Gletscherschmelze in den Alpen besonders früh

<p>Mitarbeiter des ETH-Glaziologen und Leiters des Schweizer Messnetzes «Glamos», Matthias Huss, am teilweise bedeckten Rhonegletscher in der Nähe des Goms in der Schweiz. Das Foto stammt aus dem Juni 2023.</p>
Mitarbeiter des ETH-Glaziologen und Leiters des Schweizer Messnetzes «Glamos», Matthias Huss, am teilweise bedeckten Rhonegletscher in der Nähe des Goms in der Schweiz. Das Foto stammt aus dem Juni 2023. | Foto: Matthias Schrader/AP/dpa

Der Gletscherschwundtag lag in der Schweiz in diesem Jahr vergleichsweise sehr früh, wie Gletscherforscher Andreas Bauder von der ETH Zürich berichtet. Er geschah je nach Gletscher bereits Ende Juni/Anfang Juli. „Die Situation dürfte in den gesamten Alpen ähnlich sein“, sagte Bauder der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Mancher Laie ist angesichts des kühlen und vielerorts regnerischen Julis auch in den Alpen verwundert. Im Juli war der Schaden aber bereits angerichtet, wie Bauder erklärt. Wieso kam der Gletscherschmelztag so früh?

Schneemangel im Winter

„Weil wir im Winter so wenig Schnee hatten“, sagt er. „In einigen Regionen im Nordosten der Schweiz hatten wir am Ende des Winters noch nie so eine geringe Schneemenge auf den Gletschern.“ Die sei sehr schnell geschmolzen.

„Solange Schnee liegt, schmilzt kein Eis. Aber so hat die Ausaperung schon Ende Mai begonnen und sich durch den Juni rasant bis in den Juli fortgesetzt“, sagt Bauder. Ausaperung ist der Fachbegriff für das Abschmelzen der Schnee- und Eisdecke.

Die Schweizer messen Schnee und Eis detailliert jeweils im Frühjahr und im Herbst an rund 20 der insgesamt rund 1400 Schweizer Gletscher. An 10 bis 15 werden über den Sommer weitere Messungen durchgeführt. Auf dieser Basis beruht die Bestimmung des Gletscherschwundtages. Zu den größten Schweizer Gletschern gehören etwa der Aletsch- und der Gornergletscher.

Im vergangenen Jahr fing der Sommer nach Angaben von Bauder mit viel größeren Schneemengen an. Dennoch verloren die Gletscher auch 2024 mehr, als sie im Winter gewonnen hatten.

Wie zähflüssiger Honig

„Früher lag der Gletscherschwundtag eher Ende August/Anfang September, aber das haben wir in den vergangenen 20 Jahren schon nicht mehr erlebt“, sagt Bauder. Mit dem Klimawandel gab es seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz kein Jahr mehr mit Gletscherwachstum.

Nach Angaben des Gletschermessnetzes Glamos hat sich das Volumen seit 1950 praktisch halbiert, von 92,3 auf 46,5 Kubikkilometer im vergangenen Jahr. Ein Kubikkilometer entspricht einem Eiswürfel mit einer Seitenlänge von 1000 Metern oder einer Milliarde Eiswürfeln mit einem Meter Seitenlänge.

Selbst ein kalter August mit Schneefall in hohen Höhen könne kaum noch etwas ändern, sagt Bauder. Sommerschnee sei nicht so dicht wie der Winterschnee und schmelze schnell. „Ein Gletscher ist wie eine zähflüssige Masse Honig auf einer schiefen Ebene, er fließt nach unten“, erklärt er. Wenn der Schneenachschub oben fehle, fließe zu wenig nach. Dann könne sich die Gletscherzunge unten nicht halten und schwinde. (dpa/ag)

Kommentare

  • Na und? Die Antwort darauf steht u.a. im Artikel... Seit dem Jahr 2000 haben die Alpen laut der Universität Zürich und dem World Glacier Monitoring Service rund 40 % ihres Eisvolumens verloren – nicht über Jahrhunderte, sondern in nur zwei Jahrzehnten.
    Gruß, Christian Schmitz, Chefredakteur

  • Na und, seit Jahrtausenden ziehen sich Gletscher zurück und stoßen wieder vor. Wo ist jetzt das Problem?

  • Der Herr Wahl, immerhin ein Dipl.Ing, macht sich wie gewohnt nicht mal die Mühe, einen Artikel zu Ende zu lesen, bevor er seinen Kommentar in die Tasten haut.
    Im Internet gibt es einen Beitrag, der den Zustand der Pasterze, des größten Gletschers der österreichischen Alpen zeigt.
    Verglichen werden Aufnahmen von 2006 und von 2022.
    Im Verhältnis zu Herrn Wahls "Jahrtausenden" geschieht der jetzige Rückgang wie im Zeitraffer.

