Demonstrativ spannte Cristiano Ronaldo seinen stählernen Bizeps für das Teamfoto an. „Toronto, wir sind bereit“, schrieb Portugals Superstar unter das Bild bei Instagram. Bereit für den Showdown der Ü40-Kicker gegen seinen alten Freund Luka Modric. Beide sind in die Jahre gekommen, doch sie treffen sich noch einmal für einen letzten Tanz auf der Weltbühne des Fußballs - für einen von ihnen wird der Traum vom ersten WM-Titel platzen.
Vom „Duell der Genies“ schrieb Kroatiens auflagenstärkste Zeitung 24sata vor dem Sechzehntelfinale in der Nacht zum Freitag (1 Uhr), in dem zwei der prägendsten Fußballer der vergangenen 20 Jahre noch einmal versuchen werden, die Zeit zurückzudrehen. Auch die Fans sind heiß: Laut der Analyse-Plattform Ticketdata lagen die Preise für die ausverkaufte Partie im Wiederverkauf zeitweise im Schnitt bei mehr als 3000 US-Dollar.
Ronaldo und Modric emotionalisieren die Fußball-Welt also auch im gehobenen Alter. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob der Portugiese (41) und der Kroate (40) ihren Zenit nicht überschritten haben. Gerade Ronaldo lieferte in den Gruppenspielen gegen die DR Kongo (1:1) und Kolumbien (0:0) zwei schwache Auftritte ab. Dazwischen erzielte er beim 5:0 gegen die zweitklassigen Usbeken einen Doppelpack - und schrie anschließend die Worte „I'm back!“ (“Ich bin zurück“) in die Kameras.
Obwohl er teils komplett abgemeldet war, bestritt CR7 alle drei Spiele über die volle Distanz. Trainer Roberto Martínez verteidigte dies mit den Worten, es gebe „weder mental noch körperlich ein Problem für Cristiano, in einem Spiel 90 Minuten zu spielen“. Den Nachweis, dass er auch gegen Topgegner noch den Unterschied machen kann, blieb der Weltrekordtorschütze bislang aber schuldig.
Gegen Kroatien hat Ronaldo die nächste Chance dazu. Und in Modric einen Gegner, den er bestens kennt. Gemeinsam spielten sie von 2012 bis 2018 bei Real Madrid und gewannen viermal die Champions League. Entsprechend groß ist die gegenseitige Wertschätzung. Modric sagte einmal, in Madrid hätten sie „eine Freundschaft und gegenseitigen Respekt entwickelt“. Sogar mit Ronaldos Erzrivalen Lionel Messi, beteuerte Modric einst, wollte er deshalb „niemals“ zusammenspielen.
Während der Argentinier aktuell auch mit 39 Jahren noch eine Weltmeisterschaft prägt, offenbarte Modric wie Ronaldo zum Turnierstart durchaus Alterserscheinungen. Nach einer Leistung zum Vergessen gegen England (2:4) und einer blassen Vorstellung gegen Panama (1:0) steigerte er sich erst gegen Ghana (2:1) deutlich und wurde zum ältesten Vorlagengeber der WM-Geschichte. Sein Anführer, sagte Trainer Zlatko Dalic, werde „besser und besser“ – gerade rechtzeitig für Ronaldo.
Denn bei seiner fünften und letzten WM hat Modric auch noch eine kleine persönliche Rechnung mit seinem Kumpel offen: In zehn Aufeinandertreffen auf Vereinsebene oder mit dem Nationalteam hat der Edeltechniker noch nie gegen Ronaldo gewonnen, die bitterste Pleite kassierte er 2016 im EM-Achtelfinale, ehe die Portugiesen letztlich Europameister wurden. Nun kommt es in Toronto zum womöglich letzten Duell zweier Ikonen.

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