Es wirkte fast so, als wüsste Didier Deschamps gar nicht, vor wem er sich zuerst verneigen sollte. Als Kylian Mbappé, dieser unersättliche Torgigant, vom Feld schwebte, verbeugte sich Frankreichs Trainer beinahe ehrfürchtig. Die zweite Huldigung folgte wenig später – diesmal mit Worten. Sie galt Michael Olise, dem überirdischen Künstler, der mit Mbappé ein Traumduo bildet, das die Fußballwelt einmal mehr verzückte.
„Was für eine Combo“, staunte Frankreichs einstiger Starstürmer Thierry Henry nach der nächsten blau-weiß-roten Gala, die die Frage aufwarf, ob diese französische Milliardenoffensive bei der WM überhaupt aufzuhalten ist. „Ich weiß nicht“, sagte Henry jedenfalls, „wer sie stoppen soll.“ Selbst Zlatan Ibrahimovic, die schwedische Diva, die sonst um keine markige Ansage verlegen ist, gab zu, dass Les Bleus in dieser Form „beängstigend“ seien.
Da wäre Mbappé, der seinen irrwitzigen Lauf im Sechzehntelfinale gegen Schweden (3:0) mit seinem dritten Doppelpack einfach fortführte und im Wettschießen mit Lionel Messi ein weiteres Ausrufezeichen setzte. Da ist vor allem aber Olise, den Le Parisien zum „bezaubernden Maestro“ dieses Turniers taufte.
Der Münchner, der in Mbappés Schatten einmal mehr die Fäden zog, sei „der wichtigste Spieler bei Frankreich. Der Kerl ist auf einem anderen Planeten“, sagte Henry, der mit Ibrahimovic die WM-Spiele beim US-Sender Fox analysiert. Sein Kollege schwärmte: Olise, der zwar auf seinen ersten WM-Treffer wartet, aber bereits sechs Torvorlagen geliefert hat, sehe „Dinge, die andere nicht sehen. Nur ein Genie kann das. Und Olise ist eins“.
Eine Lobhudelei, der sich Deschamps wohl anschließen würde. Der Coach hob den „großen Einfluss“ seines Kreativspielers hervor, Olise sei „vielleicht etwas introvertiert“, Interviews zählen ja nicht zu seinen liebsten Verpflichtungen. Aber auf dem Platz, betonte Deschamps, habe er „viel Persönlichkeit“. Olise lässt bei der WM als Spielmacher, als elementares Bindeglied zwischen Defensive und Offensive die Füße sprechen – immer und immer wieder.
Olise und Mbappé, das Duo sticht in Frankreichs scheinbar unendlcher Fülle an Weltklasse-Angreifern heraus. „Unser Offensivpotenzial“, sagte Mittelfeldmann Aurélien Tchouaméni beeindruckt, sei „in der Geschichte des Fußballs äußerst selten“. Frankreich traf bei der WM bisher immer mindestens dreimal.
Und vielleicht dachte sich sogar mancher, der es mit dem deutschen Team hält, dass es eigentlich nicht verkehrt ist, dass der DFB-Elf ein Duell mit dieser gnadenlosen Équipe Tricolore erspart bleibt. Stattdessen wartet Paraguay am Samstag (23 Uhr MESZ) im Achtelfinale auf die Franzosen, die sich 1998 auf dem Weg zum WM-Titel gegen die Südamerikaner nur mit Mühe ins Viertelfinale gekämpft hatten.
„Sie haben gezeigt, dass sie eine ernstzunehmende Mannschaft sind, sie haben Deutschland geschlagen“, sagte Mbappé und schob einen Satz hinterher, der wie eine Drohung klang. „Ich glaube, dass wir es noch besser machen können.“ (sid/tf)

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