Vorab: ich bin kein Spezialist für die Lehren von Jürgen Habermas. Aber die Leserbriefe aus Anlass seines Todes haben mich veranlasst, mich etwas mit seinen Thesen zu beschäftigen.
Zentraler Gedanke seines international hochgeschätzten wissenschaftlichen Werkes ist die Kommunikation:
Wenn Menschen kommunizieren, und sich dabei verständigen wollen, dann müssen sie sich wechselseitig „unter freien und gleichen“ unterstellen, dass sie für Argumente empfänglich sind und mit guten Argumenten überzeugen möchten...
Dabei war ihm klar, dass dies eine Idealvorstellung ist, die wahrscheinlich nie ganz erfüllt werden kann. Eine funktionierende demokratische Gesellschaft ist aber auf eine entgegenkommende Lebens- und Kommunikationsform angewiesen, andernfalls droht die kommunikative Vernunft zu verkümmern und sie kollabiert. Sie läuft auf Manipulation hinaus. Dann hat sie auch mit Machtverhältnissen zu tun, und Habermas fordert, dass jede Gesellschaft einen Minimalkompromiss braucht, um demokratisch funktionieren zu können.
Wohlwollend miteinander umgehen, zuhören, ausreden lassen. Ein Ideal, ein Traum, den Habermas immer wieder formuliert hat. Daran kann ich nichts Linkes oder Rechtes erkennen.
Manche Leserbriefe könnten viel gewinnen, wenn die Autoren sich vor dem Schreiben etwas mehr Zeit dafür nähmen.
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