Scheinheiliges Exempel

Schon die beiden letzten Kommentare von Christian Schmitz hätten eine anerkennende Replik verdient gehabt: zum einen der einfühlsame Beitrag „Ein letzter Tag“ (30. Juni) über die Abschlussschüler, für die ein neuer, ungewisser Lebensabschnitt beginnt; zum anderen der mutige Kommentar „Endstation Wunschdenken“ (1. Juli), in dem er die finanzielle Schieflage der DG beleuchtet und die Schuldigen klar benennt. Das ist in unserer kleinen DG, wo keiner dem andern auf die Füße treten will, beileibe keine Selbstverständlichkeit.

Mutig und kritisch, aber ebenso ausgewogen und empathisch ist der Kommentar vom 12. Juli über Drogenkontrollen an unseren Schulen. Herr Schmitz stellt klar: „Drogen haben in der Schule keinen Platz.“ Dem beizupflichten, fällt leicht. Aber was ist, wenn junge Menschen Fehler begehen, was doch ein Vorrecht der Jugend sein sollte?

Eine Schülerin wird mit Cannabis erwischt und der Schule verwiesen. Ist sie noch schulpflichtig, muss eine andere Schule sie aufnehmen. Ist es fair, das Problem auf andere abzuwälzen? „Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“ Und wer einen Schulverweis ausspricht, kann froh sein, wenn dies keine juristischen Konsequenzen hat.

Cannabis-Konsum ist keineswegs harmlos, aber ein damit begründeter Schulverweis ist nicht nur unverhältnismäßig, sondern auch scheinheilig. Scheinheilig, weil die Drogenrazzien „eng mit den Schulen abgestimmt sind“ und wohl auch die Schüler vorgewarnt sind. Tatsache ist: Auch Schüler konsumieren Drogen, vor allem an den Wochenenden, wenn sie, um in Partystimmung zu kommen, wesentlich härtere Drogen als Cannabis nehmen oder sich bis zur Besinnungslosigkeit besaufen.

Dies geschieht leider auch beim Abi-Ball und sogar während der Klassenfahrt, meist ohne Konsequenzen. Bei Diebstahl, Gewalt und Mobbing werden die Schulen lieber selbst aktiv, oft mehr schlecht als recht, oder man schaut einfach weg. Die Polizei lässt man dann außen vor, denn das könnte dem Image der Schule schaden. Da macht sich eine blütenreine Weste nach einer angekündigten Drogenrazzia doch wesentlich besser.

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