Nach einem kurzen Aufenthalt in Rotterdam und einer Nacht auf See erreichten die Ostbelgier Hull. Von dort führte die abwechslungsreiche Fahrt quer durch England bis nach Wales. Getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ machte Reiseleiterin Cordula, die die Gruppe ab Eupen begleitete, bereits die Anreise zu einem Erlebnis: Auf amüsante Weise erzählte sie von den tragischen Schicksalen der sechs Frauen König Heinrichs VIII. und erläuterte die bedeutende Rolle des Parlamentariers und Heerführers Oliver Cromwell im England des 17. Jahrhunderts. In Holyhead wartete bereits die nächste Fähre. Als schließlich die Silhouette der irischen Hauptstadt am Horizont auftauchte, war das Ziel zum Greifen nah.
Am dritten Reisetag zeigte sich Irland den Gästen erstmals von seiner landschaftlichen und genussvollen Seite. Die Route führte zunächst über Waterford nach Midleton, das weit über die Grenzen der Insel hinaus für seine traditionsreiche Whiskeyherstellung bekannt ist. Bei der Besichtigung einer Destillerie erhielten die Reisenden einen anschaulichen Einblick in die Herstellung des irischen Whiskeys – von der Auswahl der Zutaten über die Destillation bis zur jahrelangen Reifung in Holzfässern. Natürlich durfte auch eine kleine Kostprobe nicht fehlen, bei der sich die Teilnehmer vom charakteristischen Geschmack der irischen Spezialität überzeugen konnten.

Anschließend ging es vorbei an Cork, einer der ältesten Städte des Landes, weiter in Richtung Westen. Immer wieder tauchten zwischen den Hügeln alte Kirchen, Herrenhäuser und Burgruinen auf. Am Abend erreichte die Reisegruppe Killarney im County Kerry, das für die nächsten Tage als Ausgangspunkt dienen sollte.
„Border Collies
lieben ihre Arbeit“
Der vierte Tag gehörte dem berühmten Ring of Kerry, einer der schönsten Panoramastraßen Europas. Die Strecke rund um die Iveragh-Halbinsel präsentierte Irland so, wie man es aus Bildbänden kennt: tiefgrüne Berge, einsame Buchten, schroffe Felsen und der Atlantik, der in der Sonne glitzerte. Hinter jeder Kurve eröffnete sich ein neuer Ausblick. Besonders eindrucksvoll war der Halt am Ladies View. Der Aussichtspunkt verdankt seinen Namen den Hofdamen von Königin Victoria, die von diesem Panorama begeistert gewesen sein sollen. Vor den Reisenden lagen Seen, Wälder und Berge wie ein Gemälde.Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch einer Schaffarm. Dort erlebten die Ostbelgier, wie präzise der Schäfer und seine Hütehunde zusammenarbeiten. Mit kurzen Pfiffen und wenigen Kommandos lenkte er die Hunde, die wiederum die Schafe scheinbar mühelos über die Weiden führten. Die Vorführung vermittelte einen lebendigen Eindruck vom ländlichen Alltag Irlands.

Anschließend ging es in den Killarney National Park. Das UNESCO-Biosphärenreservat begeistert mit alten Eichenwäldern, stillen Seen und einer reichen Tierwelt. Mitten in dieser Landschaft liegt Muckross House, ein prächtiges Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert mit einer interessanten Geschichte und einem herrlichen Park.
Am folgenden Tag zeigte sich die Westküste von ihrer dramatischen Seite. Die Cliffs of Moher gehören zu den bekanntesten Naturwundern Irlands, doch auf ihre tatsächliche Größe ist man kaum vorbereitet. Beinahe zehn Kilometer ziehen sich die Felsen an der Küste entlang, an manchen Stellen fallen sie mehr als 200 Meter fast senkrecht in den Atlantik ab. Tief unten brandeten die Wellen gegen den Stein, während die Sonnenstrahlen auf dem Meer glitzerten. Bei klarer Sicht reichte der Blick bis zu den Aran Islands und über die Galway Bay. Nur wenig später, auf dem Weg nach Galway, veränderte sich die Landschaft vollständig. Im Burren wichen die grünen Wiesen einer kargen, hellgrauen Karstlandschaft. Zerklüftete Kalksteinplatten, tiefe Spalten und seltene Pflanzen verleihen der Region eine beinahe außerirdische Schönheit.
Auf dem Weg zurück nach Dublin besuchte die Reisegruppe am sechsten Tag Clonmacnoise.

