Vozinha schreibt Autogramme. Vozinha lächelt für Selfies mit seinen neuen Fans. Vozinha im Fokus der TV-Kameras. Beim Training von Kap Verde im Waters Sportsplex in Tampa/Florida dreht sich in diesen Tagen alles um den neuen Volkshelden. Natürlich. Schließlich hat der 40 Jahre alte Keeper mit seiner Geschichte eines der großen Märchen der bisherigen WM geschrieben. Und nun wartet tatsächlich das emotionale Happy End auf ihn.
Denn: Seine Mama hat sich endlich auf die lange Reise in die USA gemacht. „Für mich ist das sehr wichtig, weil meine ganze Familie mich immer in allem unterstützt“, sagt Vozinha. Wenn alles gut geht, wird seine Mutter ihm schon beim zweiten Gruppenspiel gegen Uruguay in der Nacht zu Montag in Miami (0 Uhr MESZ) zujubeln: „Das ist für mich etwas Besonderes. Mein Vater ist auch hier, mein Bruder, deshalb bin ich sehr glücklich.“
Und so hofft auch die kleine afrikanische Inselgruppe auf weitere Wundertaten ihres Keepers. Wie beim WM-Auftakt gegen Spanien, als Vozinha mit seinen Paraden die Europameister zur Verzweiflung brachte. Sein riesiges Konterfei ziert mittlerweile einen Platz in der Hauptstadt Praia, aus dem Underdog, der Spanien stoppte, wurde über Nacht selbst ein Promi. Mit mittlerweile 14 Millionen Followern bei Instagram, darunter etw Sportstars wie Victor Wembanyama (NBA) oder Patrick Mahomes (NFL).
Mehr noch als seine Paraden rührten aber Vozinhas Tränen nach dem Spanien-Spiel die Menschen, nur zu gerne hätte er seine Mutter in Atlanta bei seinem WM-Debüt dabei gehabt. Doch „wegen eines Visaproblems und der damit verbundenen Kosten“, wie der Keeper sagte, schaute Ana Candida Evora ihrem Sohn Tausende Kilometer entfernt in der Heimat zu. Die emotionale Story ging um die Welt, der Kongressabgeordnete Hakeem Jeffries schaltete sich schließlich in das Drama ein, bat sogar US-Außenminister Marco Rubio um Hilfe. Offenbar mit Erfolg.
„Alles passiert so schnell, ich bin sehr glücklich“, sagte Mama Evora der BBC, als sie sich auf den Weg von Sao Vicente nach Praia machte, um den letzten Papierkram zu erledigen: „So Gott will, werde ich meinen Sohn bei der Weltmeisterschaft spielen sehen.“
Kap Verde gehört zu den 50 Ländern, deren Staatsangehörige dazu verpflichtet sind, eine Kaution von bis zu 15.000 US-Dollar für ein Visum zu hinterlegen. Doch das Geld sei gar nicht das größte Problem gewesen, sagte Vozinha: „Meine Mutter hat keinen Pass, sie ist noch nie aus Kap Verde ausgereist, sie mag es nicht zu reisen.“
Aber für ihren Sohn und dessen zweiten großen WM-Auftritt macht sie jetzt eine Ausnahme. „Ich bringe eine besondere Energie für die Kapverdier mit. Wir werden kämpfen und auf dem Platz glänzen“, sagte Evora. Am besten so, wie es ihr Sohn zum Auftakt gegen Spanien getan hat. (sid/tf)

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