Vor dem mit Spannung erwarteten Wiedersehen mit dem Erfolgscoach schwelgten sie in der Schweiz noch einmal in schönen Erinnerungen. An den Sommer 2021, die EM, den „Jahrhundert-Sieg“ gegen Frankreich. Jetzt, ziemlich genau fünf Jahre später, zehrt die Nati auf ihrer WM-Mission in Nordamerika noch immer vom größten Sieg ihrer Geschichte – und von der Arbeit von Vladimir Petkovic.
Wie kaum ein anderer Trainer hat der heute 62-Jährige die Schweizer Nationalmannschaft geprägt. Sieben Jahre lang, von 2014 bis 2021, stand Petkovic, geboren in Sarajevo, bei der Nati an der Seitenlinie. Er hat dabei ein Vermächtnis hinterlassen, dass gerade jetzt, vor dem WM-Sechzehntelfinale der Schweiz in der Nacht auf Freitag (5 Uhr MESZ) gegen Petkovics Algerier, klar erkennbar wird.
Petkovic, schrieb der Blick, habe in seiner Amtszeit „die Basis dafür gelegt, dass die Nati in Nordamerika vom ganz großen Wurf träumen darf“. Mit Erfolgen wie dem sensationellen Triumph gegen Frankreich in Bukarest, dem ersten Schweizer K.o.-Sieg bei einem großen Turnier seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber vor allem mit strategischen Entscheidungen, an die sein Nachfolger Murat Yakin nahtlos anknüpfte.
Petkovic ließ die Nati als Nachfolger des legendären Ottmar Hitzfeld dominanter auftreten, setzte auf Flexibilität, richtete sich weniger nach dem Gegner. Kurzum: Er vertraute seinen Spielern – und auf ihre Qualität. Die zahlten ihm das mit Loyalität zurück. Allen voran Granit Xhaka, den Petkovic zum Kapitän und unangefochtenen Anführer aufbaute. „Wie auch immer die Schlagzeilen waren, Vlado stand hinter uns“, sagte Xhaka nach dem Abschied des Trainers, zu dem er eine „ganz besondere“ Beziehung gehabt habe. Er selbst, sagte Petkovic damals, verspüre „einen gewissen Stolz darüber, was ich in diesen Jahren ausgelöst habe.“ Noch immer ist der frühere Sozialarbeiter mit einem Punkteschnitt von 1,79 der erfolgreichste Nati-Trainer der Geschichte – mehr Spiele als er (78) hat in der Schweiz keiner betreut.
Yakin (62 Spiele) aber ist ihm auf den Fersen – erst recht, wenn sich die Träume von der besten WM in der Schweizer Geschichte in Nordamerika materialisieren sollten. Die vermeintlichen Störgeräusche rund um Xhaka aus der Gruppenphase scheinen jedenfalls ausgeräumt, im Camp in San Diego baute die Mannschaft zuletzt gemeinsam einen WM-Pokal aus Lego zusammen. Und auch sportlich kommt Yakins Mannschaft nach dem verpatzten Auftakt gegen Katar besser in Fahrt.
Gegen Algerien um Anführer Riyad Mahrez und Toptalent Ibrahim Maza sind die Schweizer dementsprechend Favorit. Yakin betreue „ein großartiges Team“ mit „starken Spielern“, lobte Petkovic vor dem Wiedersehen. Es ist auch sein Verdienst. (sid/tf)

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