Die Klosterruinen liegen in stiller Lage am Ufer des Shannon und zählen zu den bedeutendsten frühchristlichen Stätten Irlands. Das im 6. Jahrhundert gegründete Kloster entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum für Religion, Bildung, Handel und Handwerk. Noch heute sind die Reste einer Kathedrale, mehrerer Kirchen, ein Rundturm und kunstvoll gearbeitete Keltenkreuze erhalten. Der Blick über den breiten Fluss und die umliegenden Wiesen verstärkte die friedliche Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Ortes.
Zurück in Dublin erwartete die Gäste ein Besuch im Guinness Storehouse. In dem ehemaligen Brauereigebäude erfuhren die Reisenden, wie aus Wasser, Gerste, Hopfen und Hefe das weltbekannte dunkle Bier entsteht. Die Ausstellung führte durch mehrere Etagen und verband Geschichte, Handwerk und moderne Präsentation. Nach der Besichtigung konnten die Ostbelgier bei einem Glas Guinness in der Gravity Bar den Blick über die Dächer Dublins schweifen lassen.
Das zentral gelegene Hotel mitten in Temple Bar lud am Abend förmlich dazu ein, das Dubliner Nachtleben zu erleben. Bunt und quirlig ging es in dem berühmten Kneipenviertel zu. Aus vielen Bars ertönte Live-Musik, zu der die meist jungen irischen Besucher mitsangen und tanzten. Auch das war ein Stück irischer Kultur – ebenso wie die ungezwungene Herzlichkeit der Inselbewohner.

Am siebten Tag blieb vor der Einschiffung noch Zeit für einen letzten Spaziergang durch Dublin. Die irische Hauptstadt verbindet Geschichte und moderne Lebensfreude auf besondere Weise. Die Gruppe sah das traditionsreiche Trinity College, dessen historische Gebäude zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt gehören. Berühmt ist die Universität vor allem für ihre alte Bibliothek und das kostbare Book of Kells. Auffällig waren auch die farbenfrohen Dublin Doors, die mit kräftigen Rot-, Blau-, Grün- und Gelbtönen die eleganten georgianischen Häuser schmücken. Anschließend blieb noch Zeit für den Besuch der St. Patrick’s Cathedral oder den Kauf kleiner Erinnerungen.
Am Nachmittag hieß es Abschied nehmen. Die Fähre brachte die Ostbelgier über Nacht nach Cherbourg. Als Dublin langsam hinter dem Schiff verschwand, ließ die Reisegruppe die vergangenen Tage Revue passieren – die Klippen, das satte Grün, die steinernen Zeugen früher Kulturen und die vielen Begegnungen unterwegs.

Von Cherbourg führte die Reise am nächsten Vormittag für eine Stippvisite nach Honfleur und weiter nach Le Havre. Die Zwischenübernachtung in Frankreich bot Gelegenheit, die zahlreichen Eindrücke zu ordnen und gemeinsam auf die Reise zurückzublicken.
Am neunten Tag trat die Gruppe nach einem kurzen Besuch von Amiens die Heimfahrt an. Hinter den Teilnehmern lagen rund 2500 Kilometer, zwei Nachtfahrten auf See und unzählige Bilder, die noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Irland hat die Ostbelgier mit seiner Natur, seiner Geschichte und der offenen Art seiner Menschen begeistert. Es ist ein Land der Kontraste: wild und sanft, melancholisch und lebensfroh, uralt und zugleich überraschend modern. Vor allem aber ist es ein Land, das seine Geschichten nicht nur in Büchern erzählt. Sie liegen in den Mauern verfallener Klöster, im Wind über den Klippen und in den Liedern der Pubs.

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