Im Eiltempo zur Zwischenstation: DFB-Elf hat K.o-Runde vor Augen

<p>Die Deutschen um Jamal Musiala (rechts) können bereits ihr Ticket für die K.o.-Runde buchen.</p>
Die Deutschen um Jamal Musiala (rechts) können bereits ihr Ticket für die K.o.-Runde buchen. | Foto: Photo News

Im Eiltempo will „Lokführer“ Julian Nagelsmann den deutschen Fußball-ICE zur Zwischenstation K.o.-Runde steuern. „Wir wollen uns immer weiterentwickeln. Als hätten wir keine Bremsen“, sagte der Bundestrainer vor dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste mit ihrer von Antonio Rüdiger als „D-Züge“ bezeichneten Offensive.

Nagelsmann bezog seine Aussagen auf den Ballermann-Hit „Der Zug hat keine Bremse“, der nach dem rasanten Turnierauftakt gegen Curacao (7:1) aus den Lautsprechern in Houston hallte. Nach zwei blamablen Ausscheiden in der WM-Gruppenphase würde ein weiterer Erfolg am Samstag (22 Uhr MESZ) ohne Umweg zum ersten Etappenziel auf der „Route 26“ führen. „Es wäre nach dem zweiten Spiel schon etwas sehr Besonderes für uns, wenn wir für die Knockout-Runde qualifiziert sind“, sagte Torhüter Manuel Neuer: „Dann kann man weiter nach vorne schauen.“

Ein Erfolg gegen den ebenfalls erfolgreich gestarteten dreimaligen Afrikameister könnte sogar schon für den Gruppensieg ausreichen – der dann womöglich mit einem späteren Achtelfinale gegen Vize-Weltmeister Frankreich verbunden wäre. Doch auf taktische Spielereien im Fahrplan zum erhofften fünften Stern will sich die DFB-Auswahl vor dem zweiten Spiel in ihrer Geschichte gegen die Elfenbeinküste nicht einlassen.

„Wir planen den Turnierbaum nicht vor“, betonte Nagelsmann. Irgendwann würden so oder so die „Topteams kommen“, daran müsse „man sich gewöhnen“. Man wolle „Erster werden“, versicherte Sportdirektor Rudi Völler, und sich dann „auch nach der Gruppenphase behaupten“.

Doch erst einmal muss sich der viermalige Weltmeister gegen die Elfenbeinküste mit ihren Turbo-Kickern wie dem Leipziger Yan Diomande oder Amad Diallo von ManUnited beweisen. „Die Elfenbeinküste hat in der Offensive spektakuläre Spieler“, stellte Kapitän Joshua Kimmich anerkennend fest. Da warte ein „Prüfstein“. Danach werde man erkennen, „wo wir stehen“.

Nagelsmann: „Wollen den Fans viele Emotionen bescheren“

Aktuell steht das DFB-Team bei zehn Siegen in Serie, der unter Jupp Derwall 1980 aufgestellte deutsche Länderspielrekord (zwölf Erfolge) wackelt. Das Selbstvertrauen ist entsprechend groß. „Wir haben unsere Stärken, um ihnen weh zu tun“, sagte Kimmich und erhielt Unterstützung vom einzigen Weltmeister von 2014 im Kader. „Wir wissen, was uns erwartet – aber die Elfenbeinküste weiß auch, was sie erwartet“, so Neuer, der mit seinem 21. Einsatz den Franzosen Hugo Lloris als WM-Rekordtorhüter ablöst. Auch auf den zehn Positionen vor Neuer dürfte Nagelsmann nichts an seinem auf der ersten Station erfolgreichen „Zug“-Personal ändern. Der unter Beobachtung stehende Leroy Sané sollte eine weitere Chance erhalten.

Abwehrchef Jonathan Tah freut sich schon seit der Auslosung auf das Duell mit dem Land seines Vaters. Damit aus dem „Traumlos“ kein Albtraum wird, müssen Tah und Co. die „D-Züge“ stoppen. „Sie lieben das Eins-gegen-eins und Konter. Wir müssen gewappnet sein, das zu vermeiden“, mahnte Rüdiger.

Nagelsmann stellte beim kommenden Gegner „viel Speed“ und „viel Körperlichkeit“ fest. Der jüngste WM-Coach ließ daher im Training neben dem gewohnten 4-2-3-1-System auch eine 5-4-1-Formation im Spiel gegen den Ball erproben.„Wenn du den Raum hinter dir mit 50, 60 Metern verteidigen musst und im Kopf nicht hellwach bist, kann es unangenehm werden im Wettrennen“, sagte Kimmich und forderte: „Wir müssen immer hellwach sein.“

Zumal auch die Erben Didier Drogbas im Stadion von Toronto bei angenehmen Temperaturen von knapp über 20 Grad mit breiter Brust antreten werden. Die Elfenbeinküste blieb in zehn Spielen der afrikanischen WM-Quali ohne Gegentor, auch beim Auftaktsieg gegen Ecuador (1:0) stand die Null trotz anfänglicher Wackler. „Wir werden versuchen, die deutsche Mauer einzureißen“, tönte Trainer Emerse Faé, Diomande sprach forsch von der „Mentalität, alles zu gewinnen“.

Diese Hoffnung haben beide Teams gemeinsam. „Wir wollen den Fans in Deutschland viele Emotionen bescheren“, verkündete Nagelsmann. Dafür setzt er am Samstag den Zug wieder aufs Gleis. (sid/tf)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment