Schulen und Hitzewelle: Streit um Rundschreiben von Valérie Glatigny

<p>Angesichts hoher Temperaturen warnen Brüsseler Gewerkschaften vor schwierigen Bedingungen in vielen Schulgebäuden.</p>
Angesichts hoher Temperaturen warnen Brüsseler Gewerkschaften vor schwierigen Bedingungen in vielen Schulgebäuden. | Illustrationsbild: dpa

Für die beiden Gewerkschaften ist das Rundschreiben „gefährlich“. Es ziele darauf ab, Schüler und Lehrer auch bei sehr hohen Temperaturen möglichst im Unterricht zu halten, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Das Kabinett der Ministerin weist diese Darstellung zurück.

Das Rundschreiben legt fest, wie Schulen bei außergewöhnlichen Umständen, etwa extremen Wetterlagen, den Unterricht organisieren oder anpassen können. Bei Hitze stützt es sich auf die Warnstufen des Königlichen Meteorologischen Instituts: grün, gelb, orange und rot.

Bei Warnstufe Gelb wird den Schulen unter anderem empfohlen, Schüler in den kühlsten Räumen unterzubringen, sie ausreichend trinken zu lassen und direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden. Bei Orange – also erwarteten Höchsttemperaturen von 35 Grad oder mehr – sowie bei Rot mit Temperaturen ab 40 Grad kommen weitere Empfehlungen hinzu. Dazu zählen etwa eine Entlastung der Nachmittagsstunden, der Verzicht auf besonders aufgeheizte Räume oder die Aussetzung nicht zwingend notwendiger Aktivitäten.

Die Gewerkschaften befürchten jedoch, dass Schulträger sich fälschlicherweise auf das Rundschreiben berufen könnten, um den Unterricht trotz schwieriger Bedingungen aufrechtzuerhalten. Dies dürfe nicht auf Kosten der Gesundheit von Lehrpersonal und Schülern geschehen.

Sie verweisen darauf, dass viele Schulgebäude schlecht isoliert seien und Schulhöfe sich bei Hitze stark aufheizten. In schlecht ausgestatteten Brüsseler Schulen müsse deshalb vor allem an die gesetzlichen Vorschriften zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz erinnert werden.

Nach Einschätzung von CSC und CGSP könnte der zulässige Grenzwert für leichte Arbeit bereits am Montag in klassischen Klassenräumen überschritten werden, insbesondere wenn diese voll besetzt und der Sonne ausgesetzt sind. Wenn dieser Grenzwert überschritten werde und die Räume nicht ausreichend gekühlt werden könnten, müsse die Belastung für das Personal beendet werden.

Die Gewerkschaften rufen die Schulträger deshalb dazu auf, den Unterricht auszusetzen, sobald die Grenzwerte überschritten werden. Außerdem fordern sie Thermometer für alle Klassenräume.

Aus dem Kabinett von Bildungsministerin Glatigny heißt es, das Rundschreiben müsse in den richtigen Zusammenhang gestellt werden. Es weise ausdrücklich darauf hin, dass der Kodex zum Wohlbefinden am Arbeitsplatz Vorrang habe. Die Farbcodes orientierten sich lediglich an den Warnstufen des Wetterdienstes. Schulträger könnten je nach Lage vor Ort bereits ab Warnstufe Orange Unterricht aussetzen. (belga/rt)

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