Eine Fehlentscheidung

Im Jahr 1969 wurde in Eupen ohne triftigen Grund das Scheiblerhaus abgerissen. Der schäbige Plattenbau, der an seine Stelle trat, ist längst verschwunden. Von dem Verlust dieses riesigen Bürgerhauses hat sich die Unterstadt nie erholt. Von Seiten des Denkmalschutzes heißt es, so etwas wäre heute unvorstellbar. Nun wiederholt sich vor unseren Augen in der Oberstadt das gleiche Drama.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft teilt mit, dass sie an der Mädchenschule keinerlei Interesse mehr hat und einen Käufer sucht. Dabei gibt es kein leer stehendes Gebäude im Besitz der DG, das von der Lage her günstiger liegt und eine bessere Möglichkeit zur Nutzung bietet als die Mädchenschule.

Derzeit wird nur der Schulhof als Parkplatz genutzt, aber auch auf den kann man angeblich verzichten: der Generalsekretär empfiehlt dem Personal, künftig entweder zu Fuß oder per Fahrrad zum Dienst zu erscheinen. Welche Wertschätzung die Architektur des 19. Jahrhunderts heute genießt, zeigen zwei Beispiele aus unserer Nachbarschaft: In Bastogne wurde das ehemalige Kleine Seminar in ein Kulturzentrum, in Lüttich das Kloster der Töchter vom Heiligen Kreuz in ein Ausbildungszentrum umgewandelt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Vorgänger des heutigen Ministerpräsidenten, der seinerzeit die Mädchenschule durch eine Übernahme vor dem Verfall gerettet hat, eine solche Fehlentscheidung getroffen hätte.

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