafte öffentliche Zuschüsse.
Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Das Szenario liegt auf dem Tisch, mehr nicht. Dass die Regierung es überhaupt prüft, zeigt aber, dass in Spa-Francorchamps eine Grundsatzdebatte begonnen hat. (red/arco)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren