Am meisten hilft ein cleverer Start, um einen Stau zu vermeiden. Besonders voll wird es an den Ferienwochenenden – typischerweise freitagnachmittags und samstagvormittags, sagt der Automobil-Club (ACV). Wer dienstags oder mittwochs reist oder frühmorgens startet, kann größere Staus oft umgehen.
Gängige Verkehrs-Apps bieten Prognosen für Tageszeiten und kennen Baustellen. „Ein Blick vor der Abfahrt kann helfen, bekannte Engstellen zu umgehen oder die Abfahrtszeit anzupassen“, rät Philipp Mathey vom ACV. Zur richtigen Vorbereitung gehört laut ACV auch, nicht mit fast leerem Tank zu starten. Gerade mit Kindern kann ein Stau schnell zur Belastungsprobe werden. Wichtig ist deshalb eine gute Vorbereitung. Laut dem Auto Club Europa (ACE) sollten Eltern lieber nur wenige, aber gut erreichbare Spielsachen einpacken. Kleinteile besser nicht, denn die können leicht herunterfallen und zur Ablenkung werden. Und: Achtung an Reisetagen mit viel Sonne: „Selbst bei eingeschalteter Klimaanlage kann es schnell unangenehm heiß werden auf einzelnen Sitzplätzen“, sagt Jeannine Ulm vom ACE. Praktisch sind statisch haftende Sonnenschutzfolien, aber auch ein vor das Fenster gehängtes helles Tuch verschafft notfalls Abhilfe. Snacks, Getränke und Medikamente sollten jederzeit griffbereit sein. Bei der Unterhaltung kommt es auf die richtige Wahl an. Kennzeichenraten, Hörspiele, Bücher oder Tablets. Der ACV empfiehlt, auch bei Musik oder Podcasts auf eine Auswahl zu setzen, die allen im Auto gefällt. Navis kennen die aktuelle Verkehrslage und können Staus früh erkennen. Ihr Schwachpunkt: Wenn zu viele Fahrer gleichzeitig umgeleitet werden, verlagert sich der Stau auf Ausweichstrecken. „Den Vorschlägen des Navis sollte man grundsätzlich folgen, aber nicht unkritisch“, meint Philipp Mathey. Vor allem kurzfristige Abfahrten direkt vor einem Stau führten dem ACV zufolge oft in genauso volle Nebenstrecken.
Eine Umfahrung lohne sich vor allem bei Vollsperrungen oder Staus von mehr als zehn Kilometern. Der ACE empfiehlt zudem, etwa alle zwei Stunden oder 200 Kilometer eine Pause von 15 bis 20 Minuten einzulegen. „Müdigkeit zählt zu den größten Konzentrationskillern im Straßenverkehr“, sagt Ulm. Erste Anzeichen wie häufiges Gähnen oder brennende Augen sollten ernst genommen werden. Koffein beseitigt die Erschöpfung nicht. Wer Kaffee trinkt, sollte ihn am besten direkt bei einer Pause vor einem kurzen Powernap nehmen: Das Koffein braucht rund 20 Minuten, bis es wirkt. Neben Verbandskasten und Warnweste rät der ACV, ausreichend zuckerfreie Getränke und gesunde Snacks für den Stau-Notfall griffbereit zu haben – Obst oder Nussmischungen halten den Blutzucker stabiler als Gummibärchen. Wer mit Kindern reist, packt altersgerechte Hörspiele ein: Sie verkürzen die Zeit und ermöglichen den Blick in Fahrtrichtung, was bei Reiseübelkeit hilft, so der ACE. Medikamente und Sonnenschutz gehören ebenfalls ins Handgepäck. Und wie bildet man eine Rettungsgasse richtig? Die Regel ist einfach, wird aber im Stress oft falsch umgesetzt: Auf zweispurigen Autobahnen weicht der linke Fahrstreifen nach links aus, der rechte nach rechts – so entsteht in der Mitte eine freie Gasse. Auf dreispurigen oder breiteren Fahrbahnen weicht nur der linke Streifen nach links aus, alle anderen orientieren sich nach rechts. „Viele Fahrer warten zu lange, bis der Stau komplett zum Stillstand gekommen ist“, erklärt Philipp Mathey.
Wenn der Magen auf Reisen rebelliert.
Übrigens: Reiseübelkeit gehört zu den häufigsten Problemen auf langen Familienfahrten – besonders Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren sind laut ADAC betroffen. Der Auslöser: Das Gleichgewichtsorgan nimmt die Fahrbewegungen wahr, während die Augen den stillstehenden Innenraum sehen – das Gehirn gerät in Konflikt. Abhilfe schafft zunächst die richtige Beschäftigung: Tablets oder Bücher, bei denen Kinder nach unten schauen, verstärken die Übelkeit eher. Besser geeignet sind Hörbücher oder Ratespiele, bei denen der Blick in Fahrtrichtung bleibt. Wer bereits Symptome spürt, sollte laut ADAC einen ruhigen Punkt am Horizont fixieren und auf tiefes, gleichmäßiges Atmen achten. Auch die Reiseplanung kann helfen: Wer nachts fährt, umgeht das Problem oft ganz – schlafende Kinder entwickeln keine Reisekrankheit. Und wie bleibe ich im Stau mental entspannt? Der Stau ist selten das eigentliche Problem – sondern die Erwartung, pünktlich anzukommen. Pufferzeiten von mindestens einer Stunde seien einzuplanen und der Stau als Teil der Reise zu akzeptieren, nicht als Störfaktor, rät der ACE auch mit Verweis auf Verkehrspsychologen. Denn im Auto gilt auch: Wer sich ärgert, fährt später nicht schneller – erhöht aber das Unfallrisiko. Atemtechniken, ruhige Musik oder ein Hörbuch können helfen, die Anspannung zu lösen. „Nutzen Sie die erzwungene Pause bewusst: Familiengespräche, Spiele oder einfach mal schweigend die Landschaft betrachten“, rät der ACE. Wer weiß, dass Stau dazugehört, lässt sich von ihm seltener aus der Ruhe bringen. (dpa/sc)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren