Es war ein bewegender Moment am Ende einer Eucharistiefeier, die weniger als Abschied im engeren Sinn erlebt wurde, sondern vor allem als großes Dankeschön für 65 Jahre klösterliches Leben, Gebet, Arbeit und Gastfreundschaft.
Geleitet wurde die Messe von Jean-Pierre Delville, dem Bischof von Lüttich. Unter den Anwesenden befanden sich auch Dom Xavier Frisque, Oberer ad nutum der Abtei Orval und Verantwortlicher für die Gemeinschaft von Brialmont, sowie Lode Van Hecke, emeritierter Bischof von Gent und früherer Abt von Orval. Hinzu kamen zahlreiche Priester, Ordensleute, Ehrenamtliche, Freunde der Abtei und Gläubige aus verschiedenen Teilen Belgiens. Insgesamt waren nahezu hundert Personen nach Brialmont gekommen, um den Schwestern ihre Verbundenheit zu zeigen.
Am Ende der Feier überreichte Dom Xavier Frisque jeder Schwester eine Reproduktion des Marienfensters, das seit Jahrzehnten die Kapelle der Abtei erhellt. Die Geste war schlicht, aber von starker Symbolkraft: ein Stück Brialmont, ein Licht aus der vertrauten Klosterwelt, das die Ordensfrauen mitnehmen werden, wenn sie in den kommenden Monaten in andere Zisterzienserklöster übersiedeln.
Der Entschluss zu diesem Schritt kam nicht plötzlich. Seit mehreren Jahren sah sich die Gemeinschaft mit dem Älterwerden ihrer Mitglieder, mit sinkender Zahl und mit dem Ausbleiben neuer Berufungen konfrontiert. Nach einem längeren geistlichen und gemeinschaftlichen Unterscheidungsprozess, den Mutter Marie-Pascale Dran zusammen mit den Schwestern, Dom Xavier Frisque und einer Kommission für die Zukunft geführt hatte, fiel die Entscheidung, den Weggang der Gemeinschaft vorzubereiten. Dies geschah in Abstimmung mit dem Zisterzienserorden der Strengeren Observanz.
Nicht das Ende ihrer Berufung, sondern ein neuer Abschnitt
Die sechs Schwestern werden ihre monastische Berufung jedoch nicht aufgeben. Sie wechseln in andere Klöster, die sie selbst frei wählen konnten, und setzen dort ihr religiöses Leben fort. Für die Frauen bedeutet der Abschied daher nicht das Ende ihrer Berufung, sondern einen neuen Abschnitt. Die kanonische Aufhebung des Klosters selbst ist erst für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen. Nach den für Frauenklöster geltenden Regeln soll der entsprechende Antrag an den Heiligen Stuhl erst nach dem nächsten Generalkapitel des Ordens gestellt werden, das im September 2028 stattfinden soll.
Im Bistum Lüttich wird diese Entwicklung mit Trauer, aber auch mit Respekt und Realismus aufgenommen. Man betont, dass die Entscheidung aus der Gemeinschaft selbst heraus gereift sei und in enger Begleitung des Ordens getroffen wurde. Zugleich wird die jahrzehntelange Ausstrahlung des Klosters gewürdigt. Seit der Niederlassung der Schwestern am 5. August 1961 war Brialmont für unzählige Menschen ein Ort des Rückzugs, des Schweigens und der geistlichen Einkehr. Tausende Gäste kamen im Lauf der Jahre hierher: Exerzitienteilnehmer, Pfarrgruppen, Jugendliche, Priester, Brautpaare in der Ehevorbereitung, Ehrenamtliche und Besucher, die einen Raum der Stille und des Friedens suchten.
Bischof Delville unterstrich in seiner Predigt die Bedeutung dieser Präsenz. Brialmont sei über die Jahrzehnte zu einer Art „grüner Lunge“ des Bistums geworden, sagte er sinngemäß. Es sei ein Ort, an den Menschen kämen, um zur Ruhe zu kommen, innerlich aufzutanken und neue Kraft zu schöpfen. Gerade in den verletzlichen letzten Jahren hätten die Schwestern weiterhin etwas von der Schönheit und Tiefe des geweihten Lebens sichtbar gemacht. Ihr Dasein sei für die Kirche ein Schatz gewesen.
Auch für die Ordensfrauen selbst war diese Feier ein besonders dichter Augenblick ihrer gemeinsamen Geschichte. Brialmont zu verlassen heißt für sie nicht nur, ein Gebäude hinter sich zu lassen, sondern einen Lebensort, den sie über Jahrzehnte geprägt und bewohnt haben. Mutter Marie-Pascale sprach offen von Traurigkeit, vor allem aber von großer Dankbarkeit. Die Gemeinschaft habe in Brialmont eine schöne Geschichte erlebt, gebetet, gearbeitet und unzählige Menschen empfangen. Was jetzt bleibe, sei die Gewissheit, dass Gott seine Geschichte mit jeder einzelnen Schwester an einem anderen Ort weiterschreibe.
Eines der bekanntesten Gesichter der Abtei ist Schwester Colette, die über viele Jahre für die Gästebetreuung verantwortlich war. Zahlreiche Besucher verbinden mit Brialmont ihr herzliches Willkommen, ihren Humor und ihre direkte Art. Für viele wurde gerade diese menschliche Wärme zu einem wesentlichen Teil der Erfahrung des Hauses. Im Rückblick betont sie, man habe stets versucht, jeden Menschen als Bruder oder Schwester aufzunehmen, unabhängig davon, was er im Herzen mitbrachte. Wenn Besucher mit etwas Frieden im Herzen wieder gegangen seien, dann sei das vielleicht das schönste Geschenk gewesen.
Mit dem Weggang der Zisterzienserinnen endet zwar ein Kapitel, doch die Geschichte von Brialmont soll weitergehen. Die Abtei bleibt geöffnet, auch der Gästebetrieb soll fortgeführt werden. Gemeinsam mit dem Bistum Lüttich und weiteren Partnern arbeitet die Abtei Orval an einem neuen Zukunftsprojekt für den Standort. Dieses soll den geistlichen Charakter des Ortes bewahren und zugleich soziale und ökologische Dimensionen einbeziehen. Einzelheiten dazu wollen die Verantwortlichen Anfang September vorstellen. (red/arco)

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