Großbrand im Hohen Venn: Sourbrodt bereitet sich auf Evakuierung vor – 1.600 Hektar betroffen

Unterdessen hat die Gemeinde Weismes am Samstag um 13.45 Uhr die Einwohner von Sourbrodt aufgefordert, sich vorsorglich auf eine mögliche Evakuierung vorzubereiten. Eine solche Evakuierung ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht angeordnet worden. Die Einwohner sollen zunächst in ihren Häusern bleiben. Die Gemeinde empfiehlt ihnen jedoch, in Ruhe eine kleine Tasche mit den wichtigsten persönlichen Dingen zu packen und diese nach Möglichkeit bereits ins Auto zu legen. So sollen sie schnell aufbrechen können, falls in den kommenden Stunden tatsächlich eine Evakuierung beschlossen werden sollte. Zugleich bittet die Gemeinde ausdrücklich darum, die Notrufnummer 112 nicht für Nachfragen zur aktuellen Lage zu nutzen. Die Nummer müsse für Notfälle und Einsätze der Rettungsdienste freigehalten werden. Über die weitere Entwicklung will die Gemeinde über ihre offiziellen Kanäle informieren.

Hier eine Luftaufnahme des Vennbrandes

Nach Angaben der RTBF handelt es sich um den größten Brand dieser Art im Hohen Venn seit 30 Jahren. Einsatzkräfte aus der gesamten Provinz sind vor Ort, zudem unterstützen die Armee, Löschhubschrauber, Landwirte und weitere Helfer die Brandbekämpfung. Inzwischen hat Belgien wegen des Großbrandes auch den Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union aktiviert. Das teilte die belgische EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib, am Samstag mit. Über diesen Mechanismus kann Belgien Unterstützung und Material aus anderen EU-Mitgliedstaaten, Partnerländern oder den europäischen rescEU-Reserven anfordern. Nach Angaben Lahbibs sind ein Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge aus der europäischen Flotte bereits auf dem Weg nach Belgien. Damit erhält die Brandbekämpfung im Hohen Venn weitere Unterstützung aus der Luft.

Foto: Photo News / David Hagemann

Die Situation bleibt für die Feuerwehr äußerst schwierig. Das Gelände im Venn ist teilweise kaum zugänglich. Nicolas Yernaux, Sprecher des Öffentlichen Dienstes der Wallonie (SPW), erklärte gegenüber RTBF, die Einsatzkräfte hätten zunächst gemeinsam mit Mitarbeitern der Forstverwaltung DNF versucht, weiter in das Venn vorzudringen. Wegen der Geländeverhältnisse sei dies jedoch außerordentlich schwierig. Die Strategie bestehe deshalb inzwischen teilweise darin, sich bis an die Waldränder zurückzuziehen und dort mit allen Mitteln zu verhindern, dass das Feuer auf die Wälder übergreift. Dies erkläre auch die inzwischen enorme Größe der betroffenen Fläche. Erschwert werden die Arbeiten zusätzlich durch den Torfboden. Das Feuer kann sich dort unterhalb der sichtbaren Oberfläche weiter ausbreiten und über längere Zeit schwelen.

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Der Umfang des Einsatzes ist mittlerweile außergewöhnlich. Feuerwehrleute aus verschiedenen Hilfeleistungszonen wurden ins Hohe Venn beordert. Unterstützung kommt unter anderem aus Lüttich und Huy sowie aus der Provinz Limburg und aus Deutschland. Allein die Feuerwehr aus Lüttich stellte zwei Tanklöschfahrzeuge, zwei Pumpen und ein Führungsfahrzeug bereit. Auch die Hilfeleistungszonen Hemeco und Hesbaye schickten zusätzliche Tanklösch- und Spezialfahrzeuge.

Ein Feuerwehrmann vor Ort sprach gegenüber RTBF von mindestens 50 bis 60 Feuerwehrfahrzeugen. Unter Einbeziehung aller Fahrzeuge dürften sich demnach rund 80 bis 90 Fahrzeuge im Einsatz befinden. Einen Einsatz dieser Größenordnung habe man bislang noch nicht erlebt. Auch die belgische Armee unterstützt die Brandbekämpfung mit drei Panther-Löschfahrzeugen. Die Fahrzeuge können jeweils 10.500 Liter Wasser transportieren und das Löschwasser bis zu 90 Meter weit versprühen. Die Mittel der Armee sind nach Angaben der RTBF inzwischen vor Ort eingetroffen. Eine wichtige Rolle spielen weiterhin Landwirte aus der Region. Sie transportieren mit ihren Fahrzeugen große Mengen Wasser zu den Einsatzstellen und sorgen dafür, dass die Feuerwehr ihre Tankfahrzeuge möglichst nah am Brandgebiet wieder auffüllen kann. Einige der Landwirte helfen bereits seit Freitagabend und waren die gesamte Nacht im Einsatz. Die N68 zum Hochplateau des Hohen Venns bleibt für den Verkehr gesperrt. Auch die Parkplätze an der Eupener Wesertalsperre und an der Gileppe-Talsperre sind geschlossen. Die Behörden bitten die Bevölkerung weiterhin eindringlich, das gesamte Gebiet zu meiden und die Arbeit der Einsatzkräfte nicht zu behindern.

<p>Diese Aufnahme entstand am Samstagmittag in Bütgenbach</p>
Diese Aufnahme entstand am Samstagmittag in Bütgenbach | Foto: privat

Gleichzeitig ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung groß. Der Lütticher Provinzgouverneur weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass die Notrufnummer 112 nicht genutzt werden darf, um Hilfsangebote zu unterbreiten. Die Nummer müsse für tatsächliche Notfälle freigehalten werden. Sollten weitere Helfer oder Sachmittel benötigt werden, wollen die Behörden gezielt darüber informieren. Wie sich der Brand in den kommenden Stunden entwickelt, bleibt offen. Die Löscharbeiten dürften angesichts der enormen Fläche, des schwierigen Geländes und des Torfbodens noch längere Zeit dauern. (sc)

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