Die abgetriebene Menschenwürde

Die Stellungnahme von Marcel Bauer verdient starke Beachtung: sie ist zugleich engagiert und besonnen. Er appelliert in einer delikaten Frage zur Nachdenklichkeit. Der weltweit gereiste Journalist und Schriftsteller meldet sich unaufgeregt und gutinformiert zu Wort. Dass sich der katholische Autor dabei nicht auf Erklärungen der Päpste oder Lehrschreiben der Bischofskonferenzen bezieht, verleiht seiner Meinung ein beachtliches Format.

Ohne das Leid der Mütter und die oft dramatische soziale Problematik zu verharmlosen, hinterfragt er, die in der internationalen Debatte längst als selbstverständlich und harmlos benutzten Begriffe wie „Versorgungslücke“, „Abbruch“ oder gar „Zellhaufen“ einer entlarvenden Prüfung.

Das unser aller Leben, das unserer Kinder sowie Kindeskinder nicht der liebenden Hingabe einer Mutter zu verdanken ist, sondern den Zufällen eines „Haufens“ entsprungen sein soll, macht deutlich, dass es sich bei diesem wundersamen Geschehen eines wo auch immer geheimnisvoll verborgenen Schöpfers handelt, dessen „Gebote“ weit mehr als nur von christlichen oder jüdischen Religionen respektiert werden.

Gegen die Übermacht von Künstlicher Intelligenz, Weltraumteleskopen, Supercomputer und Atomwaffenarsenalen wirken alle zutiefst existenziellen Fragen nach Anfang, Ende und Bestimmung eines Menschenlebens für medizinische und politische Instanzen als belächelte Herausforderungen. Die antiken und fernöstliche Philosophen, die großen Denker der Aufklärung und unserer Zeit (Bergson, Heidegger, Camus oder Sartre) haben ihre Genialität nicht ahnungslos verbreitet. Mehr noch: Der im Christentum als Gottessohn Verehrte kam als „Sozialfall“ in einem Stall zur Welt. Das früheste Leben von Laotse, Buddha oder Mohammed landete nicht in einem sterilen Abfalleimer. Michelangelo und Mozart entstammen nicht dem Gnadenakt eines Gynäkologen.

Wenn in der Ukraine und im Gazastreifen Kinder von Aggressoren getötet werden, erfolgt zu Recht ein weltweiter Aufschrei empörten Entsetzens. Der am Herzen einer Mutter wachsende Fötus ist in den satten Wohlstandsgesellschaften weder Beistand noch Schutz wert. „Abgetrieben“ wird die Menschenwürde.

Kommentare

  • Und wo ist die Menschenwürde der Frau, die man aus ihrer - Herr Derwahl - religiösen Sicht also einfach so dazu zwingen darf, eine befruchtete Eizelle weiter in sich tragen zu müssen, obwohl sie das gar nicht will?

    Und das nur, weil die jahrhunderte Jahre später erfolgte "Interpretation" von mündlichen Überlieferungen (das Kinderspiel Stille Post lässt grüßen), die dann schriftliche nach Gutdünken festgehalten wurden, der vermeintlichten Taten und "Weisheiten" eines Bergpredigers (einer von vielen) im Nahen Osten es einer ausschließlich aus Herren bestehenden, autokratischen und keinerlei Rechenschaft schuldigen Clique "erlaubt", sich in Dinge einzumischen, die sie nichts angehen?

    Man schreibt Ihnen, Herr Derwahl, doch auch nicht vor, eine Vasektomie vernehmen zu lassen, weil das laut Großem Schlumpf besser für die Weltbevölkerung ist - warum erdreisten Sie sich dann, den Frauen aufzwingen zu wollen, was sie mit ihrem eigenen Körper zu tun und zu lassen haben?

    Kurz gesagt: Es geht Sie nicht das geringste an.

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