Vennbrand: Mehr als 2.000 Hektar zerstört

<p>Die Spuren des Großbrandes sind unübersehbar: Weite Teile der Vennlandschaft sind von den Flammen gezeichnet und verkohlt.</p>
Die Spuren des Großbrandes sind unübersehbar: Weite Teile der Vennlandschaft sind von den Flammen gezeichnet und verkohlt. | Foto: David Hagemann

Betroffen sind dort die Siedlungen Ruitzhof, Leyloch, Vennhof, Haus Sonnentau und Plattevenn. Die Bewohner werden vorsorglich aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung einzustellen. Wenn möglich, sollen sie sich bei Verwandten oder Freunden unterbringen. Gleichzeitig bereitet die Stadt Notunterkünfte vor. Noch handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Der föderale Innenminister Bernard Quintin im Interview

Auf belgischer Seite sind die Evakuierungen bereits angelaufen. Nach Angaben von Belga mussten etwa 500 Menschen in der Gemeinde Weismes und rund 100 Menschen in Bütgenbach ihre Häuser verlassen. Betroffen sind unter anderem Teile der Ortschaft Sourbrodt (Gemeinde Weismes) sowie Leykaul und weitere Straßen auf Bütgenbacher Gemeindegebiet. Als zentrale Auffangstelle dient die Sporthalle in Malmedy, wo Feldbetten und Verpflegungsmöglichkeiten eingerichtet wurden. Viele Evakuierte kamen allerdings bei Angehörigen unter.

<p>Landwirte helfen aus.</p>
Landwirte helfen aus. | Foto: David Hagemann

Der Brand hat sich unterdessen weiter ausgebreitet. Nachdem am Nachmittag zunächst von 1.600 und später von mehr als 1.800 Hektar die Rede gewesen war, beziffert der SPW die zerstörte Vegetationsfläche inzwischen auf mehr als 2.000 Hektar. Zum Vergleich: Bei einem Großbrand im Jahr 2011 waren mehr als 1.200 Hektar betroffen. Der Kampf gegen die Flammen bleibt vor allem wegen der ständig wechselnden Windrichtung schwierig. „Die Rettungsdienste entwickeln eine Strategie, und wenn diese umgesetzt wird, hat der Wind bereits wieder seine Richtung geändert“, erklärte Baelens Bürgermeisterin Nathalie Thönnissen gegenüber der Nachrichtenagentur Belga. Ihre Gemeinde ist besonders stark von dem Feuer betroffen.

Am Boden stoßen die Einsatzkräfte im schwer zugänglichen Venn immer wieder an ihre Grenzen. Deshalb kommt den Löschmaßnahmen aus der Luft eine entscheidende Bedeutung zu. Bis zum Samstagnachmittag waren zwei Hubschrauber der Föderalpolizei im Einsatz. Gegen 16 Uhr traf nach Angaben Thönnissens ein weiterer Hubschrauber aus den Niederlanden ein. Ein zweiter niederländischer Hubschrauber sowie eine Maschine aus Tschechien wurden im weiteren Tagesverlauf erwartet. Belgien hatte zuvor den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert. Über die europäische Zusammenarbeit wurden weitere Löschmittel mobilisiert. Nach Angaben von EU-Kommissarin Hadja Lahbib wurden unter anderem Hubschrauber und Flugzeuge aus Tschechien, Schweden und den Niederlanden mobilisiert.

Der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont im Interview

Verschiedene Spitzenpolitiker machten sich am Samstag ein Bild von der Lage. Der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont (MR) und der föderale Innenminister Bernard Quintin (MR) besuchten unter anderem das Krisenzentrum in Vottem. Es sei schwierig, den gesamten Brand unter Kontrolle zu bekommen, sagte Dolimont. Nun müsse alles darangesetzt werden, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Innenminister Quintin bezeichnete die Situation als „besorgniserregend“, betonte zugleich aber, dass keiner der beteiligten Dienste überfordert sei. Neben den örtlichen Feuerwehren sind Kräfte aus anderen belgischen Hilfeleistungszonen sowie aus Deutschland im Einsatz. Hinzu kommen die Föderale Polizei, der Zivilschutz und die Armee. Eine wichtige Rolle spielen weiterhin zahlreiche Landwirte. Sie bringen mit Wasser- und Güllefässern Löschwasser in das Gebiet und unterstützen die Einsatzkräfte. Viele sind auch auf eigene Initiative unterwegs und bewässern Straßenränder und angrenzende Flächen, um zu verhindern, dass die Flammen über Verkehrswege hinweg auf weitere Gebiete überspringen.

Hilfsangebote werden gebündelt.

Die große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung soll inzwischen stärker koordiniert werden. Der Baelener Alexis d’Ascenzo hat die Internetplattform „aidefagnes.be“ eingerichtet, auf der Hilfsangebote gebündelt und mit dem Bedarf von Vereinigungen und anderen Stellen zusammengebracht werden sollen. Nach eigenen Angaben gingen innerhalb weniger Stunden bereits mehrere Hundert Angebote ein. Bürger bieten unter anderem Lebensmittel und Tierkäfige an, aber auch Tierärzte und Unternehmer haben ihre Unterstützung oder Material angeboten. Auch die Gemeinde Baelen bündelt Hilfsangebote. Landwirte, Unternehmer und andere Bürger, die Material oder Unterstützung zur Verfügung stellen können, sollen sich dort melden. Die Ressourcen werden anschließend je nach Bedarf der Rettungsdienste eingesetzt.

Die Auswirkungen des Großbrandes reichen mittlerweile weit über das eigentliche Venngebiet hinaus. In Rheinland-Pfalz breiteten sich am Samstagnachmittag Rauchwolken aus. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Trier waren insbesondere die Eifel und die Moselregion betroffen. Vielerorts war deutlicher Brandgeruch wahrzunehmen, teilweise befand sich Asche in der Luft. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen auszuschalten. Auch Trier erreichte der Rauch. Wegen der Belastung wurde am Samstag zeitweise sogar die Säubrennerkirmes in Wittlich unterbrochen. Eine schnelle Entwarnung für das Hohe Venn ist weiterhin nicht in Sicht. Neben dem Wind erschweren der schwer zugängliche Untergrund und die Torfschichten die Arbeiten. Feuer und Glut können sich dort unterhalb der Oberfläche halten und über längere Zeit weiterschwelen. (belga/sc/dpa)

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