Kylian Mbappé machte seine ersten Schritte in den Betonkäfigen im Pariser Banlieue Bondy, Ousmane Dembélé verfeinerte seine Technik zwischenzeitlich beim Futsal in der Normandie – und Michael Olise lernte das Fußballspielen in England. Die Wege in die Weltspitze waren für die französische Superstar-Offensive durchaus verschieden, doch generell steckt hinter dem Erfolg von Les Bleus ein klares System. Die derzeit wohl einzigartige Vielzahl an Weltklassespielern ist beileibe kein Zufall.
Die regionalen Gegebenheiten, die Vielfalt der Bevölkerung sowie das Ausbildungssystem spielen eine entscheidende Rolle, dass die Équipe Tricolore nicht nur im Achtelfinale gegen Paraguay am Samstag (23 Uhr MESZ), sondern bei der gesamten Weltmeisterschaft großer Favorit ist. Da sind zum einen die kleinen Betonplätze in den Pariser Banlieues oder den Vororten von Lyon und Marseille, die vielen Franzosen das besondere Käfigfußballer-Gen verliehen.
„Da lernst du, den Ball zu halten, da lernst du Tricks, da challengen wir einander“, sagte der frühere Stürmerstar Thierry Henry, der selbst im Banlieue aufwuchs: „Das ist unser Ding: auf Beton spielen.“ Außerdem ist die Bevölkerung in Frankreich sehr multikulturell, wodurch viele verschiedene Einflüsse das Spiel des zweimaligen Weltmeisters prägen. „Diese Mischung, so wie Frankreich eben ist – wenn man das alles zusammen wirft, entsteht eine großartige Mixtur“, erklärte Henry.
Da es weitaus mehr große Talente als Kaderplätze in der Équipe Tricolore gibt, entscheiden sich viele auch für andere Nationalmannschaften. Insgesamt sind bei der WM 99 Spieler gemeldet, die in Frankreich geboren wurden. 58 davon kommen aus den Pariser Banlieues. Dies liegt nicht nur an der Zocker-Mentalität oder der Vielfalt, auch in der Ausbildung läuft sehr viel richtig. Im Alter von 13 Jahren werden die besten Talente gesichtet und für zwei Jahre zur systematischen Ausbildung zusammengezogen.
Dafür gibt es landesweit verschiedene Zentren, wo die Kinder und Jugendlichen die Woche verbringen, bevor sie am Wochenende für Spiele zurück zu den Heimatvereinen fahren. Im ersten Jahr dieser Ausbildung geht es komplett um die Individualität, der Fokus liegt auf der Förderung von Technik, Eins-gegen-Eins und Athletik. Erst im zweiten Jahr geht es dann darum, wie diese Individualisten als Team funktionieren können und wie man sich zusammen taktisch verhält.
Insbesondere die Verbandszentrale in Clairefontaine ist als Quelle großer Talente bekannt, unter anderem Mbappé reifte dort zum Star heran. Dazu kommen in der aktuellen Nationalmannschaft mit „Magier“ Olise Spieler mit einem etwas anderen Hintergrund, die dem französischen Spiel andere Elemente geben. Gemeinsam sind Mbappé und Olise derzeit wohl das am meisten gefürchtete Duo des Weltfußballs – auch Paraguay dürfte sie kaum aufhalten können. (sid/tf)

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