Großbrand im Hohen Venn: Evakuierungen in den Gemeinden Weismes und Bütgenbach

<p>Dieses Bild entstand am späten Samstagnachmittag auf Botrange.</p>
Dieses Bild entstand am späten Samstagnachmittag auf Botrange. | Foto: David Hagemann

Mehr als 1.600 Hektar Vegetation sind inzwischen den Flammen zum Opfer gefallen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga sprechen die örtlichen Bürgermeister vom schlimmsten Brand in der belgischen Geschichte. Die Zahl von mehr als 1.600 Hektar wurde durch eine Erkundung aus der Luft bestätigt. „1.600 Hektar sind tatsächlich verbrannt, nach den Beobachtungen der Feuerwehrleute, die das Gebiet überflogen haben“, erklärte Baelens Bürgermeisterin Nathalie Thönnissen am Samstagnachmittag im Krisenzentrum in Vottem.

Der Evakuierungsbefehl betrifft auf dem Gebiet der Gemeinde Weismes die Rue d’Averscheidt, Rue Haute, Rue du Bouvier, Rue de Bosfagne, Rue coin du bois, Rue Sainte Apolline, Chemin des Champs, Rue de la Roer, Voie des Hôtes, Rue Pré Louis, Rue Clair Chêne, Rue des Tourbières, Rue des Tchenas, Rue de la Station, Am Rurbusch, Rue du camp und À la croix Marquet.

<p>Schäden im Hohen Venn</p>
Schäden im Hohen Venn | Foto: David Hagemann

In der Gemeinde Bütgenbach sind die Rurstraße, Leykaul, Am Breitenbach, Schieferweg, Auf dem Hau, Rickshelderweg und Am Schwarzbach betroffen. Die Bewohner der genannten Straßen und Gebiete werden aufgefordert, ihre Häuser beziehungsweise Wohnungen vorsorglich zu verlassen. Sie sollen sich zur Sporthalle von Malmedy in der Avenue du Pont de Warche 1 begeben. Für Einwohner, die nicht in den genannten Straßen wohnen, gilt die Empfehlung, bis auf Weiteres zu Hause zu bleiben sowie Türen und Fenster geschlossen zu halten. Touristen, die sich im betroffenen Gebiet aufhalten, sollen die Zone verlassen und zu ihrem Aufenthaltsort beziehungsweise nach Hause zurückkehren. Der Gouverneur fordert die Bevölkerung auf, die Anweisungen der Behörden, der Polizei und der Rettungsdienste zu befolgen.

<p>Für die Feuerwehr ist der Einsatz eine besondere Herausforderung.</p>
Für die Feuerwehr ist der Einsatz eine besondere Herausforderung. | Foto: David Hagemann

Bereits zuvor hatte die Gemeinde Weismes die Einwohner von Sourbrodt aufgefordert, sich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Nach Angaben des französischsprachigen Rundfunks RTBF hatten am Samstagnachmittag zudem erste punktuelle Evakuierungen in der Nähe von Ovifat begonnen. Die Stadt Malmedy hatte ihrerseits die Sporthalle vorbereitet, um Menschen aufzunehmen, die wegen des Brandes eine Unterkunft benötigen. Die dortigen Sportaktivitäten wurden bis auf Weiteres ausgesetzt. Auch die Feierlichkeiten rund um das Riesenomelett wurden angesichts der Lage abgebrochen. Nach Angaben der Stadt Malmedy ist derzeit keine Ortschaft ihres Gemeindegebiets unmittelbar vom Feuer bedroht. Allerdings ziehen aufgrund der wechselnden Winde starke Rauchschwaden durch Teile der Gemeinde.

<p>Beim Kampf gegen den Brand kommt schweres Gerät zum Einsatz.</p>
Beim Kampf gegen den Brand kommt schweres Gerät zum Einsatz. | Foto: David Hagemann

Die Lage bleibt für die Einsatzkräfte äußerst schwierig. Große Teile des Venns sind mit schweren Fahrzeugen kaum zu erreichen. Thönnissen zufolge bleiben Feuerwehrfahrzeuge beim Versuch, zu den Flammen vorzudringen, im Untergrund stecken. Die Brandbekämpfung ist deshalb in besonderem Maße auf Unterstützung aus der Luft angewiesen. Hinzu kommt der ständig wechselnde Wind. Er sorgt dafür, dass sich das Feuer immer wieder in unterschiedliche Richtungen ausbreitet. Die Feuerwehr versucht deshalb an strategisch wichtigen Punkten, ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Waldgebiete zu verhindern. Drei Hubschrauber sind bereits an der Brandbekämpfung beteiligt. Weitere internationale Unterstützung wird erwartet. Belgien hat am Samstagmittag den Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union aktiviert. Dadurch kann das Land zusätzliche Einsatzkräfte und Löschmittel aus anderen EU-Staaten, Partnerländern sowie aus europäischen Reserven anfordern. EU-Kommissarin Hadja Lahbib hatte mitgeteilt, dass ein Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge aus der europäischen Flotte auf dem Weg seien. Baelens Bürgermeisterin hofft ebenfalls, dass noch im Laufe des Samstags zusätzliche Unterstützung aus der Luft aus dem Ausland eintrifft. Die Feuerwehr ist inzwischen mit einem außergewöhnlich großen Aufgebot im Hohen Venn vertreten. Einsatzkräfte aus verschiedenen belgischen Hilfeleistungszonen kämpfen gegen die Flammen. Verstärkung ist unter anderem aus Flandern und Deutschland eingetroffen. Unterstützt werden die Feuerwehren vom Zivilschutz, der Armee, der Forstverwaltung DNF und zahlreichen Landwirten.

Auch die belgische Armee hat drei Panther-Löschfahrzeuge ins Brandgebiet geschickt. Die Spezialfahrzeuge verfügen über jeweils 10.500 Liter Löschwasser und können dieses bis zu 90 Meter weit versprühen. Eine besondere Herausforderung bleibt der Torfboden. Das Feuer kann sich dort unterhalb der Oberfläche weiter ausbreiten und über einen längeren Zeitraum schwelen. Deshalb dürfte der Einsatz auch dann noch lange nicht beendet sein, wenn die offenen Flammen unter Kontrolle gebracht werden können. Die N68 zum Hochplateau des Hohen Venns bleibt für den normalen Verkehr gesperrt und ist den Rettungs- und Einsatzkräften vorbehalten. Auch die Parkplätze an der Eupener Wesertalsperre und an der Gileppe-Talsperre sind geschlossen, damit Feuerwehr und Landwirte dort ungehindert Löschwasser aufnehmen können. Die Behörden fordern die Bevölkerung weiterhin eindringlich auf, das Hohe Venn zu meiden. Auch die Notrufnummer 112 soll nicht für Nachfragen zur Lage oder private Hilfsangebote genutzt werden. Sie muss für tatsächliche Notfälle freigehalten werden. (belga/sc)

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