  • Ergänzend kann man das “Na und?” des kuchelscheider Dipl. Ing. auch mit Hinweis auf die unterschiedlichen Folgen der Gletscherschmelze (im Zeitraffer) beantworten.

    Diese betreffen hauptsächlich den Wasserhaushalt, Naturgefahren, die Ökosysteme und das globale Klima.

    - Gletscherschmelze führt kurzfristig zu mehr Schmelzwasser in Flüssen besonders im Sommer und langfristig, wenn Gletscher weitgehend verschwunden sind, zu Wassermangel für Regionen, die stark von Gletscherwasser abhängen (z. B. Teile von Südamerika, Zentralasien, Himalaya-Region).
    Aber auch in der Alpenregion sind die Auswirkungen auf Trinkwasser, Landwirtschaft und Wasserkraft erheblich.

    - Schmelzende Gebirgsgletscher tragen aktuell etwa 20–30 % zum globalen Meeresspiegelanstieg bei (neben dem Abschmelzen von Grönland und der Antarktis sowie der thermischen Ausdehnung des Ozeans).
    Selbst kleinere Gletscher können langfristig hierzu beitragen, wenn viele weltweit gleichzeitig verschwinden.

    - Das Gefährdungspotential durch steigende Temperaturen, Rückgang des Permafrostes und der Gletscherschmelze führen in Gebirgsregionen zunehmend zu Naturkatastrophen und Gefahren für die Bewohner.
    Gletscherseen entstehen durch Schmelzwasser, oft hinter instabilen Moränen was die Gefahr von Gletscherseeausbrüchen erhöht. Durch das Auftauen von Permafrost in Hochgebirgen verlieren Hänge ihre Stabilität. (siehe Blatten, Brienz)

    - Auch die ökologischen und klimatischen Folgen sind substantiell.
    So droht der Verlust von Lebensräumen z. B. für alpine und polare Arten, Veränderung von Flussökosystemen durch andere Wassertemperaturen und -mengen. Das durch die Gletscherschmelze freigelegte dunklere Gelände ohne reflektierenden Schnee/Eis führt zu mehr Wärmeabsorption und zusätzlicher Erwärmung, sogenannte Rückkopplungseffekte.

    Nun könnte man -zumal als Dipl. Ing.- wissenschaftliche Erkenntnisse zumindest einmal zur Kenntnis nehmen. Dass Leugnern des anthropogenen Klimawandels dazu nur ein “Na und?” einfällt, ist allerdings auch nicht wirklich überraschend.

  • +++SCHLAGZEILEN: DIE GLETSCHER GEHEN ZURÜCK+++
    ...und nächste Woche lesen Sie dann eine neue wissenschaftliche Studie zum Thema:
    +++ HILFE, MEIN NACHBAR WOHNT NEBEN MIR. +++

    So, und jetzt im Ernst: Wusstet ihr, dass das Gehirn unnötige Informationen automatisch ignoriert? Unser Gehirn ist darauf spezialisiert, Informationen zu filtern – sonst wären wir völlig überfordert mit der Flut an Reizen, die uns ständig umgibt. Dieser Prozess wird als "selektive Aufmerksamkeit" bezeichnet. Dabei entscheidet das Gehirn, was gerade wichtig ist, und blendet irrelevante oder vertraute Informationen einfach aus. Diese Filterfunktion ist überlebenswichtig und hilft uns, uns zu konzentrieren und gezielt zu handeln.
    Ok, wenn der Klimawandel denn wirklich eine ernsthafte Bedrohung wäre, warum müssen wir dann eine Energiewende vollbringen, die niemals funktionieren wird?
    Wer den Fokus auf etwas lenkt, dass nicht funktioniert, und trotzdem behauptet es funktioniert, der hat irgendwo ein Filmriss im Denken.
    Das Phänomen dieser selektiven Wahrnehmung ist bei Theoretikern zu beobachten, wenn ihre theoretischen Überzeugungen im Widerspruch zu praktischen Erfahrungen oder empirischen Ergebnissen stehen. In der Wissenschaft spricht man von der Theorie-versus-Praxis-Problematik.
    Siehe Corona-Maßnahmen, siehe Energiewende, siehe Immigration,...usw...

  • Das Gehirn soll unnötige Informationen systematisch ignorieren?
    Na; nach dem Prinzip hat mein Gehirn den danach folgenden Text des Herrn Scholzen auch sofort behandelt.

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