TotalEnergies muss Klimaplan nach Urteil in Paris überarbeiten

<p>Ein Gericht in Paris hat TotalEnergies verpflichtet, seinen Sorgfaltsplan innerhalb von sechs Monaten zu überarbeiten.</p>
Ein Gericht in Paris hat TotalEnergies verpflichtet, seinen Sorgfaltsplan innerhalb von sechs Monaten zu überarbeiten. | Foto: belga

Ein Sorgfaltsplan umfasst Vorsorgemaßnahmen, mit denen ein Unternehmen seine Auswirkungen auf Menschen und Umwelt möglichst begrenzen soll. In Frankreich sind Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten im Inland seit 2017 verpflichtet, einen solchen Plan auszuarbeiten.

Mehrere Nichtregierungsorganisationen und die Stadt Paris hatten TotalEnergies vor Gericht gebracht. Sie warfen dem Energiekonzern vor, sein Sorgfaltsplan sei unzureichend. Dadurch trage das Unternehmen nach Ansicht der Kläger Mitverantwortung für den Klimawandel. Im März 2026 hatte TotalEnergies zudem angekündigt, sein Ziel aufzugeben, bis 2050 klimaneutral zu werden.

Das Pariser Gericht folgte nun der Argumentation der Kläger. Bemerkenswert ist, dass der Richter TotalEnergies nicht nur für die eigenen direkten Treibhausgasemissionen in der Verantwortung sieht, sondern auch für indirekte Emissionen der Verbraucher, die Produkte des Konzerns nutzen – etwa Benzin, Diesel oder Gas. Die tatsächlichen Emissionen des Unternehmens lägen damit zehnmal höher als jene Menge, für die der Konzern sich selbst verantwortlich mache, so das Gericht.

TotalEnergies erhält sechs Monate Zeit, um seinen Sorgfaltsplan anzupassen. Das Unternehmen kündigte bereits an, seine Maßnahmen zu „vervollständigen“ und dabei auch die Emissionen seiner Kunden zu berücksichtigen.

Nach Ablauf der Frist wird eine gerichtliche Instanz den überarbeiteten Plan erneut prüfen. Konkrete Maßnahmen schrieb das Gericht dem Unternehmen nicht vor. Ein Richter könne sich nicht an die Stelle eines Unternehmens setzen, hieß es bei der Urteilsverkündung. Auch ein konkretes Emissionsziel wurde nicht festgelegt.

Hugues Falys, ein Landwirt aus der Provinz Hennegau, begrüßte die Entscheidung. Er hat den französischen Ölkonzern in Belgien verklagt, nachdem seine Ernten in den vergangenen Jahren wiederholt durch extreme Wetterereignisse zerstört worden waren. Falys macht TotalEnergies dafür mitverantwortlich. Besonders wichtig sei aus seiner Sicht, dass sich der Konzern nun nicht mehr hinter dem individuellen Verbrauch der Verbraucher verstecken könne.

Auch die Nichtregierungsorganisationen, die Falys unterstützen, darunter Greenpeace und FIAN, werteten das Urteil des Pariser Gerichts positiv. „Ölriesen können sich nicht mehr verstecken. Sie sind nicht unantastbar. Ihre Verantwortung in der Klimakrise ist juristisch festgestellt“, erklärten sie.

Am 18. März hatte sich ein Richter in Tournai für zuständig erklärt, über die Klage von Falys zu entscheiden. TotalEnergies legte gegen dieses Zwischenurteil jedoch Berufung ein. Der Appellationshof in Mons befasst sich am 8. September mit der Frage. (belga/rt)

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