Belgier sorgen sich um die Weltlage, vertrauen aber auf Europa

<p>Die Belgier blicken skeptisch auf die Welt – aber optimistisch auf Belgien und die EU.</p>
Die Belgier blicken skeptisch auf die Welt – aber optimistisch auf Belgien und die EU. | Foto: picture alliance/dpa

Demnach sehen 69 Prozent der Belgier die Zukunft der Welt eher oder sehr pessimistisch. Damit liegt Belgien deutlich über dem EU-Durchschnitt von 58 Prozent. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung im November ist der Anteil der Pessimisten in Belgien nochmals von 65 auf 69 Prozent gestiegen. Europaweit nahm der Pessimismus um sechs Prozentpunkte zu. Die Befragung wurde vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Spannungen, des Krieges im Nahen Osten mit seinen Folgen für die Energiepreise sowie des andauernden Krieges in der Ukraine.

Deutlich positiver fällt dagegen der Blick auf die eigene Zukunft aus. Jeweils 60 Prozent der Belgier äußern sich optimistisch über die Zukunft Belgiens und der Europäischen Union. Gegenüber der vorherigen Umfrage entspricht das einem Anstieg um acht Prozentpunkte für Belgien und neun Prozentpunkte für die EU. Damit liegen die Belgier leicht über dem europäischen Durchschnitt.

Die Europäische Union wird zudem von einer klaren Mehrheit als Stabilitätsfaktor wahrgenommen. 76 Prozent der Befragten bezeichnen die EU als „Anker der Stabilität in einer unruhigen Welt“. Drei Viertel sind der Ansicht, dass Europa künftig eine noch wichtigere Rolle beim Schutz der Bürger vor globalen Krisen und Sicherheitsrisiken übernehmen sollte. Auch dieser Wert liegt mit 75 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 68 Prozent.

Eine stärkere Rolle wünschen sich die Belgier auch für das Europäische Parlament. 72 Prozent sprechen sich dafür aus – europaweit sind es lediglich 60 Prozent. Aus Sicht der Befragten sollte sich das Parlament vor allem mit den hohen Lebenshaltungskosten (44 Prozent), der Sicherheit (34 Prozent) sowie der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (26 Prozent) befassen. Ebenso wichtig ist den Belgiern das Thema Migration, das mit 26 Prozent deutlich häufiger genannt wird als im europäischen Durchschnitt (19 Prozent).

Geht es um die künftige Wettbewerbsfähigkeit Europas, setzen die Belgier vorwiegend auf mehr Energieunabhängigkeit sowie den Ausbau von Infrastruktur und strategischen Ressourcen. 39 Prozent nennen diesen Bereich als wichtigste Priorität – ein deutlicher Anstieg um 13 Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage. Dahinter folgen Verteidigung und Sicherheit mit 38 Prozent sowie Wettbewerbsfähigkeit, Wirtschaft und Industrie mit 25 Prozent. Letzterer Wert liegt allerdings unter dem EU-Durchschnitt von 32 Prozent.

Trotz der Sorgen über die weltpolitische Entwicklung beurteilen viele Belgier ihre persönliche Situation positiv. Acht von zehn Befragten zeigen sich mit ihrer Lebensqualität zufrieden. Gleichzeitig rechnet jedoch mehr als jeder Dritte (37 Prozent) damit, dass sich der eigene Lebensstandard in den kommenden fünf Jahren verschlechtern wird – europaweit teilen diese Einschätzung lediglich 29 Prozent der Bürger.

Fast die Hälfte der Belgier (48 Prozent) ist zudem überzeugt, dass sich ihre Lebensqualität primär durch eine bessere finanzielle Situation erhöhen würde. Häufiger als im EU-Durchschnitt nennen sie außerdem bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben als entscheidende Faktoren für mehr Lebensqualität.

Für das Eurobarometer wurden zwischen dem 9. April und dem 4. Mai insgesamt 26.421 EU-Bürger ab 15 Jahren befragt, darunter 1.021 Personen in Belgien. (belga/calü)

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