Meakusma und Galerie vorn und oben bieten eine Alternative zum Rosenmontag

<p>Das Duo KOU, bestehend aus Apolline Schöser und Thomas Coquelet, verwandelt konkrete Musik in schlafwandlerische Lieder.</p>
Das Duo KOU, bestehend aus Apolline Schöser und Thomas Coquelet, verwandelt konkrete Musik in schlafwandlerische Lieder. | Fotos: Veranstalter

Am 3. März stehen mit Giulio Erasmus And The End Of The Worm und KOU zwei Bands auf der Bühne, auf die das perfekt zutrifft. Mit Giulio Erasmus And The End Of The Worm kehrt eines der Highlights des Meakusma Festivals 2024 zurück nach Eupen. Das grandiose Konzert wurde kürzlich auf dem Meakusma Label auf Tape veröffentlicht. Nicht ohne Grund: Das Konzert begeisterte das ohnehin extrem verwöhnte und anspruchsvolle Festival-Publikum aus unterschiedlichsten Musikszenen und Generationen. Giulio Erasmus Bühnenpräsenz wurde dabei einige Male mit dem jungen David Byrne verglichen.

Auch sein Album „Second Attempt“ hat in der alternativen Musikszene hohe Wellen geschlagen und wurde von Fans und Kritiker gleichermaßen gefeiert.

<p>Mit Giulio Erasmus And The End Of The Worm kehrt eines der Highlights des Meakusma Festivals 2024 zurück nach Eupen.</p>
Mit Giulio Erasmus And The End Of The Worm kehrt eines der Highlights des Meakusma Festivals 2024 zurück nach Eupen.

Dass dieser Erfolg kein Zufallsprodukt ist, wird einem klarer, wenn man sich mit Giulio Erasmus‘ musikalischem und familiären Hintergrund beschäftigt: Sein Vater ist der britische Schauspieler Alan Erasmus, der als Mitbegründer von Factory Records und Manchesters Kult-Club Hacienda für zahlreiche Meilensteine der britischen Musikgeschichte verantwortlich war. Ob Joy Division, New Order, A Certain Ratio, The Durutti Column oder Happy Mondays: Bands, die auf Factory Records veröffentlichten, hatten weltweit einen nachhaltigen Einfluss auf Rock- und Popmusik.

Post-Punk legte den Grundstein für den Alternative Rock der 1980er und 1990er Jahre mit Bands wie R.E.M., Sonic Youth oder später Radiohead. In den 2000er Jahren erlebte Post-Punk eine Renaissance mit Bands wie Interpol, Franz Ferdinand oder Bloc Party.

Doch fast allen ging die abenteuerliche Haltung der ursprünglichen Post-Punk Bewegung rund um Factory Records abhanden. Eine Bewegung, die die rebellische Haltung des Punks übernahm, sich jedoch von dessen musikalischer Einfachheit löste und mit neuen Klanglandschaften, unkonventionellen Songstrukturen und einer breiteren Instrumentierung wie Synthesizern, Dub-Elementen und Funk-Rhythmen experimentierte. Giulio Erasmus hatte durch seine familiäre Verbindung einen einzigartigen Zugang zu dieser musikalischen Tradition, kopiert sie jedoch nicht, sondern nutzt sie als Inspirationsquelle für seine eigene, zeitgenössische künstlerische Vision. Ob live oder mit seinem Album „Second Attempt: Giulio Erasmus“ trifft mit seinem Sound genau ins Schwarze. Die musikalischen Referenzen sind nahezu makellos, doch das Werk ist weit mehr als eine bloße Übung in kultiviertem Geschmack. Es ist frei und explorativ, ein Ausdruck von Erasmus' offensichtlicher Neugier.

Im Gegensatz zu den oft straff komponierten Songs vieler Post-Punk und Rock-Bands wirken seine Stücke wie eine klangliche Erkundung, was die Musik weniger als stilistische Übung und mehr als Ausdruck seiner investigativen Natur erscheinen lässt. Besonders beeindruckend ist dabei die hohe Wiederhörbarkeit des Albums – die seltsame Vielfalt an Motiven und die einprägsamen Melodien sind ebenso süchtig machend wie faszinierend. Experiment und Zugänglichkeit in Perfektion.

Als weitere Gäste präsentieren KOU ihr ebenso eigenwilliges wie eingängiges Universum. Das Duo, bestehend aus Apolline Schöser (bekannt von Nina Harker) und Thomas Coquelet, verwandelt konkrete Musik in schlafwandlerische Lieder, die zwischen Dada-Pop und fragiler Schönheit oszillieren. Seit 2020 komponieren Schöser und Coquelet Songs, indem sie konkrete Musik in traumwandlerische Klanglandschaften verwandeln. Auch hier verwischen die Grenzen zwischen experimenteller und eingängiger Musik. Nicht nur ein Dada-Exzess, sondern voller köstlich schräger und genialer Pop-Sensibilität. KOU ist eine verblüffende Erfahrung, die angenehm verwirrt. In seiner Fragilität und Subtilität ist KOU der perfekte Opener für den Abend. (red/mcfly)

Weitere Informationen und Tickets gibt es unter meakusma.org.

Veranstaltungsort: Galerie vorn und oben, Katharinenweg 15a, 4701 Eupen. Einlass ist am Rosenmontag ab 19.30 Uhr, der Konzertbeginn ist um 20 Uhr.

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