In den vergangenen Tagen zog Waste Warriors mit Bannern durch mehrere flämische Städte. Am Mittwoch verteilte die Organisation gemeinsam mit Obstbauern auf dem Kunstberg in Brüssel kostenlos Äpfel. Die Aktion ist der Auftakt zur „Woche des Apfels“, die vom 3. bis 10. Oktober stattfindet.
Das Problem: Schon leichte Hagelschäden können dazu führen, dass Äpfel nicht in den Verkauf gelangen – obwohl Geschmack, Frische und Nährwert nach Angaben von Waste Warriors nicht beeinträchtigt sind. Stattdessen würden Supermärkte eher zu makellosem Importobst greifen als zu belgischen Äpfeln mit oberflächlichen Schäden.
Die aussortierten Früchte können zwar noch als Industrieobst verkauft werden, bringen den Erzeugern laut Waste Warriors aber lediglich rund zehn Cent pro Kilogramm ein. „Das liegt weit unter den Produktionskosten. Trotzdem müssen die Bauern die Früchte ernten, um Schäden an den Bäumen und Folgen für die Ernte im kommenden Jahr zu vermeiden“, erklärt die Organisation.
Wie drastisch die Auswirkungen sein können, zeigen einzelne Betriebe. In Bekkevoort in der Provinz Flämisch-Brabant verloren Lieze und Jonas, ein junges Paar und Obstbauern in dritter Generation, nach zwei Hagelschauern ihre gesamte Ernte von rund 500.000 Kilogramm Äpfeln. Karel Vaes aus Sint-Truiden in der Provinz Limburg erging es ähnlich: Seine komplette Ernte von 150.000 Kilogramm wurde aussortiert.
„Ein kleiner Fleck durch einen Hagelschlag reicht bereits aus, damit ein Apfel nicht mehr gut genug ist. Man arbeitet ein ganzes Jahr und sieht dann, wie der Ertrag verloren geht“, sagt Vaes.
Waste Warriors sieht allerdings auch bei den Verbrauchern Handlungsbedarf. „Jeder möchte am liebsten einen perfekten Apfel, ohne darüber nachzudenken, was das für den Obstbauern bedeutet“, sagt Thomas Schiltz von der Organisation.
Insgesamt geht es um mehr als fünf Millionen Kilogramm oder knapp 28 Millionen Äpfel. Aneinandergereiht würden sie eine Strecke von rund 2.000 Kilometern ergeben – ungefähr die Entfernung von Brüssel nach Mailand und zurück.
Während der „Woche des Apfels“ will Waste Warriors deshalb rund 150.000 Kilogramm belgischer Äpfel vor der Verschwendung bewahren. Verbraucher können unter anderem Fünf-Kilo-Pakete mit geretteten Äpfeln bestellen oder Früchte an die Lebensmittelbank spenden. Am 3. Oktober sind zudem sogenannte Apfel-Drive-ins in Antwerpen, Bekkevoort, Hasselt, Gent, Leuven und Kortrijk geplant.
Mit ihrer Kampagne stellt die Organisation vor allem die strengen Schönheitsideale für Obst infrage: „Seit wann ist eine Sommersprosse etwas, für das man sich schämen muss? Bei Menschen würde niemand mehr zweimal hinsehen, bei Obst reicht dagegen schon ein kleiner Fleck auf der Schale, damit es aus den Regalen verbannt wird.“ Obwohl Verbraucher zunehmend Wert auf lokale und nachhaltige Produkte legten, hielten Supermärkte weiterhin an strengen optischen Vorgaben fest: Äpfel müssten möglichst rund, makellos und einheitlich gefärbt sein. (belga/calü)

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