[Update] Vennbrand: Rund 600 Menschen in Weismes und Bütgenbach evakuiert

<p>Das Ausmaß der Zerstörung wird sichtbar: Weite Teile der Vennlandschaft sind nach dem Großbrand verkohlt, an zahlreichen Stellen steigt noch Rauch aus dem Boden.</p>
Das Ausmaß der Zerstörung wird sichtbar: Weite Teile der Vennlandschaft sind nach dem Großbrand verkohlt, an zahlreichen Stellen steigt noch Rauch aus dem Boden. | Foto: David Hagemann

Für die Evakuierten wurde die Sporthalle in Malmedy als zentrale Auffangstelle eingerichtet. Dort werden inzwischen Feldbetten und Möglichkeiten zur Verpflegung vorbereitet. „Phase zwei läuft an, mit der Aufstellung von Feldbetten und Küchen“, erklärte Malmedys Bürgermeister Jean-Paul Bastin gegenüber Belga.

Video-Aufnahmen von einer Fahrt über die Vennstraße zeigen die Auswirkungen des Großbrandes aus nächster Nähe. Über der Landschaft liegt dichter Rauch, an mehreren Stellen steigt weiterhin Qualm aus den betroffenen Flächen auf.

Ein Großteil der rund 600 Betroffenen ist allerdings bei Familienangehörigen untergekommen. Für diejenigen, die in der Sporthalle bleiben müssen, stehen dort unter anderem Duschen und Toiletten zur Verfügung. Bürgermeister Bastin berichtet zugleich von einer großen Welle der Solidarität. Privatpersonen und Betreiber verschiedener Einrichtungen bieten Unterkünfte an. Dadurch können teilweise auch Feuerwehrleute und andere Helfer die Möglichkeiten nutzen, um zu duschen oder sich zwischen ihren Einsätzen auszuruhen.

<p>Auch junge Helfer packen mit an: Entlang der Straßen im Hohen Venn werden die Ränder mit Wasser aus landwirtschaftlichen Fässern nass gehalten, um ein Überspringen der Flammen zu verhindern.</p>
Auch junge Helfer packen mit an: Entlang der Straßen im Hohen Venn werden die Ränder mit Wasser aus landwirtschaftlichen Fässern nass gehalten, um ein Überspringen der Flammen zu verhindern. | Foto: David Hagemann

Auch in Baelen werden die zahlreichen privaten Hilfsangebote inzwischen zentral koordiniert. Bürgermeisterin Nathalie Thönnissen bittet insbesondere Landwirte und Unternehmer, die Material oder andere Unterstützung zur Verfügung stellen können, sich bei der Gemeinde zu melden. Je nach Bedarf der Rettungsdienste sollen die angebotenen Mittel anschließend gezielt eingesetzt werden. Bereits am Samstagnachmittag hatte der Lütticher Provinzgouverneur Hervé Jamar wegen der wechselnden Windrichtung und der starken Rauchentwicklung präventive Evakuierungen angeordnet. In der Gemeinde Bütgenbach sind die Rurstraße, Leykaul, Am Breitenbach, der Schieferweg, Auf dem Hau, der Rickshelderweg und Am Schwarzbach betroffen. Auch zahlreiche Straßen in Sourbrodt auf dem Gebiet der Gemeinde Weismes mussten geräumt werden.

Die Lage im Hohen Venn bleibt schwierig. Vor allem der ständig wechselnde Wind, das schwer zugängliche Gelände und der Torfboden erschweren die Löscharbeiten. Feuerwehrfahrzeuge können nicht überall bis zu den Flammen vordringen. Zahlreiche Einsatzkräfte aus Belgien und Deutschland sowie Zivilschutz und Armee kämpfen gegen das Feuer. Mehrere Hubschrauber unterstützen die Löscharbeiten aus der Luft.

Auch zahlreiche Landwirte unterstützen die Löscharbeiten mit eigenen Fahrzeugen und Wasserfässern. Die Aufnahmen zeigen, wie sie entlang der Vennstraße die trockenen Straßenränder bewässern, um ein Überspringen des Feuers zu verhindern. Dabei packen auch junge Helfer mit an und verteilen das Wasser auf den gefährdeten Flächen.

Belgien hat zudem den EU-Katastrophenschutzmechanismus aktiviert, um weitere internationale Unterstützung zu erhalten. Zusätzliche Löschmittel aus der Luft wurden angefordert. Auch zahlreiche Landwirte helfen weiterhin bei der Brandbekämpfung. Mit Wasser- und Güllefässern versorgen sie die Einsatzkräfte mit Löschwasser. Teilweise werden Straßenränder und angrenzende Flächen bewässert, um zu verhindern, dass das Feuer über Straßen hinweg auf weitere Gebiete überspringt. Die belgische Armee unterstützt den Großeinsatz unter anderem mit drei Panther-Löschfahrzeugen. Die Spezialfahrzeuge können jeweils 10.500 Liter Wasser transportieren und verfügen über Wasserwerfer mit einer Reichweite von bis zu 90 Metern. Die Behörden appellieren weiterhin an die Bevölkerung, das Hohe Venn und die betroffenen Gebiete zu meiden. Einwohner außerhalb der Evakuierungszonen sollen bei Rauchbelastung Türen und Fenster geschlossen halten. Wie sich der Brand am Samstagabend weiterentwickelt, hängt insbesondere von den Windverhältnissen ab. Eine schnelle Entwarnung ist auch wegen der Torfschichten nicht zu erwarten: Glutnester können sich unterhalb der Oberfläche halten und noch längere Zeit weiterschwelen. (belga/sc)

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