Seit Montag ist der Dienst, der für Notrufe und unmittelbare Einsätze zuständig ist, stark beeinträchtigt. Nach Angaben aus der Zone umfasst der Bereitschaftsdienst rund 70 Polizeibeamte. Wegen der Sommerferien befindet sich ein Teil der Mannschaft jedoch bereits im Urlaub. Von den Beamten, die eigentlich im Dienst hätten stehen sollen, meldeten sich 35 am Montag arbeitsunfähig und reichten noch am selben Tag ein ärztliches Attest ein.
Ein tief liegendes Unbehagen als mögliche Ursache
Die Folge war ein akuter Personalmangel, der schnelles Handeln erforderlich machte. Um die dringendsten Aufgaben weiterhin erfüllen zu können, wurden kurzfristig Beamte aus anderen Diensten abgezogen und zur Unterstützung eingesetzt. Die drei Schichten – morgens, nachmittags und nachts – sollen nach Angaben der Verantwortlichen bis Ende der Woche weiterhin abgedeckt werden. Hinter den zahlreichen Krankmeldungen könnte nach Informationen der Tageszeitung „La Meuse“ ein tiefer liegendes Unbehagen innerhalb des Dienstes stehen. In einer E-Mail, die an mehrere Redaktionen verschickt wurde, ist von mangelnder Anerkennung und Problemen innerhalb der internen Organisation die Rede. Offiziell bestätigt wurden diese Vorwürfe von der Polizeizone bislang nicht. Déborah Géradon, Präsidentin der Polizeizone und Bürgermeisterin von Seraing, spricht von einer „sensiblen Übergangsphase“. Derzeit warte man auf die Ankunft eines neuen Zonenchefs. Zugleich verweist sie auf die wachsenden Belastungen für Einsatzkräfte im Alltag. Polizeibeamte seien zunehmend mit aggressivem Verhalten, Drogenhandel und Personen konfrontiert, die sich trotz behördlicher Maßnahmen weiterhin auf der Straße aufhielten. Das sorge bei vielen für Frust und Demotivation. Auch die Polizeigewerkschaft SNPS meldete sich zu Wort. Sie erklärt, die derzeitigen Spannungen kämen nicht überraschend. Seit Längerem weise man auf Überlastung, Personalmangel, organisatorische Probleme, schwierige Arbeitszeiten sowie fehlende Anerkennung hin. Nach Gewerkschaftsangaben seien Versuche, einen strukturierten sozialen Dialog über die Lage im Interventionsdienst in Gang zu setzen, bislang ohne Erfolg geblieben. Nun hofft der SNPS auf Bewegung. Géradon hat angekündigt, die betroffenen Teams im August treffen zu wollen, um deren Sorgen anzuhören. Ob daraus konkrete Lösungen entstehen, dürfte für die weitere Stabilität des Dienstes entscheidend sein. (red/arco)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren