Holzbau braucht differenzierte Betrachtung

Es ist erfreulich, dass nachhaltiges Bauen an Bedeutung gewinnt. Dennoch sollte die Debatte um den Holzbau in der Wallonie sachlicher und weitsichtiger geführt werden. Jeder Baustoff hat seine Berechtigung – Holz, Beton, Stahl oder Stein. Vergleiche mit Québec, wo weitaus mehr Holz verfügbar ist, greifen zu kurz.

Ein verstärkter Holzeinsatz könnte unsere Importabhängigkeit erhöhen – ähnlich wie bei Energieimporten. Bereits heute importieren belgische Sägereien Holz. Geld, das ins Ausland fließt, fehlt der lokalen Wirtschaft. Künftige Aufforstungen setzen zudem auf Laubbäume, um Biodiversität zu fördern und den Klimawandel zu bewältigen, was die Verfügbarkeit von Bauholz weiter einschränkt.

Die Speicherung von CO₂ im Holzbau ist ein wichtiges Argument – aber nur 30–40 % des Holzes landen tatsächlich im Bau. Der Großteil wird zeitnah verbrannt und setzt CO₂ sowie Feinstaub frei. Die CO₂-Schuld durch Holzverbrennung bleibt jahrzehntelang bestehen. Holz als „umweltfreundlichsten Baustoff“ darzustellen, ist daher irreführend.

Gleichzeitig entwickelt sich der Betonbau weiter: Neue, klinkerarme und klinkerfreie Zemente reduzieren den CO₂-Fußabdruck deutlich. Beton ist nachhaltig, da langlebig, wasser- und feuerfest, resistent gegen Insektenbefall, verformungsarm und nahezu vollständig recycelbar – Eigenschaften, die Holz allein nicht bieten kann.

Zudem ist Holz bei vielen Bauwerken keine Alternative: Brücken, Tunnel, Fundamente oder Bahnstrecken erfordern die mechanischen Eigenschaften von Beton.

Ich wünsche mir von den politischen Entscheidungsträgern eine fundierte, ideologie- und dogmenfreie sowie vorurteilslose Herangehensweise an das Thema nachhaltiges Bauen.

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment