Das Fernsehjahr 2026 hat schon einige Serienhits hervorgebracht, über die Millionen weltweit reden, darunter „Off Campus“, „Heated Rivalry“ und „Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“. Es ist bei einigen Medien wie „New York Times“ oder „Guardian“ Tradition, eine Art Halbjahresbilanz in Sachen Serien vorzulegen. Das machen wir jetzt auch mal. Was sollte man 2026 gesehen haben? Eine Auswahl von TV-Überraschungen sowie solider Staffeln bereits etablierter Serien:
„Bait“ (Prime Video; 6 Folgen seit 25. März online): Riz Ahmeds satirischer Blick auf die Unterhaltungsbranche – erzählt aus der Perspektive eines aufstrebenden Schauspielers, der für die Rolle des nächsten James Bond vorspricht. Ein Kunstwerk, mit dem sich ausgerechnet der hauseigene Streamer Prime Video darüber lustig macht, dass sich die Amazon MGM Studios noch immer Zeit lassen mit der Suche nach dem neuen Bond.
„Beef“, Staffel 2 (Netflix; alle 8 Episoden seit 16. April online): Carey Mulligan und Oscar Isaac spielen ein unglückliches Paar, das einen Country-Club betreibt und erpresst wird. Auch wenn man das inzwischen klassische Seriengenre „Reich-gegen-Arm-Drama“ nun schon öfter und besser sah, wurde die zweite Beef-Staffel von vielen geliebt. Die erste Staffel mit Steven Yeun und Ali Wong, die nach einem Verkehrsunfall in eine langwierige Fehde geraten, bleibe aber unerreicht, sagen viele.
„Half Man“ (HBO Max; alle 6 Episoden wurden bis 29. Mai veröffentlicht): Richard Gadd („Rentierbaby“, Originaltitel: „Baby Reindeer“) legt mit „Half Man“ erneut ein schonungsloses Drama vor. Der Sechsteiler erzählt die Geschichte zweier Männer, deren Leben seit ihrer Kindheit untrennbar miteinander verbunden ist. Nach einer rätselhaften Eröffnung in der Gegenwart springt die Handlung mehr als 30 Jahre zurück und zeichnet ihre gemeinsame Vergangenheit nach. Im Mittelpunkt stehen der sanftmütige Niall und der unberechenbare Ruben, der gerade aus dem Jugendgefängnis entlassen wurde. Es entwickelt sich eine brutale Geschichte über Gewalt, Traumata und die Verletzungen, die Menschen einander zufügen können.
„Heated Rivalry“ (HBO Max; alle 6 Folgen wurden bis 13. März veröffentlicht): Die Hockey-Romanze „Heated Rivalry“ entwickelte sich zu einem der Überraschungserfolge. Basierend auf den Romanen von Rachel Reid erzählt die Serie die Liebesgeschichte der Profi-Eishockeyspieler Ilya und Shane, die ihre Beziehung zunächst hinter einer erbitterten Rivalität verbergen. Leidenschaftliche und romantische Momente wechseln sich ab.
„Love Story: John F. Kennedy Jr. & Carolyn Bessette“ (Disney+; alle 9 Episoden wurden bis 27. März veröffentlicht): Die erste Staffel der Anthologie-Serie (Produzent: Ryan Murphy) widmet sich der Beziehung zwischen John F. Kennedy Jr. (Paul Kelly) und Carolyn Bessette (Sarah Pidgeon), die in den 90ern Furore machte. Der Sohn des 1963 ermordeten US-Präsidenten Kennedy heiratete Bessette 1996. Drei Jahre später kamen beide gemeinsam mit Carolyns Schwester Lauren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Serie löste in Teilen des aktuellen Trump-Amerikas eine Kennedy-Nostalgie aus, aber auch einen 90er-Jahre-Style-Hype.

„Off Campus“ (Prime Video; alle 8 Episoden seit 13. Mai online): Zwischen einer Musikstudentin und dem Star-Eishockeyspieler einer Uni entsteht eine unerwartete Romanze. Die College-Serie bringt tiefe Freundschaften und dauerhafte Bindungen sowie die Komplexität des Erwachsenwerdens auf den Punkt - ganz im aktuellen Zeitgeist. Der Hype um die Serie hat mit Ella Bright und Belmont Cameli sowie Mika Abdalla und Stephen Kalyn sozusagen neue Weltstars geboren.
„Only Margo“ (Apple TV; alle 8 Folgen wurden bis 20. Mai veröffentlicht): In diesem cleveren und charmanten Mix aus Komödie und Drama spielt Elle Fanning die intelligente Teenagerin Margo aus der Arbeiterklasse. Deren Englischlehrer sagt, sie habe das Zeug für Harvard, nutzt dies aber auch für Schmeicheleien und Sex mit ihr aus. Als sie schwanger wird, haut er ab. Margos Harvard-Pläne sind dahin, doch ihre Kreativität bleibt, die auch einen OnlyFans-Account umfasst. Statt Klischees liefert diese Serie (Originaltitel: „Margo’s Got Money Troubles“) eine tiefgründige Geschichte über Wahlfamilie und weibliche Solidarität. Die schauspielerischen Leistungen sind hervorragend, allen voran Michelle Pfeiffer als Margos knallharte Mutter Shyanne.
„Proud“ (HBO Max; alle 8 Folgen werden bis 31. Juli veröffentlicht): In der queeren polnischen Serie geht es um Filip, einen jungen drogenaffinen Schwulen, der nach dem plötzlichen Tod seiner Schwester entscheiden muss, ob er die Vormundschaft für seine kleine Nichte übernimmt. Die Serie von Karol Klementowicz erhielt beim internationalen Festival Series Mania in Lille völlig zu Recht den Grand Prix. Großartiges Fernsehen auf der Höhe der Zeit.
„Tage, die es nicht gab“, Staffel 2 (ARD/ORF; 8 Folgen seit 16. Januar online bei der ARD): Als Doris (Diana Amft) mit ihrer Tochter nach Hause kommt, entdeckt Sarah (Niobe Eckert) in ihrem Zimmer die Leiche ihrer besten Freundin. Es ist allerdings völlig rätselhaft, wie die Mitschülerin Emily ins Haus gekommen ist; und erst recht, wer sie erstochen hat. Viele fanden Staffel eins (2023) rund um vier Frauen um die vierzig, die seit ihrer gemeinsamen Zeit in einem kleinstädtischen österreichischen Elitegymnasium eine verschworene Gemeinschaft bilden, stärker. Dennoch ist diese Produktion ein deutschsprachiges Serienhighlight.
„The Pitt“ (HBO Max; alle 15 Folgen von Staffel 2 wurden bis 16. April veröffentlicht): Eine Krankenhausserie, die völlig unerwartet auftauchte und sich gleich mit ihrer ersten Staffel 2025 zu einer extrem gefeierten Fernsehproduktion entwickelte. Staffel zwei gilt vielen als das TV-Highlight 2026 überhaupt. Die Serie zeigt wenig Interesse an hysterischer oder melodramatischer Zuspitzung, die in der Geschichte des Fernsehens Krankenhausdramen so oft leicht ins Absurde abgleiten ließen („Grey's Anatomy“, „Scrubs“, „Die Schwarzwaldklinik“, „In aller Freundschaft“). Stattdessen wird subtil die Entwicklung der Charaktere und ihr Zusammenfinden beobachtbar gemacht. (dpa/sc)

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