DieGrenzEcho-Ausgabe vom Mittwoch, 12. Februar 2025, enthält zwei nachdenklich stimmende Berichte, die viel über die kulturelle Identität im deutschsprachigen Ostbelgien und das Verständnis der wallonischen Nachbarschaft aussagen: Der Eupener Autor Marcel Bauer wird für sein Buch „Schattenkinder - Eine Kindheit im Krieg“ mit dem Preis des Parlamentes ausgezeichnet. Dass darin die Flucht eines aus Polen stammenden jüdischen Jungen auch Lüttich, Seraing und das Ardennendörfchen Stoumont-La Gleize betrifft und von dem Eupener Schriftsteller erzählt wird, ist ein markantes Zeichen einer feinen Sensibilität für oft vergessene Ereignisse der Kriegsjahre. Es musste ein deutschsprachiger Dichter kommen, daran zu erinnern.
Denkwürdig ist auch die Entscheidung der DG, den Begegnungsort der hl. Caterina von Siena unter Schutz zu stellen. Peinlich jedoch der vorausgegangene Widerstand des Lütticher Provinzkollegiums, für die es keine „ausreichend wahrnehmbare Gründe der Einzigartigkeit“ gebe, weil in der Wallonie in Vielzahl vorhanden. Wie gut, dass sich die DG-Regierung über so viel Unwissen hinweggesetzt hat.
Der architektonische und künstlerische Wert des Gebäudeensembles auf dem Gebiet der Gemeinde Lontzen entspricht dem epochalen Reformgeist des Konzils. Die von Tausenden Besuchern aus dem In- und Ausland verehrte hl. Caterina wurde unterdessen eine Schutzpatronin Europas. Ihre mehrfach zerstörte Figur war ein Werk der aus Raeren stammenden, weltweit bekannten Künstlerin Maria Hasemeier aus der Schule des italienisch-deutschen Theologen Romano Guardini, der die neue Liturgie des Konzils maßgeblich geprägt hat. Dieser Hinwendung zur „Offenheit“, (weg vom schwer zugänglichen Andachtsraum), entspricht auch die außergewöhnliche Bauweise des Komplexes, die sich symbolisch an die Altstadt-Piazza von Siena orientiert. Sie stammt von dem Architekten José Fettweis aus Verviers und dem europaweit geschätzten Maler und Glasmaler André Blank aus Raeren. Kleine Pikanterie: Beide lehrten in den „Humanités artistiques“ der renommierten Kunst- und Architekturhochschule St. Luc in Lüttich. Für das Provinzkollegium ein Zeichen schlecht informierter Inkompetenz.
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