Patrick Spies bedauert N62-Pläne: „Es fehlt am politischen Willen“

<p>Der ostbelgische Regionalabgeordnete Patrick Spies</p>
Der ostbelgische Regionalabgeordnete Patrick Spies | Archivfoto: David Hagemann

Dort konfrontierte er den zuständigen Minister François Desquesnes (Les Engagés) mit einer klaren Frage: „Wird die Wallonische Region die Planungen für eine Umgehungsstraße endlich wieder aufnehmen – so wie es auch das Parlament der DG in seiner Resolution gefordert hat?“ Anstatt ein klares Signal für den Neubeginn der Planungen zu geben, verwies Desquesnes auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich mit möglichen Verbesserungen entlang der bestehenden Trasse befassen soll.

Für Spies ist das ein Rückschritt: „Wir brauchen keine neue Arbeitsgruppe, sondern politischen Willen. Alle relevanten Studien wurden bereits Anfang der 2000er-Jahre erstellt, inklusive einer konkreten Variante für eine Umgehungsstraße. Jetzt wieder bei null anzufangen, heißt: man will Zeit gewinnen, nicht Lösungen finden.“

Nach Ansicht von Spies fehle es der Mehrheit an der Bereitschaft, das Projekt umzusetzen. „Wer die Sicherheit der Bevölkerung immer wieder vertagt, darf sich nicht wundern, wenn das Vertrauen schwindet. Die Leidtragenden sind die Menschen, die Tag für Tag entlang dieser gefährlichen Strecke leben müssen.“

Spies kündigt an, das Thema weiterzuverfolgen und auf konkrete Fortschritte zu drängen – auch wenn er die Erfolgsaussichten derzeit als gering einschätzt. „Seit über einem halben Jahrhundert wartet die Region auf eine Lösung. Es ist höchste Zeit, dass die Wallonische Regierung liefert.“ (red/jj)

Kommentare

  • 76 Jahre Stillstand – und jetzt kapituliert Namür!!!

    Man muss es so deutlich sagen, wie es ist: Mit der Aufgabe der Planungen für die N62-Umgehungsstraße ist eine politische Bankrotterklärung erfolgt – und sie trifft einmal mehr eine Region, die ohnehin seit Jahrzehnten das Schlusslicht auf der Prioritätenliste der Wallonie bildet.

    Seit 76 Jahren – ein Menschenleben lang – wird die dringend notwendige Verkehrsentlastung zwischen St. Vith und der luxemburgischen Grenze versprochen, verschoben, umgeplant und vertagt. Nun ist Schluss. Nicht etwa, weil sich die Lage verbessert hätte. Sondern offenbar, weil man in den Ministerien schlicht die Geduld oder den politischen Willen verloren hat.

    Währenddessen ersticken die Anwohner an einer ununterbrochenen Blechlawine, Tag für Tag. Lastwagen donnern nur wenige Meter an Wohnhäusern vorbei, Fußgänger und Radfahrer bewegen sich auf gefährlichen Engstellen, und die Lebensqualität sinkt auf ein Maß, das man in einem modernen Europa nicht akzeptieren dürfte. Verkehrssicherheit? Seit Jahren „grenzwertig“ – und das ist noch freundlich formuliert. Die Frage drängt sich auf: Muss erst ein tödlicher Unfall geschehen, bevor jemand in Namür aufwacht?

    Es ist ein Schlag ins Gesicht der Bevölkerung, die seit Generationen auf Entlastung wartet und die Versprechen aus der Hauptstadt immer wieder geglaubt hat. Denn während in den urbanen Zentren der Wallonie neue Straßen, Umgehungen und Verkehrsprojekte scheinbar selbstverständlich umgesetzt werden, heißt es für Ostbelgien: Pas de priorité. Einmal mehr wird klar: Wer weit weg vom politischen Zentrum lebt, lebt mit politischen Kompromissen.
    Die Absage an die N62 ist nicht nur ein verkehrspolitisches Versagen – sie ist auch ein Zeichen von Geringschätzung gegenüber einer ganzen Region. Ostbelgien fühlt sich wie das sprichwörtliche fünfte Rad am wallonischen Wagen – und Namür scheint sich daran nicht zu stören. Doch Politik hat eine Bringschuld gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern. Und wenn sie dieser nicht nachkommt, dann darf und muss sie sich gefallen lassen, dass Vertrauen schwindet.

    Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem die Menschen hier nicht länger stillhalten. Denn wer sich seit 76 Jahren mit Versprechungen abspeisen lässt, hat das Recht, jetzt laut zu werden. Und vielleicht braucht es keine Katastrophe, um Gehör zu finden – sondern einfach nur eine Region, Politiker, Unternehmer, die endlich den Mund aufmachen.

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