Torschütze Romelu Lukaku brüllte seine Freude in den Himmel über Seattle, dann tanzte er mit seinen Teamkollegen lachend den Trump-Tanz - und auch der belgische Verband widmete sich noch einmal dem US-Präsidenten, der FIFA und all der Ungerechtigkeit der vergangenen Tage: „Overturn this“, schrieben die Red Devils in den Sozialen Medien zu den Jubelbildern: „Hebt das hier auf“ – wenn ihr euch traut.
„Das hier“, das war das überzeugende 4:1 gegen den Gastgeber USA an einem denkwürdigen WM-Abend in Seattle. Im Leben „gebe es immer eine gewisse Gerechtigkeit“, erklärte der gegen die USA in die Startelf rotierte Mittelfeldspieler Nicolas Raskin: „Das hat uns vielleicht ein bisschen zusätzliche Energie gegeben“.
Energie, um das Unrecht zu rächen, welches US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino über den Fußball gebracht hatten - per Telefonat, um die Rote Karte des US-Stürmers Folarin Balogun auszusetzen und ihm einen Einsatz gegen die Roten zu erlauben. Vielleicht war es in gewisser Weise das wichtigste Spiel der WM. Das Team verteidige nicht etwa die „Nationalmannschaft oder den Verband“, hatte Nationaltrainer Rudi Garcia im Vorfeld betont, sondern „den Fußball mit seiner Ethik und Integrität“.
Mittelfeldspieler Raskin: „Im Leben gibt es immer eine gewisse Gerechtigkeit.“
Gefühlt drückte nun die ganze Fußballwelt den Belgiern die Daumen, und sie lieferten eiskalt und diszipliniert die perfekte Antwort. „Wen wirst du jetzt anrufen, Donald?“, fragte sich auch die Kollegen von „Het Nieuwsblad“ und bedankte sich die Tageszeitung für die zusätzliche Motivation der Spieler.
Nach Spielende lag sich dann die Mannschaft in den Armen - ausgerechnet die aufwühlenden Tage des „Falles Balogun“ könnten die Trendwende bei den Teufeln eingeleitet haben. Noch zum Auftakt der WM gegen Ägypten (1:1) und den Iran (0:0) hatte die Mannschaft mit teils blutleeren und uninspirierten Auftritten enttäuscht. Es waren nicht die Ergebnisse, nicht das Auftreten, nicht die Spielweise, die sich der ewige Geheimfavorit im Vorfeld ausgemalt hatte.
Der Sieg über die bislang so schwungvollen USA unter schwierigen Bedingungen vermittelte nun ein völlig anderes Bild – und vielleicht geht der Weg in diesem Jahr doch weiter als gedacht. In Europameister Spanien wartet am Freitag (21 Uhr MESZ) der ultimative Gradmesser auf das Team um den gegen die USA bärenstarken Youri Tielemans. Das Viertelfinale zumindest kann den Belgiern niemand mehr nehmen - wohl nicht einmal Trump, sollte er mal wieder zum Telefon greifen.

„Wir haben die Amerikaner für ihren mangelnden Respekt in den vergangenen Tagen bestraft. Man hat uns gesagt, dass sie uns problemlos schlagen würden“, erklärte Torhüter Thibaut Courtois gegenüber „Sporza“. „Natürlich waren die Spiele gegen Ägypten und den Iran schwierig, aber das waren andere Begegnungen. Nun haben wir bewiesen, dass wir eine wirklich gute Mannschaft sind.“
Von Beginn an habe Belgien den WM-Gastgeber dominiert und sich Chancen erspielt. „Ich glaube, die Amerikaner haben sofort angefangen zu zweifeln. Das 2:5 aus dem Testspiel (im März, A. d. R.) dürfte ihnen noch im Kopf herumgespukt haben. Ab dem Moment, als wir getroffen haben, waren wir sehr stabil. Wir haben ein dummes Gegentor kassiert, aber abgesehen davon hatten sie bis zur Chance von Balogun kurz vor Schluss keine weiteren Möglichkeiten. Ich denke, wir haben ein großartiges Spiel gemacht.“
Der Einsatz von Angreifer Folarin Balogun, dessen Sperre am Sonntag von der FIFA aufgehoben worden war, störte den Torhüter von Real Madrid nicht.
„Das hat mich eher zum Lachen gebracht. Ich verstehe, dass man die USA in den Vordergrund rücken will, aber ich war sogar zuversichtlicher als vor dem Spiel gegen den Senegal. Unser Ziel war es, das Viertelfinale zu erreichen. Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Bonus.“ (belga/mn/sid)

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