Rauch, Wind und Regen: So entwickelt sich das Wetter rund um den Vennbrand

<p>Rauch, Wind und Regen: So entwickelt sich das Wetter rund um den Vennbrand</p>
Foto: afp

Bis zum Abend rechnet Karsten Brandt, Gründer und Geschäftsführer des Wetterdienstes Donnerwetter.de, überwiegend mit Wind aus nordwestlicher Richtung. Bei Geschwindigkeiten zwischen 20 und 30 Kilometern pro Stunde wird der Rauch aus dem Brandgebiet weiter nach Süden und Südosten getragen.

Nach Einschätzung des Wetterexperten ist die Belastung vorwiegend entlang der Linie von Weywertz über Elsenborn bis Rocherath hoch. „Die Feinstaubwerte sind so hoch, und da ist viel Kohlenmonoxid drin – ein regelrechter Giftcocktail“, sagt Brandt im Gespräch mit dem GrenzEcho. Niemand würde freiwillig den Rauch eines Kamins einatmen. Beim Vennbrand sei die Situation letztlich vergleichbar: „Das ist schon sehr gefährlich.“

Empfindliche Personen sollten Rauch meiden

Brandt warnt davor, die Rauchentwicklung zu unterschätzen. Insbesondere kleine Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke sollten sich möglichst nicht länger in stark belasteten Bereichen aufhalten. Grundsätzlich gelte, den Rauch nicht über einen längeren Zeitraum einzuatmen und Aufenthalte im Freien auf das Notwendige zu beschränken.

<p>Wetterexperte Karsten Brandt</p>
Wetterexperte Karsten Brandt | Foto: David Hagemann

Wer die Möglichkeit habe, könne die besonders betroffenen Ortschaften vorübergehend verlassen und etwa bei Freunden oder Verwandten unterkommen. „Wenn das irgendwie geht, muss man sich dem bis heute Nacht nicht aussetzen“, erklärt Brandt. Eine Schutzmaske könne bei notwendigen Wegen im Freien zusätzlichen Schutz bieten, ersetze das Meiden der Rauchwolke nach seiner Einschätzung aber nicht.

Weiter südlich werde die belastete Luft stärker durchmischt. In Amel, Manderfeld, Burg-Reuland und im Ourtal sei der Brandgeruch zwar ebenfalls wahrnehmbar, die Konzentration des Rauchs falle dort nach Einschätzung Brandts jedoch geringer aus.

Wind dreht in der Nacht

In der Nacht wird die Wetterentwicklung unübersichtlicher. Der Wind lasse deutlich nach, könne seine Richtung aber mehrmals ändern. In den frühen Morgenstunden drehe er zeitweise auf Süd und treibe den Rauch kurz in Richtung Raeren.

Später dürfte sich die Rauchfahne stärker auf die deutsche Seite verlagern. Am Dienstagvormittag könnten deshalb vor allem Kalterherberg und Monschau betroffen sein. Im Süden der DG sollte die Belastung dann zumindest vorübergehend zurückgehen.

Regen zwischen 3 und 8 Uhr erwartet

Die wichtigste Entlastung könnte der Wetterumschwung am Dienstagmorgen bringen. Zwischen etwa 3 und 8 Uhr erwartet Brandt erneut kräftigeren Regen über dem Hohen Venn und Ostbelgien. Nach seiner Prognose könnten fünf bis zehn Liter pro Quadratmeter fallen.

„Das ist ein Geschenk des Himmels“, sagt der Wetterexperte. Ein flächendeckender Niederschlag bringe deutlich mehr Wasser in das Brandgebiet, als mit einzelnen Hubschrauberflügen verteilt werden könne. Der Regen helfe dabei, das Feuer einzudämmen, eine weitere Ausbreitung zu erschweren und die Arbeit der Einsatzkräfte zu erleichtern.

Gleichzeitig dürfte sich die Qualität der Atemluft verbessern. Die Regentropfen binden beim Fallen einen Teil der Rauchpartikel, Gase und anderen Stoffe. „Dadurch wird die Luft etwas sauberer“, erklärt Brandt. Zwar gelangten die aufgenommenen Schadstoffe anschließend in den Boden, akut sei aber zunächst entscheidend, dass die Menschen wieder besser atmen könnten.

Feuchte Wetterlage bis Freitag

Bis Freitag rechnet Brandt mit wechselhaftem und wiederholt feuchtem Wetter. Erst danach zeichne sich ein neues Hoch mit sommerlichen Bedingungen ab. Die kommenden Tage könnten daher für die weitere Brandbekämpfung entscheidend werden.

„Ich glaube, dass wir innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden auch durch die Wetterlage eine gute Nachricht haben“, sagt Brandt und fügt an: „Die gute Nachricht ist: Ich glaube, wir haben in 24 bis 48 Stunden das Allerschlimmste gesehen.“

Vollständig beendet wäre der Brand damit allerdings nicht. Im torfhaltigen Boden können Glutnester noch lange unbemerkt weiterbestehen. Auch die Rauchentwicklung könnte die Region deshalb über einen längeren Zeitraum beschäftigen. (calü)

Karsten Brandt schreibt im Zweiwochenrhythmus eine Wetterkolumne für das GrenzEcho. Sie haben Fragen oder Anregungen? Melden Sie sich gerne per Mail an wetter@grenzecho.be

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