Bruch mit dem Papst: Erzkonservative Piusbrüder weihen Bischöfe

<p>Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den Vereinigten Staaten sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier aus Frankreich (von links) wurden in Écône im Kanton Wallis zu Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. geweiht. Der Vatikan hatte die Weihen ohne päpstliches Mandat als „schismatischen Akt“ bezeichnet.</p>
Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den Vereinigten Staaten sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier aus Frankreich (von links) wurden in Écône im Kanton Wallis zu Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. geweiht. Der Vatikan hatte die Weihen ohne päpstliches Mandat als „schismatischen Akt“ bezeichnet. | Foto: Cyril Zingaro/Keystone/dpa

Nach Auffassung des Heiligen Stuhls handelt es sich um einen „schismatischen Akt“, der nach dem Kirchenrecht die automatische Exkommunikation der weihenden und der geweihten Bischöfe nach sich zieht.

Zu Bischöfen geweiht wurden zwei Franzosen, ein US-Amerikaner und ein Schweizer. Es sind die ersten Bischofsweihen der Priesterbruderschaft seit 1988. Damals hatte ihr Gründer, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. ebenfalls vier Bischöfe geweiht. Die damals verhängte Exkommunikation wurde 2009 von Papst Benedikt XVI. im Bemühen um eine Annäherung wieder aufgehoben.

Die Ereignisse in Écône stehen auch in einem ostbelgischen Zusammenhang. Erst am Montag war dort der 25-jährige Vincent Richter aus Steffeshausen zum Priester geweiht und in die Priesterbruderschaft St. Pius X. aufgenommen worden. Der Neupriester, der nach seiner Ausbildung im Seminar von Écône künftig im brasilianischen São Paulo tätig sein wird, feiert an diesem Samstag (4. Juli) in der Herz-Jesu-Kirche in Steffeshausen seine Heimatprimiz.

Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Davide Pagliarani, verteidigte die Bischofsweihen. Die Bruderschaft befinde sich angesichts der Entwicklung der Kirche in einer „schwerwiegenden Notlage“. Die Weihen seien notwendig, um die Weitergabe der traditionellen katholischen Lehre und die Zukunft der Gemeinschaft zu sichern. In seiner Predigt wies Pagliarani den Vorwurf einer Kirchenspaltung zurück. Wer am vollständigen katholischen Glauben festhalte, gehöre zur Kirche, erklärte er.

Papst Leo XIV. hatte sich noch am Vortag in einem persönlichen Schreiben an Pagliarani gewandt und die Gemeinschaft eindringlich aufgefordert, von den Weihen Abstand zu nehmen. Eine Abspaltung von der Kirche sei eine „Sünde von äußerster Schwere“, schrieb der Papst. Der Vatikan hatte bereits im Vorfeld erklärt, Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat seien ein schwerer Verstoß gegen das Kirchenrecht und ein direkter Akt des Ungehorsams gegenüber dem Papst. Die im Jahr 1970 gegründete Priesterbruderschaft lehnt bis heute wesentliche Reformen des Zweites Vatikanisches Konzil ab. Dazu zählen unter anderem die Feier der Messe in den Landessprachen, die Ökumene sowie die Öffnung gegenüber anderen Religionen. Nach Angaben der Gemeinschaft zählt sie weltweit rund 600.000 Gläubige, 751 Priester, 264 Seminaristen und fast 800 Gottesdienstorte in 77 Ländern.

Trotz ihres internationalen Netzwerks bleibt sie innerhalb der katholischen Kirche eine Minderheit. (belga/dpa/sc)

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