Mit „Eiern“ ins WM-Achtelfinale: Rote Teufel im „siebten Himmel“

<p>Mit „Eiern“ ins WM-Achtelfinale: Rote Teufel im „siebten Himmel“</p>
Foto: belga

In der Kabine hüpften die Roten Teufel siegestrunken umher und genossen ihr Comeback für die Geschichtsbücher bei Bananen und Keksen. Nach dem spätesten Tor der WM-Geschichte schwebte die Mannschaft um Matchwinner Youri Tielemans im „siebten Himmel“.

„Wir haben Kampfgeist gezeigt, wir hatten wirklich Eier. Die braucht man für so ein Spiel“, sagte Romelu Lukaku nach dem spektakulären 3:2 (2:2, 0:1) nach Verlängerung im Sechzehntelfinale gegen den Senegal. Der Sturmtank selbst hatte das „wohl verrückteste Comeback der belgischen Fußballgeschichte“ (Het Nieuwsblad) eingeleitet (86.), Tielemans (89.) rettete die Belgier in die Verlängerung und setzte dem Wahnsinn mit einem viel diskutierten Foulelfmeter (120.+5) die Krone auf.

Der Kapitän ging wenig später auch bei der Kabinenparty voran. Mit der Player-of-the-Match-Trophäe in der rechten Hand gab Tielemans den Animateur, auf einem Tisch standen Snacks für Belgiens Helden bereit. Der Frust, der Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 0:2 zu einem heftigen Wortgefecht zwischen ihm und Offensivspieler Leandro Trossard geführt hatte, war wie weggeblasen.

Tielemans ist erst 29 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler von Aston Villa, frischgebackener Europa-League-Sieger, gibt mittlerweile den Takt an – anstelle des zuletzt formschwachen Kevin De Bruyne (35). Auch Tielemans weiß: Für seine Teamkollegen um De Bruyne, Lukaku (33), Thibaut Courtois (34) und Thomas Meunier (34) ist es wohl die letzte Chance, ihre Karrieren auf der größten Fußballbühne zu krönen. Nach dem durchwachsenen Start in den USA wächst bei den Roten Teufeln der Glaube an ein erfolgreiches Turnier immer mehr. „Het Nieuwsblad“ wähnte das Team bereits im „siebten Himmel“.

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Tielemans war mit dem drohenden WM-Aus im Blick sogar mit Teamkollege Leandro Trossard aneinandergeraten – ganz zur Freude von Trainer Rudi Garcia: „Es zeigt, dass Leben in unserer Mannschaft steckt. Alle wollen unbedingt gewinnen. Ich möchte Spieler sehen, die Duelle noch drehen können, wenn wir zurückliegen. Ergebnisse erzielt man, indem man kämpft und auch unter schwierigen Umständen weitermacht. Diese Mentalität brauchen wir auf dem Platz. Vor 18 Monaten fand ich diese Mannschaft nicht aggressiv genug. Wir leben noch, weil wir nie aufgehört haben, daran zu glauben.“

Dabei wurden am Mittwoch in Seattle auch belgische Erinnerungen an 2018 wach. Bei der WM in Russland hatten De Bruyne und Co. im Achtelfinale einen 0:2-Rückstand gegen Japan ab der 69. Minute noch in der regulären Spielzeit gedreht. „Ich habe genug von solchen Spielen“, scherzte Lukaku. Damals endete der Weg erst im Halbfinale gegen Frankreich (0:1), den späteren Weltmeister. Belgien schnappte sich anschließend immerhin Platz drei – und hofft unter Trainer Rudi Garcia nun auf einen ähnlichen Lauf.

„Mannschaften wie Senegal stellen sich bei einer 2:0-Führung oft nur noch hinten rein. Das darf man nicht tun“, erklärte Garcia. „Dadurch konnten wir Druck aufbauen und treffen. Nach dem 1:2 weißt du plötzlich, dass noch etwas möglich ist. Dann wird es ein völlig anderes Spiel. Wir bekommen Auftrieb und beim Gegner schleichen sich Zweifel ein. In der Verlängerung war es wie bei einem Boxkampf: Jeder kann den entscheidenden Schlag landen. Wir haben einen berechtigten Elfmeter bekommen und uns dadurch qualifiziert. Aber Senegal hätte es genauso verdient gehabt. Dieses Spiel zeigt, dass alles möglich ist, solange der Schlusspfiff noch nicht ertönt ist.“

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Doch die nächste Aufgabe wird extrem knifflig. In der Nacht auf Dienstag (ab 2 Uhr) treffen die Belgier in Seattle auf den euphorisierten Gastgeber USA. „Wir waren zwar ausgelassen und alle sehr zufrieden, der Trainer natürlich auch“, sagte Torwart Thibaut Courtois nach dem emotionalen Sieg, fügte jedoch an: „Wir haben sofort klargestellt, dass wir natürlich noch nichts gewonnen haben. Und das stimmt auch.“ (mn/belga/sid)

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